Treibstoffpreise entkoppeln sich vom Rohölpreis

18.08.2026 • 11:43 Uhr
Treibstoffpreise entkoppeln sich vom Rohölpreis

Der Rückgang der Rohölpreise ist an den heimischen Tankstellen kaum zu spüren. Laut einer am Dienstag veröffentlichten Analyse der UniCredit Bank Austria haben sich die Kraftstoffpreise zunehmend von den Rohölpreisen entkoppelt. Der Grund für die anhaltend hohen Spritpreise sind begrenzte Raffineriekapazitäten, die den energiebedingten Inflationsdruck hoch halten.

Nach Ansicht der Ökonomen der Bank hat sich der Versorgungsengpass vom Rohöl auf die Raffineriekapazitäten verlagert. Die sogenannten Crack-Spreads – ein Maß für die Rentabilität des Raffineriesektors – stiegen kürzlich auf den höchsten Stand seit der Energiekrise von 2022. Die Spannungen auf den globalen Märkten sind auf Produktionsausfälle und Kapazitätsengpässe an wichtigen Standorten im Nahen Osten sowie in Russland zurückzuführen, wo der Betrieb durch den Krieg beeinträchtigt wurde.

Rohölpreis seit Mai um ein Fünftel gefallen

Konkret ist der Rohölpreis seit seinem Höchststand Anfang Mai 2026 um mehr als 20 Prozent gefallen, von umgerechnet rund 95 auf knapp über 70 Euro pro Barrel. Die Diesel- und Benzinpreise sind dagegen deutlich weniger gesunken. In der ersten Augusthälfte kostete Diesel an österreichischen Tankstellen durchschnittlich 2,01 Euro pro Liter, während Superbenzin 1,78 Euro kostete. Nach Abzug von Mehrwertsteuer, Mineralölsteuer und CO2-Abgabe beliefen sich die Nettopreise auf rund 1,15 Euro für Diesel und 0,88 Euro für Benzin – ein Rückgang um nur 5 Prozent gegenüber den Höchstständen.

Kraftstoffe bleiben somit ein wichtiger Inflationsfaktor. Obwohl Energieprodukte nur etwa 8,2 Prozent des inländischen Warenkorbes ausmachen, sind sie seit Beginn des Iran-Konflikts für etwa ein Fünftel der Inflation verantwortlich. Vorläufigen Schätzungen zufolge sank die Inflationsrate im Juli auf 2,7 Prozent, doch der Rückgang fiel aufgrund der Kraftstoffpreise verhalten aus. Laut dem Bank-Austria-Ökonomen Walter Pudschedl hätten die Kraftstoffpreise im Juli ohne die gestiegenen Raffineriemargen um etwa 10 Cent pro Liter niedriger ausfallen können, was die Gesamtinflation um mehr als 0,2 Prozentpunkte gesenkt hätte. Der Preisdruck wurde zudem durch die schrittweise Abschaffung der staatlichen Benzinpreisbremse von 5 Cent im April auf derzeit 0,8 Cent pro Liter verschärft.

3,2 Prozent Inflation im Gesamtjahr erwartet

Für das Gesamtjahr 2026 prognostiziert die Bank Austria eine durchschnittliche Inflationsrate von 3,2 Prozent in Österreich und 2,9 Prozent in der Eurozone. Vor diesem Hintergrund wird bei der September-Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) eine weitere Anhebung der Leitzinsen um 25 Basispunkte erwartet. “Die geopolitischen Risiken im Nahen Osten, die Unsicherheit auf den Energiemärkten und die robuste Entwicklung der Arbeitsmärkte sprechen dafür, dass die EZB ihren Straffungszyklus noch nicht abgeschlossen hat”, sagte Chefökonom Stefan Bruckbauer. Dies dürfte das Ende des Straffungszyklus markieren und den Einlagensatz auf seinen Höchststand von 2,50 Prozent bringen.