U-Haft für Nord-Stream-Verdächtigen in Kroatien
Ein Gericht in Kroatien hat nach der Festnahme des ukrainischen Tauchers Vladimir Z. im Zusammenhang mit den Anschlägen auf die Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee Untersuchungshaft angeordnet. Das Gericht in Pula teilte am Donnerstag mit, “mit Blick auf seine Auslieferung” an Deutschland habe die Untersuchungsrichterin bei einer Anhörung U-Haft für den am Vortag festgenommenen Vladimir Z. angeordnet. Die Entscheidung sei wegen “Fluchtgefahr” getroffen worden.
Zuvor war Z. in Anwesenheit seines Anwalts und eines Übersetzers von einem Staatsanwalt vernommen worden. Er war am Mittwochmorgen in einem Hotel in Pula auf Grundlage eines Europäischen Haftbefehls von der kroatischen Polizei festgenommen worden. Z. soll vor vier Jahren zusammen mit anderen Tauchern die Sprengsätze an den Gasleitungen angebracht haben, wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte. Er wird somit von der Bundesanwaltschaft des gemeinschaftlichen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion, der verfassungsfeindlichen Sabotage sowie der Zerstörung von Bauwerken dringend verdächtigt.
Z. war bereits vor einem Jahr in Polen festgenommen worden. Ein polnisches Gericht verweigerte allerdings seine Auslieferung nach Deutschland, er kam zunächst wieder auf freien Fuß.
Hintergrund der Nord-Stream-Sprengungen
Die Nord-Stream-Leitungen waren für den Transport von russischem Gas nach Deutschland gebaut worden. Bei den Anschlägen im September 2022 wurden sie schwer beschädigt. Sie waren zu dem Zeitpunkt nicht in Betrieb. Russland hatte die Gaslieferungen über Nord Stream 1 bereits kurz zuvor gestoppt, mutmaßlich als Reaktion auf die westlichen Sanktionen angesichts des russischen Einmarschs in die Ukraine. Nord Stream 2 ging nie in Betrieb.
Die Ermittler gehen davon aus, dass sich die sieben mutmaßlichen Täter mit der Segeljacht Andromeda zu den Gaspipelines begeben hatten – unter ihnen ein Schiffsführer, ein Sprengstoffexperte und vier Tiefseetaucher. Bei Tauchgängen in bis zu 80 Metern Tiefe sollen sie vier mit Zeitzündern versehene Sprengsätze an den Pipelines befestigt haben, die am 26. September 2022 detonierten.