Red Cat will Steyr Motors für 205 Mio. Euro übernehmen
Der US-Drohnenentwickler Red Cat Holdings will die börsennotierte Steyr Motors für rund 205 Mio. Euro übernehmen und hat ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche Aktien des heimischen Motorenherstellers vorgelegt. Der Angebotspreis soll 39,00 Euro je Steyr-Aktie in bar betragen, wie das US-Unternehmen Montagfrüh mitteilte. Die an den Börsen in Frankfurt und Wien notierten Steyr-Titel sprangen am Montag zu Mittag um knapp 21 Prozent auf 36,80 Euro hoch.
Red Cat ist ein US-amerikanischer Anbieter von Drohnen- und Robotiklösungen für Verteidigung und nationale Sicherheit. Zuletzt wurde das Unternehmen an der Börse mit 721 Millionen US-Dollar (641 Mio. Euro) bewertet. Der Drohnenhersteller wuchs zuletzt stark: Nach einem Umsatz von 26,2 Mio. im Vorjahr möchte Red Cat 2026 bereits 150 bis 180 Mio. Dollar erwirtschaften; zudem konnte es seine Abhängigkeit vom US-Militär verringern. Operativ blieb man aber weiter defizitär. Im Mai sammelte die Firma durch eine Kapitalerhöhung rund 259 Mio. Dollar ein. Dennoch bleibt das Angebot, welches die österreichische Firma mit knapp 205 Mio. Euro (231 Mio. US-Dollar) bewertet, ein großer Brocken für die Amerikaner.
Kernaktionär B&C will Angebot annehmen
Steyr Motors wies für das Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 48,5 Mio. Euro aus. Der Motorenhersteller wurde 2024 von der deutschen Beteiligungsgesellschaft Mutares an die Börse gebracht. Die heimische B&C-Gruppe hält 15 Prozent an den Oberösterreichern, der Rest der Aktien befindet sich im Streubesitz. Laut Aussendung von Red Cat unterstützt der Ankeraktionär B&C das Übernahmeangebot.
Der Vollzug des Angebots wird laut Aussendung – vorbehaltlich regulatorischer Freigaben sowie weiterer üblicher Bedingungen – im ersten Halbjahr 2027 erwartet, sofern sich Red Cat Aktien über der Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent plus eine Steyr-Aktie sichern kann. Die Annahmefrist läuft bis 18. Dezember 2026.
Die Transaktion muss vom Wirtschaftsministerium genehmigt werden, da das seit 2020 geltende Investitionskontrollgesetz schlagend wird. Dieses regelt in Österreich die Übernahme von Unternehmen – in für Sicherheit oder öffentliche Ordnung relevanten Sektoren – durch Personen oder Gesellschaften aus Drittstaaten (Staaten außerhalb EU, EWR, Schweiz). Bis zum Vorliegen einer Genehmigung durch die Behörde gilt das Vollzugsverbot.
US-Firma verbaut bereits Steyr-Motoren
Das US-amerikanische Unternehmen liebäugelt bereits seit längerem mit einer Übernahme. Bereits im Sommer wurden Übernahmegespräche zwischen den Unternehmen publik, die damals noch zu keinem Ergebnis geführt hatten. Zudem ist die 2025 gestartete Red-Cat-Tochter Blue Ops Kundin bei den Oberösterreichern: Laut dem Hersteller beinhaltet das Boot “Variant 7” bereits einen Antrieb von Steyr Motors.
Deren kompakte Motoren mit hoher Leistungsdichte würden eine seltene Kompetenz missionskritische Verteidigungsanwendungen verkörpern, die sich nur schwer und mit erheblichem Zeitaufwand nachbilden ließe, erklärte Analyst Simon Keller vom Analysehaus NuWays in einer im August veröffentlichten Studie. Für Red Cat könne eine Übernahme daher die Antriebstechnologie für sein wachsendes Portfolio unbemannter Oberflächenfahrzeuge sichern, die vertikale Integration stärken und einen bedeutenden Wettbewerbsvorteil schaffen.
Produktion in Steyr soll ausgebaut werden
Falls Red Cat die Übernahme von Steyr Motors gelingt, will das US-Unternehmen nach eigenen Angaben Steyr als österreichisches Kompetenzzentrum erhalten und weiter ausbauen. Fertigung, Forschung und Entwicklung würden in Steyr verbleiben. Bei der geplanten Transaktion geht es darum, Steyr Motors “beim Wachstum zu unterstützen”, so Red-Cat-Chef Jeff Thompson in einer Aussendung. Die bestehenden Arbeitsplätze sollen gesichert werden, hieß es. 2025 belief sich die Anzahl der vollzeitäquivalenten Mitarbeiter der Steyr Motors auf 128.
Für diese fordert die Gewerkschaft GPA “verbindliche Zusagen, die die Arbeitsplätze, Produktion sowie Forschung und Entwicklung langfristig absichern”. Nach mehreren Eigentümerwechseln, einer Insolvenz und einem massiven Personalabbau hätten sich die Beschäftigten eine verlässliche Perspektive für ihre Zukunft im Unternehmen verdient, sagte der Geschäftsführer der Gewerkschaft GPA Oberösterreich, Wolfgang Gerstmayer.
Steyr-Motors-Chef und Aufsichtsratsvorsitzender begrüßen Übernahmepläne
Steyr-Motors-Chef Julian Cassutti und -Aufsichtsratsvorsitzender Rolf Wirtz befürworten inzwischen die geplante Übernahme. “Ich unterstütze diesen Schritt und beabsichtige, meine eigenen Steyr-Aktien ebenfalls im Rahmen des Angebots anzudienen”, so Cassutti. Wirtz ergänzte, er sehe in dem geplanten Zusammenschluss “erhebliches strategisches Potenzial”. Die mögliche Transaktion eröffne die Chance, die internationale Expansion weiter zu beschleunigen, neue Märkte zu erschließen und den Zugang zu wichtigen Ressourcen nachhaltig zu stärken.
IVA fordert “volle Transparenz und unabhängige Bewertung”
Nachdem die ersten Übernahmegespräche im Juli unterbrochen wurden, hatte Steyr Motors im August eine Gewinnwarnung vorgelegt und Umsatz- und Gewinnerwartungen gekappt. Vor diesem Hintergrund müsse man das Angebot einordnen, sagte IVA-Präsident Florian Beckermann. “Gerade das langfristige Marktpotenzial und der Zugang zu den europäischen Verteidigungsmärkten für ein US-Unternehmen sollte gewürdigt werden.”
Weil Großaktionär und Management die Transaktion offensichtlich unterstützen, brauche es volle Transparenz, eine unabhängige Bewertung und eine konsequente Gleichbehandlung aller Aktionäre, erklärte Beckermann. Zudem warnte er, dass das österreichische Übernahmerecht nicht zur Anwendung komme, da sich die Aktien weder in Frankfurt noch an der Wiener Börse in einem geregelten Markt befänden. Eine Prämie von knapp 29 Prozent zum Schlusskurs am Freitag klinge attraktiv, sei aber noch kein Gütesiegel für einen fairen Preis.