Trump für Vereinigung Nordirlands mit Republik Irland
US-Präsident Donald Trump würde laut eigener Aussage “sehr gerne” eine Wiedervereinigung von Irland und Nordirland sehen. “Ich habe Freunde auf beiden Seiten, es sind großartige Menschen. Es sind Iren, wie könnte das etwas Schlechtes sein”, sagte Trump am Samstag nach einem Treffen mit dem irischen Regierungschef Micheál Martin in Dublin. Die Regierung in London wies Trumps Aussagen am Samstag umgehend zurück.
Die Wiedervereinigung des seit über einem Jahrhundert geteilten Landes wäre ein “großer Erfolg”, auf den alle stolz sein könnten, sagte Trump. “So wie ich das sehe, wird es ohnehin irgendwann passieren. Dann kann es genauso gut jetzt passieren”, sagte der US-Präsident. An Martin gewandt fügte Trump hinzu, dieser sei “genau der richtige” Mann dafür. Allerdings würde das Vereinigte Königreich auch noch etwas dazu zu sagen haben. “Aber ich denke, es wäre eine großartige Sache”, sagte Trump.
Nur wenig später, während einer Ansprache in der Residenz des US-Botschafters in Dublin, wiederholte Trump seine Einschätzung und sagte, eine Wiedervereinigung wäre eine “ziemlich coole Sache”. Zugleich scherzte er, auf diese Frage gebe es keine gute Antwort. Bei der Presse sei jede Frage daraus aufgelegt, ihn zu erwischen. “Ich habe, glaube ich, eine nette Antwort gegeben. Morgen werden wir darüber lesen”, sagte Trump.
Trump sprach bei dem Treffen mit Martin zudem die engen Wirtschaftsbeziehungen an. US-Unternehmen beschäftigen etwa zehn Prozent der Arbeitnehmer in Irland. “Ihr habt uns ausgenommen, aber das ist okay”, sagte Trump mit Blick auf die Ansiedlung von Pharma- und Technologieunternehmen. Das Verhältnis zu Irland sei fantastisch. Trump ist wegen des Golfturniers Irish Open für 48 Stunden nach Irland gereist, das auf einer seiner Golf-Anlagen stattfindet.
Britische Regierung lehnt Referendum ab
Die britische Regierung wies die Äußerungen Trumps indes umgehend zurück. Die Haltung von Premierminister Andy Burnham bleibe unverändert: Ein Referendum über eine Abspaltung Nordirlands vom Vereinigten Königreich stehe nicht zur Debatte, teilte sie mit.
Auch Nordirlands größte pro-britische Unionistenpartei DUP wies Trumps Äußerungen zurück. Eine Wiedervereinigung würde zur “Zerstörung unseres Landes” führen, schrieb DUP-Chef Gavin Robinson auf der Online-Plattform X. Die verfassungsmäßige Zukunft Nordirlands werde von den Menschen dort entschieden, nicht durch Kommentare aus London, Dublin oder Washington.
Nur London kann ein Referendum über die Wiedervereinigung Irlands ansetzen
Ein Referendum über den Verbleib Nordirlands im Vereinigten Königreich kann nach dem Karfreitagsabkommen von 1998 ausschließlich von der britischen Regierung angesetzt werden. Der Vertrag beendete den jahrzehntelangen gewaltsamen Konflikt zwischen katholischen Nationalisten, die eine Vereinigung mit Irland anstrebten, und protestantischen Unionisten.
Eine Mehrheit in Nordirland befürwortet Umfragen zufolge den Verbleib im Vereinigten Königreich, der Vorsprung ist seit dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union jedoch geschrumpft. Irland ist EU-Mitglied. Bisherige US-Präsidenten hatten sich in der Irland-Frage stets neutral verhalten. Die USA spielten eine Vermittlerrolle bei dem Friedensabkommen.
Trump will Golf-Turnier Irish Open besuchen
Trump war am Samstag in Irland eingetroffen. Er freute sich nach Angaben des irischen Vize-Regierungschefs Simon Harris “sehr” auf seinen Golfplatz an der Westküste Irlands. “Er ist ein Mann, der Golf offensichtlich liebt, und er ist sehr stolz auf sein Resort in Doonbeg und freut sich darauf, dorthin zu fahren”, sagte Harris am Samstag dem Sender RTÉ, nachdem er Trump in der Früh auf dem Flugfeld in Dublin zu dessen zweitägigen Besuch mit teils auch offiziellen politischen Terminen begrüßt hatte.
Im Anschluss wurde Trump von der irischen Präsidentin Catherine Connolly vor deren Residenz Áras an Uachtaráin empfangen. Der US-Präsident reiste begleitet von seinem Sohn Donald Trump Jr. und dessen Familie an. Harris sagte, es sei der erste Besuch von Trumps Enkelkindern in Irland. Geplant waren bis Sonntagabend unter anderem das Gespräch mit Regierungschef Micheál Martin sowie der Auftritt vor Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der US-Botschaft sowie Wirtschaftsvertretern. Zentraler Anlass der Reise ist aber nicht die Politik, sondern das Golfturnier Irish Open, das auf Trumps Golfresort im westirischen Doonbeg stattfindet. Am Sonntag wollte der Republikaner die Schlussrunde des Turniers verfolgen.
Proteste geplant
Nach Angaben des irischen Rundfunks RTÉ sind jedoch nicht alle Iren begeistert von dem Besuch des US-Präsidenten. Etwa in Dublin war ein Protestmarsch geplant. Und auch in Doonbeg sowie am Flughafen Shannon sollte es den Angaben nach Proteste geben. Die irische Polizei, auch Gardaí genannt, bereitete sich mit umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen auf den Besuch vor und spricht der Nachrichtenagentur PA zufolge von einem der komplexesten Einsätze, die je durchgeführt wurden. Auch gegen mögliche Drohnen seien die Sicherheitskräfte gerüstet: Spezielle Systeme sollen Fluggeräte erkennen, verfolgen und bei Bedarf abwehren.
Die “Irish Times” kommentierte am Samstag den Besuch Trumps folgendermaßen: “Er ist wahrscheinlich der schlechteste Präsident, den die Amerikaner je gewählt haben. Die meisten Menschen würden einen solchen Mann nicht bei sich zu Hause willkommen heißen, und die Mehrheit der Iren wird diesen Besuch nicht begrüßen. Staats- und Regierungschefs müssen jedoch weitergehende Überlegungen berücksichtigen. Unabhängig von den Eigenschaften des Mannes verdient das Amt Respekt als Teil der tiefen allgemeinen Verbundenheit zwischen Irland und den USA. Trumps Amtszeit wird enden, und es bleibt zu hoffen, dass sein Land einen Weg findet, den Makel zu beseitigen, den er hinterlässt. Die USA bleiben eine große Nation, und ihre vielen Freunde in Irland und darüber hinaus können ihr nur eine rasche Rückkehr zu ihrem besseren Wesen wünschen.”