Van der Bellen überreichte Vorhofer- und Hochner-Preis

Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat am Dienstag die renommierten Auszeichnungen Kurt-Vorhofer-Preis und Robert-Hochner-Preis in der Präsidentschaftskanzlei verliehen. Prämiert wurden “Falter”-Chefreporterin Nina Horaczek und ORF-Journalistin Constanze Ertl. Bei der Veranstaltung wurde an die schwierige Lage für die Medienbranche und an ME/CFS-Betroffene erinnert, aber auch hervorgestrichen, dass nicht alles schlecht sei.
Van der Bellen erinnerte zu Beginn an den jüngst im Alter von 65 Jahren verstorbenen Journalisten Andreas Koller, der einst mit dem Vorhofer-Preis ausgezeichnet wurde und viele Jahre als Politikchef bei den “Salzburger Nachrichten” tätig war. Er habe ihn und seine Arbeit sehr geschätzt. Wie könne man das Andenken an ihn bewahren? “Versuchen wir alle mehr so zu sein wie Koller: unparteiisch, unbestechlich, von Sachwissen geprägt”, sagte das Staatsoberhaupt und übergab an Politikwissenschafterin Barbara Prainsack, die die Festrede hielt.
Freie Medien kein “Nice-to-have”
Prainsack erinnerte daran, dass freie und qualitativ hochwertige Medien kein “Nice-to-have” in einer liberalen Demokratie seien. “Sie gehören zum institutionellen Kern”, sagte sie. Wahlen und ein intakter Rechtsstaat würden alleine nicht ausreichen. Journalismus habe daher auch eine besondere Verantwortung. In einer fragmentierten Informationslandschaft reiche es nicht aus, Fakten zu berichten. Journalismus müsse Prozesse und langfristige Entwicklungen sichtbar machen, um Komplexität und den Wert des Kompromisses sichtbar zu halten.
Ute Groß, Vorsitzende der Journalistengewerkschaft in der GPA, erinnerte an einen “Personalabbau von historischem Ausmaß”, der sich seit vergangenem Jahr in der Branche ereignet habe. Und dieser setze sich im heurigen Jahr bereits fort. “Journalisten werden zur schützenswerten Art”, mahnte sie. Damit erodiere eine zentrale Kontrollinstanz. “Wer es mit der Demokratie ernst meint, muss es auch mit der Medienförderung ernst meinen”, appellierte sie an die Politik, auf die Lage der Branche angemessen zu reagieren.
Der mit 7.500 Euro dotierte und von der Journalistengewerkschaft ausgeschriebene Kurt-Vorhofer-Preis für herausragende politische Berichterstattung in Printmedien ging dieses Jahr an Nina Horaczek. Die “Falter”-Chefreporterin übernehme in ihrer journalistischen Arbeit “in beispielhafter Weise soziale Verantwortung”, befand die Jury. Ihre Arbeit zeichne sich “durch thematische Breite und stilistische Brillanz aus und gibt all jenen eine Stimme, die in der politischen Debatte vielfach überhört werden”.
Horaczek: “Können ruhig selbstbewusst sein”
Horaczek unterschrieb, dass die Lage für viele Medien dramatisch sei. Doch: “Jammern bringt uns nicht weiter. Es ist nicht alles nur schlecht.” So zeigte sie sich etwa dankbar dafür, in einem Land zu leben, “in dem mir keine akute Gefahr droht, weil ich Journalistin bin”. Auf die Pressefreiheit in Österreich könne man stolz sein und man müsse sie schützen. Niemand in Österreich zwinge Journalistinnen und Journalisten dazu, gefügig zu berichten, niemand zwinge dazu, auf den Double-Check zu verzichten, nur um schneller als andere Medien mit Neuigkeiten online zu sein. Niemand zwinge dazu, rechtsextreme Kampfbegriffe zu übernehmen, und niemand zwinge dazu, “einen Umfragekaiser zum Volkskanzler hochzuschreiben”.
“Wir Journalistinnen und Journalisten können ruhig selbstbewusst sein”, so Horaczek. Man handle mit Informationen, die wichtig für eine funktionierende Demokratie seien. “Wie wir informieren und wem wir eine Stimme geben, ist wichtig”, so die “Falter”-Journalistin.
Der Robert-Hochner-Preis für hervorragende Berichterstattung im Radio- und Fernsehbereich ging heuer an Constanze Ertl. Ertl erhielt die ebenfalls mit 7.500 Euro dotierte und von der Journalistengewerkschaft ausgeschriebene Auszeichnung für ihre “couragierte und beharrliche Recherche und aufklärerische Berichterstattung über den hochsensiblen Bereich der vernachlässigten und schweren Krankheit ME/CFS”. Die im Chronik-Ressort des ORF beschäftigte Journalistin habe erfolgreich auf politische Versäumnisse aufmerksam und mit journalistischer Durchsetzungskraft ein gesellschaftspolitisches Tabuthema sichtbar gemacht.
Ertl: Nicht angemessen auf ME/CFS reagiert
Ertl kam auch in ihrer Rede auf ME/CFS zu sprechen, diese Erkrankung, die “so viel Leid verursacht und trotzdem so lange ignoriert wurde”. ME/CFS – häufig als “unsichtbare Krankheit” bezeichnet – stürze die Erkrankten und ihre Angehörigen in Verzweiflung. Wegen des knappen Energiebudgets der Erkrankten müssten diese vielfach auf Freizeitaktivitäten verzichten, schwer Betroffene könnten ihre Wohnung nicht verlassen oder seien gar ans Bett gefesselt.
“ME/CFS macht sichtbar, dass es das Gesundheits- und politische System nicht schafft, in angemessener Zeit auf das Leid Tausender Menschen mit substanziellen Verbesserungen zu reagieren”, sagte Ertl. Durch die Covid-Pandemie sei die Anzahl der Erkrankten stark gestiegen. Davor sei auch von den Spezialisten gewarnt worden – doch wurden sie kaum gehört. Zu Wort seien dagegen Beschwichtiger und diejenigen, die sich im Status quo gut eingerichtet hätten, gekommen. Dankbar zeigte sich die Preisträgerin dafür, im Zuge ihrer Recherchen sehr viele starke, eindrucksvolle Menschen kennengelernt zu haben, die “trotz ihrer Erkrankung für ihre Rechte kämpfen”.