Vorarlberg

Badeunfall an der Bregenzerach: Neues Bildmaterial und Details vom Einsatz

30.06.2026 • 17:59 Uhr
Badeunfall an der Bregenzerach: Neues Bildmaterial und Details vom Einsatz
Wasserretterin Waltl warnt vor den Gefahren, die die Bregenzerach beim Baden birgt. Einem 18-Jährigen wäre das beinahe zum Verhängnis geworden. Stiplovsek/ZVG

Einsatzleiterin Sarah Waltl erklärt, wie die Rettung des alkoholisierten 18-Jährigen an der Bregenzerach abgelaufen ist. Dazu machte sich die NEUE vor Ort ein Bild der Unfallstelle und sprach mit Badegästen.

Erneut mussten Einsatzkräfte zu einem Badeunfall in Vorarlberg ausrücken: Ein 18-jähriger Badegast konnte sich am Montagnachmittag bei Hard in der Bregenzerach nicht mehr über Wasser halten, als er zwischen zwei Steinen hängen blieb. Seine Freunde zogen ihn aus dem Wasser und starteten die Reanimation, bis die herbei alarmierten Rettungskräfte übernahmen.

Badeunfall an der Bregenzerach: Neues Bildmaterial und Details vom Einsatz
Diese Aufnahme der Wasserrettung zeigt den Einsatzort. ÖWR Hard

“Beim Abtransport war der Mann ansprechbar und in stabilem Zustand”, erklärt Einsatzleiterin Sarah Waltl von der Wasserrettung Hard, die bei der Rettungsaktion vor Ort war. Eine beruhigende Nachricht, angesichts von insgesamt 25 Badeunfällen, die bundesweit in diesem Jahr bereits tödlich endeten – zuletzt auch in Bürs, wie berichtet kamen dort drei Personen (10, 22 und 40 Jahre alt) unter eine Wasserwalze und überlebten nicht.

Begleiter und Ersthelfer retteten 18-Jährigen

Gegenüber der NEUE schildert die Einsatzleiterin, dass bereits ein Mitglied der Wasserrettung, das zufällig in der Nähe gewesen sei, mit der Beatmung des 18-Jährigen begonnen habe. Der Polizeimeldung zufolge habe der Mann mehrfach mit den Händen auf die Wasseroberfläche geschlagen, als ob er sich nicht mehr über Wasser halten könne. Da er dies zuvor bereits des Öfteren aus Spaß gemacht hatte, erkannten seine Freunde die Situation nicht sofort, reagierten jedoch direkt, als er sich nicht mehr bewegte. Die Einsatzleiterin betont jedenfalls: “Die Kollegen des 18-Jährigen haben ihn aus dem Wasser gezogen und Erste Hilfe geleistet. Sie haben vorbildlich gehandelt.” Waltl und ihre Kollegen trafen mit dem ersten Einsatzbus der Wasserrettung ein: “Wir haben dann der Rettung bei der Bergung des Mannes aus dem Flussgelände geholfen”, erklärt sie.

Badeunfall Bregenzer Ach
Eine exklusive Aufnahme der Rettung durch die Einsatzkräfte. ÖWR Hard

Vor Ort habe der Badegast immer wieder das Bewusstsein verloren und reanimiert werden müssen, erklärt die Wasserretterin. Laut Polizeiangaben habe der 18-Jährige, der zuvor bereits Alkohol konsumiert hatte, bei der Behandlung durch den Rettungsdienst wiederholt ein aufbrausendes Verhalten an den Tag gelegt, weshalb ihm ein Beruhigungsmittel verabreicht worden sei. Der Transport ins Landeskrankenhaus Bregenz sei zudem von der Polizei begleitet werden. Waltl bestätigt das auf Nachfrage, wollte aber nicht konkret auf die Details in diesem Punkt eingehen.

Bregenzerach ist nicht zu unterschätzen

Allgemein hebt die Einsatzleiterin hervor, dass Alkohol und Hitze eine nicht zu unterschätzende Kombination sind: “Alkohol ist gefährlich, weil er die negativen Folgen der Hitze verstärkt.”

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Einsatzleiterin Sarah Waltl von der ÖWR-Abteilung Hard. ZVG

Weiters betont sie, man solle beim Baden langsam ins Wasser gehen und sich erst abkühlen, anstatt bei den hohen Temperaturen gleich ins kühle Nass zu springen. Baden in einem Fluss berge generell Risiken: “Oft ist das Wasser gefährlicher, wie es von außen scheint. Im Flussbett sieht man Äste und Steine am Boden nicht immer. Gefährlich wird es, wenn man über sie stolpert oder umknickt und dadurch in Panik gerät.” Außerdem warnt Waltl vor den Risiken, die die Bregenzerach beim Baden birgt: “Wenn es im Bregenzerwald ein Gewitter gibt, kann die Ach plötzlich deutlich mehr Wasser führen und Badegäste überraschen, besonders wenn das Wetter im Tal unten noch sonnig ist.”

Badeunfall an der Bregenzerach: Neues Bildmaterial und Details vom Einsatz
Ein Schild in der Nähe der Unfallstelle warnt vor plötzlichem Wasseranstieg in der Bregenzerach. Stiplovsek

Bei einem Lokalaugenschein der NEUE am Unfallort bestätigt sich die Ansicht der Expertin: Die Strömung bei den Steinen, zwischen denen der 18-Jährige eingeklemmt war, ist sichtbar stark und die Flusstiefe aufgrund des leicht trüben Wassers von außen nicht einzusehen.

Badeunfall an der Bregenzerach: Neues Bildmaterial und Details vom Einsatz
Das Wasser vor Ort war beim NEUE-Lokalaugenschein trüb, was die Tiefe praktisch nicht einsehbar macht. Stiplovsek

Beim Gespräch mit Badegästen vor Ort berichtet Manzur: “Ein Kollege von mir hat vor einigen Jahren mitbekommen, wie ein Mädchen in der Bregenzerach etwa 10 Minuten unter Wasser war. Sie ist bei dem Unfall verstorben.” Er selbst gebe beim Baden besonders acht: “Auch als guter Schwimmer ist man hilflos, wenn man einen Krampf bekommt”, erklärt der Bregenzer, der sein Foto und seinen Nachnamen nicht in den Medien sehen wollte. Alkohol, erläutert er, trinke er weder beim Baden noch sonst irgendwo, aus religiösen Gründen.

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Sucan Aydemir (l.) und Alina Irazikhanova raten, beim Baden insgesamt auf Alkoholkonsum zu verzichten. Stiplovsek

Sucan Aydemir (19) und Alina Irazikhanova (18) erklären, dass sie ebenfalls keinen Alkohol trinken, entsprechend sind sie von dieser Gefahrenquelle beim Baden nicht betroffen. “Beim Baden sollte man Alkohol generell vermeiden”, sagt die 18-jährige Bregenzerin. Ihre Kollegin, die aus Hard kommt, erklärt: “Ich gehe sowieso nur dort ins Wasser, wo es nicht zu tief ist und wo ich stehen kann.” Irazikhanova pflichtet ihr bei: “Ich bin auch nicht die beste Schwimmerin.” Beide kühlen sich lieber im Strandbad als im Wasser der Bregenzerach ab. Zum Thema Badeunfälle meint Aydemir, sie könne im Ernstfall eine Reanimation durchführen: “An meiner Schule, dem Gymnasium Blumenstraße, hatten wir das Wahlpflichtfach ‘Mensch und Gesundheit’, wo man Erste-Hilfe-Maßnahmen gelernt hat.” Diese wichtige Fähigkeit – das zeigt der Fall des 18-Jährigen – kann Leben retten.

(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)