Verbund für 2022 optimistischer nach starkem ersten Quartal

12.05.2022 • 10:02 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Verbund für 2022 optimistischer nach starkem ersten Quartal

Der Stromkonzern Verbund ist nach einem kräftigen Gewinnanstieg im ersten Quartal aufgrund der höheren Strom-Großhandelspreise nun für das Gesamtjahr 2022 noch etwas optimistischer. Heuer rechnet man mit 1,55 bis 2 Mrd. Euro Nettogewinn statt bisher 1,4 bis 2 Mrd., hieß es am Donnerstag. Im ersten Quartal lag das Konzernergebnis mit 514,4 Mio. Euro um 256 Prozent über dem Vorjahresvergleich.

Geplant sei für das Geschäftsjahr 2022 eine Dividenden-Ausschüttungsquote zwischen 45 und 55 Prozent, bezogen auf das um Einmaleffekte bereinigte Konzernergebnis von 1,5 bis 1,95 Mrd. Euro.

Beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) wurde bis März ein Plus von 169 Prozent auf 814,9 Mio. Euro erzielt – im Gesamtjahr werden nun 2,8 bis 3,5 Mrd. Euro statt der bisherigen Prognose von 2,6 bis 3,5 Mrd. Euro erwartet. Der Umsatz war im ersten Quartal mit 2,532 Mrd. Euro gut dreimal so hoch wie im Vorjahr (+210 Prozent).

Deutlich positiv auf die Ergebnisentwicklung wirkten die stark gestiegenen Termin- und Spotmarktpreise auf dem Großhandelsmarkt für Strom. Der durchschnittlich erzielte Absatzpreis in der Eigenerzeugung aus Wasserkraft stieg um 66,3 Euro pro Megawattstunde (MWh) auf 113,8 Euro je MWh, mehr als eine Verdopplung. Dabei lag der Laufwasserkraftwerk-Erzeugungskoeffizient mit 0,94 um 5 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert und um 6 Prozentpunkte unter dem langjährigen Schnitt.

Die Erzeugung der Jahresspeicherkraftwerke stieg um 15,1 Prozent auf 1.273 Gigawattstunden, daher sank die gesamte Wasserkraft-Stromproduktion nur um 47 GWh auf 5.968 GWh (-0,8 Prozent). Bei den Neuen Erneuerbaren steuerte Windkraft mit 314 GWh um 23,9 Prozent mehr bei; davon 169 GWh in Rumänien, 78 GWh in Österreich und 67 GWh in Deutschland. Neben der Eigenerzeugung von 6.970 GWh (+8,9 Prozent) bezog der Verbund 9.165 GWh (+39,0 Prozent) aus Handel und Vertrieb sowie 1.272 GWh via Verlust- und Regelenergie. In Summe machte die Stromaufbringung 17.407 GWh aus (+25,1 Prozent).

Der Verbund-Stromabsatz stieg im ersten Quartal um 23,8 Prozent auf 16.187 GWh. Dabei erhöhte sich der Absatz an die Endkunden um 2,9 Prozent auf 3.618 GWh. Der Strom- und Gaskundenstock belief sich hier per Ende März auf 533.000. Der Absatz an Weiterverteiler wuchs um 14,6 Prozent auf 6.902 GWh, der an Händler durch Lieferungen im In- und Ausland besonders kräftig um 60,2 Prozent auf 5.668 GWh. Vom gesamten Stromabsatz von 16.187 GWh entfielen 7.740 GWh (+9,8 Prozent) auf Österreich, 6.947 GWh (+46,3 Prozent) auf Deutschland und 1.287 GWh (+20,7 Prozent) auf Frankreich. Der deutsche Markt war mit rund 82 Prozent der im Ausland abgesetzten Mengen der größte Auslandsmarkt des Verbund.

Ein positiver Ergebnisbeitrag kam zudem aus der Vollkonsolidierung des per Ende Mai erworbenen regulierten Gasfern- und -verteilnetzbetreibers Gas Connect Austria GmbH (GCA). Auch der Beitrag der Flexibilitätsprodukte stieg durch die höhere Volatilität im Strommarkt deutlich. Im Segment Thermische Erzeugung führte der gestiegene Einsatz des steirischen Gas-Kombikraftwerks Mellach zu positiven Ergebnisbeiträgen: Aus Wärmekraft wurden wegen des Fernwärmeliefervertrags sowie des Netzstützungs-Einsatzes von Mellach mit 688 GWh um 557 GWh mehr erzeugt. Begünstigt war das Konzernergebnis im ersten Quartal zudem durch einen positiven Ertragsteuer-Einmaleffekt von 56,6 Mio. Euro, durch eine Steuerlatenz-Umwertung wegen der KÖSt-Senkung im Rahmen der Steuerreform.

Der Personalaufwand stieg im Quartal um 15,3 Mio. auf 105,03 Mio. Euro, bedingt durch die volle Konsolidierung von GCA und Smatrics, die KV-Erhöhung sowie die Aufnahme zusätzlicher Beschäftigter. Der betriebswirtschaftliche Personalstand wuchs binnen Jahresfrist im Schnitt auf 3.435 (2.949).