Viennale endete mit guten Zahlen und Preis für “Everytime”

03.11.2026 • 20:21 Uhr
Viennale endete mit guten Zahlen und Preis für "Everytime"

Die Viennale 2026 ist zu Ende. Nach 13 Festivaltagen bog Österreichs größtes Filmfestival mit der Verleihung der Preise und einem leichten Plus bei den verkauften Tickets auf die Zielgerade ein. Bei der feierlichen Abschlussgala des cineastischen Hochamts im Wiener Gartenbaukino verabschiedete Direktorin Eva Sangiorgi die Viennale-Gemeinde mit “Loneliest Man in Town” des Regieduos Tizza Covi und Rainer Frimmel – nachdem traditionell zuerst die Formalitäten erledigt wurden.

So freute sich die Direktorin bei der Festspielausgabe 2026 über 78.800 verkaufte Eintrittskarten – 200 mehr als im Vorjahr, wobei 112 der 330 öffentlichen Vorstellungen ausverkauft waren. In der heuer im Funkhaus positionierten Festivalzentrale zählte man darüber hinaus 3.500 Gäste. Die Auslastung blieb mit rund 78,5 Prozent stabil im Vergleich zum Vorjahr.

“Es waren zwei intensive und atemlose Wochen”, zeigte sich Sangiorgi enthusiasmiert: “Ich habe das Gefühl, dass wir in diesem Jahr noch enger zusammengerückt sind: mit unserem treuen Publikum, mit jungen und ganz jungen Menschen, aber auch mit der Filmbranche.” Weiter mit an Bord bleibt dabei übrigens Paolo Calamita, “der beste Geschäftsführer der Welt”, so Sangiorgi. Nachdem man im Vorjahr den Vertrag von Sangiorgi bis einschließlich der Festivalausgabe 2028 prolongierte, wurde nun auch jener des kaufmännischen Experten bis 2030 verlängert.

Wiener Filmpreis an “Everytime”

Und auch wenn die Viennale keinen offiziellen Wettbewerb hat, bleibt der Preisregen beim Festival nicht aus. So wurde im Rahmen der Abschlussgala wieder der von der Stadt gestiftete, 11.000 Euro plus Hotelleistungen schwere Wiener Filmpreis für eine aktuelle, heimische Produktion verliehen. Dieser ging heuer an Sandra Wollners Erfolgsfilm “Everytime”. Das Werk über Trauer mit Birgit Minichmayr in der Hauptrolle ist eine zu gleichen Teilen von Österreich und Deutschland finanzierte Koproduktion, die für Deutschland heuer ins Auslandsoscarrennen geht.

“Der Regisseurin gelingt es, mit Vorstellungen davon zu brechen, wie Trauer und Verlust auf und jenseits der Leinwand auszusehen haben. Hier gibt es keinen Voyeurismus und keine Melodramatik, stattdessen leise Momente, unausgesprochene Gefühle, ungelebte Zukunftsvisionen”, begründete Kuratorin Astrid Peterle für die Jury die Ehrung.

Der ebenfalls vergebene, mit insgesamt 6.000 Euro plus Hotelleistungen verbundene Spezialpreis der Jury ging indes an den Dokumentarfilm “Militantropos” des Regietrios Alina Gorlova, Yelizaveta Smith und Simon Mozgovyi über den Kriegsalltag in der Ukraine. “Er widersetzt sich dem gefährlichen Gewöhnungseffekt der täglichen Berichterstattung und fokussiert stattdessen auf die Lebensrealität von Menschen, für die der Krieg nicht Nachricht, sondern Alltag ist und für die der Ausnahmezustand die Normalität darstellt”, so Schauspielerin Hilde Dalik im Namen der Jury.

Ehrungen für den Eröffnungsfilm

Der mit 10.000 Euro dotierte Erste Bank Filmpreis hingegen, der ebenfalls einem österreichischen Film gewidmet ist, wurde dem nur 21-minütigen Eröffnungswerk des heurigen Festivals, Johann Lurfs visuellem Essay “Forever…Forever”, und damit einem Experimentalfilm zugesprochen. Über den vom “Standard” organisierten Publikumspreis an ein Werk aus dem Festival, das noch keinen Verleih in Österreich hat, kann sich indes das Duo Peter Badel und Chris Wright für “Übergang” freuen, einer Hommage an den verstorbenen Thomas Heise. Hier gibt es Anzeigenvolumen im Wert von 25.000 Euro.

Und zu guter Letzt vergab auch wieder der Verein der internationalen Filmkritik seine Ehrung. Der FIPRESCI-Preis an herausragende Nachwuchsfilmschaffende wurde dabei Marie-Clémentine Dusabejambo für “Ben’imana” über den Genozid in Ruanda zugesprochen. “Es ist nicht nur ein bemerkenswertes Debüt. Eine junge, noch immer im Aufbau begriffene Filmkultur gewinnt hier eine eigenständige Stimme”, zollte Marietta Steinhart als Jurysprecherin dem geehrten Werk ihren Respekt.

(S E R V I C E – )