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Literaturhaus Vorarlberg mit Comic-Lesung für Blinde und Sehbeeinträchtigte

03.11.2026 • 17:46 Uhr
"Eine einmalige Veranstaltung im Dezember 2025. Unsere erste Comiclesung mit Audiodeskription, die für alle Gäste hörbar war"
Wendland (l.) und Eib bei einer gemeinsamen Lesung in Stuttgart.
HörMal Audiodeskription

„Immer alles anders“ wird am Freitag als audiodeskriptive Lesung vorgestellt. Eine begleitende Ausstellung macht die wechselnden Formen der Hauptfigur ertastbar.

Der Comic ist ein rein visuelles Medium. Wie er für sehbeeinträchtigte und blinde Personen zugänglich gemacht werden kann, lässt sich diesen Freitag in Hohenems erleben. Comic-Artist Dominik Wendland wird dort ab 19 Uhr im Literaturhaus Vorarlberg gemeinsam mit Audiodeskriptor Florian Eib die Publikation „Immer alles anders“ vorstellen. Besuchende können sich dabei auf eine viele Sinne gleichermaßen ansprechende Erfahrung einstellen.

"Immer alles anders"
„Immer alles anders“ wurde 2025 mit dem prestigeträchtigen Comicbuchpreis der Berthold Leibinger Stiftung ausgezeichnet. Wendland

Mannigfaltige Verwandlungen

In Wendlands Geschichte verändert die Hauptfigur fortwährend Form und Farbe. Diese Verwandlung ist die Folge einer fortschreitenden Anpassung an die Erwartungen anderer. Für das Comic-Genre typisch erzählen die Zeichnungen einen Inhalt, der über den der Sprechblasen hinausgeht. Damit diese Ebene verbal nachvollziehbar wird, ist die Expertise Eibs gefragt.

Der ausgebildete Radiojournalist ist seit 2014 im Bereich der Audiodeskription tätig. Er beschreibt für blinde und sehbeeinträchtigte Menschen, was bei Sportveranstaltungen, im Theater oder in der Oper zu sehen ist. Auch Stadtführungen gehören zu seinem weiten Arbeitsfeld. Eine feste Schablone, die sich auf jedes Kulturangebot übertragen ließe, gebe es nicht, erklärt Eib im Gespräch mit der NEUE. Zunächst müsse er sich jeweils mit der Vorlage beschäftigen und herausfinden, welche Möglichkeiten sie bietet. Da Wendlands Bilder über eine besondere Ausdrucksstärke verfügen, bieten sie sich laut dem Sprecher besonders gut für eine literarische Beschreibung an. Ein Potenzial, das im Umkehrschluss viel Arbeit am Text verlange.

Im Literaturhaus wird Wendland aus den Sprechblasen vorlesen und Geräusche einspielen. Verschränkt mit Eibs Bildbeschreibungen entsteht daraus eine Art Live-Hörspiel. Nicht jede Information lässt sich jedoch sinnvoll in die laufende Lesung einfügen. Allgemeine Hinweise zu Wendlands Zeichenstil werden deshalb in der Moderation vermittelt. Während des Vorlesens können sich die beiden Stimmen auf die Handlung und die einzelnen Bilder konzentrieren.

Fingerspitzengefühl

Zur sprachlichen Übersetzung kommt das Tasten: Skulpturale Objekte geben die verschiedenen Formen der Hauptfigur wieder. Gerade diese wechselnden Gestalten lassen sich mit Worten allein mitunter schwer vermitteln. Sie mit den Händen zu erkunden, ermöglicht einen eigenen Eindruck von ihrer Form. Eib kennt diesen Zugang auch aus dem Theater, wo Bühnen- und Kostümführungen die Beschreibung ergänzen.

"alles immer anders" Comicbuchpreis
Die Skulptur lässt ertasten, was die Bilder zeigen. Joos

Die Objekte bleiben nach der Lesung als Teil einer Ausstellung im Literaturhaus. Entwickelt wurde sie für und mit blinden und sehbeeinträchtigten Menschen. Nach Stationen im Literaturhaus Stuttgart und im Literarischen Colloquium Berlin kommt sie nun nach Hohenems. Dort eröffnet Wendland die Schau gemeinsam mit Literaturvermittlerin Lilian Contzen zum Auftakt des Abends.

"immer alles anders" Comic Buch Preis Ausstellung
Joos

Was Eib mit der Comic-Lesung verfolgt, ist zugleich der Grundgedanke seiner gesamten Arbeit: die Möglichkeit von Teilhabe. Diesen Gedanken veranschaulicht er am Beispiel Fußball, einem Feld mit besonders ausgeprägter Expertise für Audiodeskription. So sollen alle Teilnehmer nach einem Match konkret und informiert urteilen können. „Ich stelle mir immer vor, wenn eine blinde Person später in der Kneipe dabei ist, soll sie sagen können: ‚Die super Parade in der 43. Minute hat uns den Sieg beschert‘.“

Lesung und Vernissage: Freitag, 6. November, 19 Uhr. Eintritt nach eigener Wahl, Anmeldung unter anmeldung@literatur.ist. Ausstellung bis 4. März 2027, zu den Öffnungszeiten bei freiem Eintritt zugänglich.