Volkswagen kündigt verschärften Sparkurs an

Im Ringen um die nächste Sparrunde bei Europas größtem Autobauer Volkswagen dringt Markenchef Thomas Schäfer auf Tempo. “Wir haben absolut keine Zeit zu verlieren und werden deshalb in unserem Performance-Programm nochmal deutlich nachlegen”, sagte Schäfer am Montag auf einer Betriebsversammlung in Wolfsburg. “Wegschauen löst keine Probleme.” Über das Wie werde nun mit den Arbeitnehmervertretern gesprochen.
Betriebsratschefin Daniela Cavallo sagte nach Informationen aus Teilnehmerkreisen, es stehe fest, dass die Sparbemühungen noch heftiger würden. “Alles in allem stehen damit die Zeichen auf Sturm”, sagte sie. “Und der wird kein Kleiner.”
“Gewinnkraft futsch”
Cavallo räumte ein, dass sich das Unternehmen massiv verändern müsse. “Der Großteil unserer bisherigen Gewinnkraft ist futsch. Das ist die nackte Wahrheit.” Europas Autoindustrie werde sich massiv neu ordnen. Traditionsreiche Hersteller blieben auf der Strecke, andere müssten fusionieren oder Allianzen bilden, an die sie früher nie gedacht hätten. Die Frage sei nicht, ob neue Lasten auf die Beschäftigten zukämen, sondern nur noch, wie es gelinge, die Lasten fair zu verteilen.
Zu den Plänen des Unternehmens, 25.000 Arbeitsplätze in Deutschland zu streichen, sagte Cavallo, offen sei, wie das sozialverträglich gelingen solle. Die Frage sei, ob auch betriebsbedingte Kündigungen geplant seien. Auf Ebene des Aufsichtsrates gebe es einen ungelösten Konflikt, der sich vor allem um die Zukunft von vier Standorten drehe. “Aber insgesamt dreht er sich auch darum, was wir dem Renditeziel der neun Prozent Gewinnkraft unterordnen.”
Gewinnprognose deutlich gesenkt
Volkswagen hatte am Freitag seine Gewinnprognose für das laufende Jahr deutlich gesenkt und das unter anderem mit einer Milliardenabschreibung auf die Tochter Porsche begründet. Porsche habe nach einer Aufsichtsratssitzung mittel- und langfristige Prognosen aktualisiert, was die Neubewertung des 75-Prozent-Anteils an dem Sportwagenbauer ausgelöst habe, hieß es zur Begründung. Details sollen bei einem Kapitalmarkttag am 7. Oktober bekanntgegeben werden. Volkswagen selbst leidet zudem unter dem Zusammenbruch des chinesischen Marktes und der steigenden Nachfrage nach margenschwachen Elektroautos. VW-Vertriebschef Martin Sander sagte, vor allem in Deutschland und anderen europäischen Ländern steige die Beliebtheit dieser Autos. “Damit erleben wir einen wichtigen Wendepunkt in der Transformation des Automobilmarktes”, sagte er. Zugleich gehe die Nachfrage nach Verbrenner-Autos zurück.
Entsprechend werde das Produktionsprogramm in den Werken angepasst. So fallen im Stammwerk in Wolfsburg, wo der Tiguan und der Golf gebaut werden, eigentlich ab September geplante Sonderschichten weg. Im Elektrowerk in Emden, in dem der ID.4 und der ID.7 gefertigt werden, wurden dafür zwei Zusatzschichten eingeplant.
Anfang September hatte der Aufsichtsrat grünes Licht für einen weiteren Sparplan bei Volkswagen gegeben, bei dem unter anderem weitere zehntausende Stellen weltweit gestrichen werden sollen. Die Fertigung in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm steht langfristig zur Disposition. VW-Chef Oliver Blume will so die Rendite des Konzerns bis 2030 auf neun Prozent steigern.