Von “Hohes Haus” ins Hohe Haus: Gertrude Aubauer ist 75

Sie kannte das Hohe Haus aus der Perspektive einer Journalistin und einer Politikerin. Gertrude Aubauer hat das Parlament viele Jahre ihres Berufslebens angesteuert, um über das Geschehen zu berichten und es später als ÖVP-Abgeordnete mitzugestalten. Dabei wollte sie als “Anwältin für ältere Menschen” fungieren, was sie beim Österreichischen Seniorenbund als stv. Vorsitzende noch lange nach ihrem Ausscheiden aus dem Parlament tat. Am Montag feiert sie ihren 75. Geburtstag.
Die 1951 in Wien Geborene wuchs in Niederösterreich auf. Ihr Studium der Volkswirtschaft absolvierte sie aber wieder in der Bundeshauptstadt, wo sie ab 1975 und damit als Mittzwanzigerin beim ORF andockte. Dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk blieb sie rund 30 Jahre erhalten – zunächst im aktuellen Dienst beim Radio, ab 1980 bei der “ZiB” als Redakteurin für Innenpolitik. 1986 stieg sie zur “ZiB1”-Moderatorin auf und erlangte damit große Bekanntheit.
Hohes-Haus-Wissen in Fernsehen, Zeitung und Buch
1995 wechselte sie in die Parlamentsredaktion des ORF, um die wöchentliche Sendung “Hohes Haus” zu moderieren. Dabei goss sie ihr Wissen über das Parlament parallel auch in eine Kolumne (“Hohes Haus von innen”) in der “Kronen Zeitung” und veröffentlichte das Buch “Possen, Pannen, Pointen” (2001), worin sie einen Blick hinter die Kulissen gewährt. 2004 arbeitete sie dann mit “Menschen, Masken und Marotten” die TV-Geschichte auf, indem sie Heiteres aus 50 Jahren ORF zusammentrug.
Schon in ihrer Zeit als ORF-Journalistin in den 80er- und 90er-Jahren hatte sie eine Parteimitgliedschaft. Allerdings fühlte sie sich damals der SPÖ verbunden – und nicht wie später der ÖVP. Die Volkspartei präsentierte sie 2006 dennoch als Quereinsteigerin. Sie habe lange das politische Geschehen beobachtet, “jetzt ist die Zeit reif, sich politisch einzubringen”, hielt sie damals fest und beteuerte eine “echte Christlich-Soziale” zu sein, die aber auch schon FPÖ und SPÖ gewählt habe. Sie wolle nun, “die positiven Elemente der zweiten Lebenshälfte” betonen. “Nicht Anti-Aging, sondern Pro-Aging”, sagte sie und sprach sich etwa gegen winzige Schrift auf Medikamentenbeipackzetteln oder Handyverträgen aus.
Elf Jahre im Parlament
Sie schaffte den Sprung ins Parlament und wechselte damit von der ORF-Kabine am Balkon einen Stock tiefer auf die Bank im Plenum. Dort nahm sie rund elf weitere Jahre bis Ende 2017 Platz und betätigte sich dabei u.a. als Seniorensprecherin der ÖVP und Vorsitzende der parlamentarischen Enquetekommission “Würde am Ende des Lebens”. Sie sprach sich in dieser Rolle für mehr finanzielle Mittel für den Ausbau der Hospiz- und Palliativversorgung in Österreich aus. Im gleichen Jahr ihres Abschieds aus dem Parlament wurde ihr das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen.
2025 wurde sie von der Bundesregierung auf Basis des Vorschlags einer repräsentativen Einrichtung für den Bereich “Ältere Menschen” in den ORF-Publikumsrat entsandt. In diesem Gremium wurde sie dann auch in den ORF-Stiftungsrat gewählt. Allerdings zog sie sich bald darauf wegen des Verdachts der Unvereinbarkeit aus Publikumsrat und Stiftungsrat zurück. Schließlich war sie zu diesem Zeitpunkt nicht nur stv. Vorsitzende des Vereins Österreichischer Seniorenbund, sondern auch stv. Obfrau der ÖVP-Senioren – eine Teilorganisation der Partei. Personen mit politischen Funktionen dürfen nicht in ORF-Gremien Platz nehmen.