Wechsel an der Spitze der Oper Graz: Hahn statt Lenz
Die fünf Jahre vertraglich festgesetzte Intendanz von Ulrich Lenz, 2023 an die Oper Graz gekommen, wird nicht verlängert. Dies gab der Geschäftsführer der Bühnen Graz, Bernhard Rinner, am Mittwoch am späten Nachmittag in Graz in einer Pressekonferenz bekannt. Als Nachfolgerin wurde die deutsche Musikdramaturgin Marlene Hahn von der Oper Leipzig präsentiert, die bereits 2015-2022 am Grazer Haus gearbeitet hatte. Rinner würdigte Hahn als “exzellente Intendantin des Morgen”.
Aufsichtsratschefin Maria Grossbauer sprach von einer “positiven und sehr, sehr guten Überraschung”. 26 Bewerber habe es gegeben, zehn Frauen und 16 Männer. In der Jury waren Helga Rabl-Stadler, Bühnen-Chef Bernhard Rinner und die einstige Grazer Opern-Intendantin Elisabeth Sobotka. Ein einstimmiger Vorschlag in Person von Chefdramaturgin Marlene Hahn sei an den Aufsichtsrat gegangen. Der Beschluss wurde dann dahingehend gefasst, dass Hahn ab 2028/29 das Haus am Opernring leiten werde.
“Etwas ganz besonderes, zurückzukehren”
Rinner sagte, Hahn sei keine Unbekannte. Man sei “mehr als überrascht” über die Qualität der Bewerbung gewesen. Als künstlerische Leiterin des Augsburger Opernballs bringe sie Erfahrungen mit, die in Graz nützlich sein könnten, Stichwort Opernredoute. Auf Journalistenfragen, warum Lenz über seinen derzeitigen Vertrag hinaus nicht weitermachen werde, antwortete Rinner: “Ulrich Lenz ist ein exzellenter Intendant des Heute, Marlene Hahn ist eine exzellente Intendantin des Morgen”.
Hahn selbst sagte, “es ist etwas ganz Besonderes, an die Oper Graz zurückzukehren”. Über ihren ersten Spielplan könne sie noch nichts sagen, doch dieser werde eine gute Balance haben. Sie werde sich mit allen zusammensetzen, um zu sehen, wie die Zukunft der Oper Graz ausschauen könne. Man müsse sich immer wieder die Frage stellen, “warum ein Stück in Graz spielen, warum zu dieser Zeit”, gab sie Einblick in die Herangehensweise. Sie wolle eine verlässliche Partnerin für das Ensemble und die Stadt sein, neue Brücken und Begegnungen schaffen, etwa einen Grazer Kneipenchor in der Robert Stolz-Bar. “Das eine sind zeitlose Themen, das andere ist die Gegenwart, wie und wo wollen wir Musiktheater stattfinden lassen? Von Graz sind immer mutige künstlerische Impulse ausgegangen”, sagte Hahn.
Jury eindeutig überzeugt
Auf die Frage, ob sie weiter mit Ballettdirektor Dirk Elwert und Chefdirigent Vassilis Christopoulos arbeiten werde, sagte Hahn: “Elwerts Arbeit schätze ich sehr, ich war schon selber öfters im Publikum, aber es geht langsam in Richtung Pension. Mit dem Orchestervorstand werde ich in Gespräche gehen.” Ob sie geplant habe, irgendwann nach Graz zurückzukehren? “Wenn sich die Option auftut, bin ich die erste, die den Hut in den Ring werfen wird”, antwortete Hahn. Wenn sie wo hingehe, gehe ich mit allem hin, sagte Hahn.
Kulturlandesrat Karlheinz Kornhäusl (ÖVP) war voll des erwartungsvollen Lobes: Er habe sie eben erst kennengelernt “und es hat sofort gepasst”. ÖVP-Kulturstadträtin Claudia Unger: “Es ist eine tolle Leistung, die Jury so eindeutig überzeugt zu haben. Sie übernimmt ein gut aufgestelltes Haus”. Unger erwähnte schließlich den nach der Saison 2027/28 scheidenden Intendanten Ulrich Lenz. Es sei toll, auf dem aufbauen zu können, was dieser aufgebaut habe. KPÖ-Finanzstadtrat Eber sprach davon, dass alles gut und schlüssig und nachvollziehbar gewesen sei, dank der hochkarätigen Bewertungskommission. Bei Hahn merke man sofort das “sprühende Leben und die Leidenschaft für neue Ideen”.
Erfahrungen in Graz, New York, Augsburg und Leipzig
Marlene Hahn wurde 1985 im bayerischen Starnberg geboren. Sie studierte Kunstgeschichte und Germanistik an der Universität Augsburg. Von 2007 bis 2008 arbeitete sie in New York im Bereich Marketing- und Sales Management. Danach arbeitete sie für das Brecht- und das Mozartfestival und betreute als Regieassistentin Opernproduktionen am Theater Augsburg. 2015 war Hahn erstmals an der Grazer Oper beschäftigt, nämlich u. a. als Musikdramaturgin bis 2022. Nach ihrem Engagement in Graz ging sie an die Oper Leipzig, wo sie zurzeit als Chefdramaturgin arbeitet.
Lenz (geb. 23. Jänner 1970) studierte Musik- und Theaterwissenschaft sowie Kunstgeschichte in München, Berlin und Mailand. Er begann als Dramaturgieassistent in Stuttgart von 1998 bis 2003. Er war Operndramaturg am Landestheater Linz, 2019 sowie 2021 zeichnete er auch für die Programmplanung der Silvesterkonzerte der Tiroler Festspiele Erl verantwortlich. Nach Linz war er bis 2005 Operndramaturg am Nationaltheater Mannheim, 2006 bis 2011 Chefdramaturg an der Staatsoper Hannover. In Berlin arbeitete er mit Beginn der Saison 2012/13 bis 2022 an der Seite von Intendant Barrie Kosky als Chefdramaturg am Wiederaufstieg der Komischen Oper, bevor er nach Graz ans Opernhaus für seine erste Intendanz ging.