Weitere Kritik nach sexistischem Schießevent in Vorarlberg

Sexistische Darstellungen aus einem Schießkeller für “behördliche Waffenträger” in Vorarlberg haben weitere Kritik ausgelöst. Politisch Tätige aller Lager verurteilten die in einem Gemeindeblatt abgedruckten Fotos. Gegenüber der “Neuen Vorarlberger Tageszeitung” (Donnerstag) wünschte sich Ex-FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache als einer der Inszenierten “mehr Fingerspitzengefühl” von Exekutivangehörigen. Die Gemeinde Kennelbach (Bezirk Bregenz) kündigte Maßnahmen an.
Die Fotos zeigen eine leicht bekleidete Puppe mit dem Gesicht der damaligen SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner auf dem Schoß einer weiteren Puppe mit dem Konterfei des früheren FPÖ-Chefs Heinz-Christian Strache. Das Schießevent für Exekutivkräfte im April 2023 stand unter dem Motto “Ibiza – wie es wirklich war”. Strache erklärte gegenüber der “Neuen”, er könne über die Darstellung lachen. Politische Satire dürfe auch ihn treffen. Für das nächste Mal empfahl er jedoch “mehr Schmäh, weniger obszönes Schaufenster. Dann klappt’s vielleicht auch mit dem Niveau.”
Gemeinde kündigte Konsequenzen an
Kennelbachs Bürgermeister Christoph Vogelmann erklärte gegenüber der “Neuen”, der Beitrag sei “missverständlicherweise” so in der Gemeindezeitung abgedruckt worden, wie ihn der Verein übermittelt habe. Er kündigte Maßnahmen an. Mit dem veranstaltenden Verein stehe er im Austausch: “Dem Obmann tut es schrecklich leid.” Kritiker bemängelten, dass weder die Mitorganisatoren noch die mehr als 200 Teilnehmenden oder Verantwortliche der Gemeinde an der Inszenierung Anstoß genommen hätten. Landespolizeidirektorin Uta Bachmann hatte bereits am Donnerstag eine dienstrechtliche Überprüfung und Sensibilisierungsmaßnahmen für alle Polizisten und Polizistinnen angekündigt.
Für Vorarlbergs FPÖ-Frauensprecherin Nicole Feurstein-Hosp war die Darstellung “durch nichts zu rechtfertigen”. Man dürfe nicht übersehen, dass neben Rendi-Wagner auch Heinz-Christian Strache bewusst vorgeführt worden sei. Politisch Tätige derart zu inszenieren sei “geschmacklos, egal welcher Partei sie angehören”. Sie erwarte eine Aufarbeitung des Vorfalls. SPÖ-Landesfrauenvorsitzende Bea Madlener-Tonetti erklärte, sie könne nicht nachvollziehen, dass die über 200 Teilnehmenden an dem Schießevent die Inszenierung geduldet hatten. Schweigen mache mitschuldig an dieser Form von Gewalt. NEOS-Frauensprecherin Katharina Fuchs forderte eine Stellungnahme von Sicherheitslandesrat Markus Klien (FPÖ). Zum Frauenbild betonte auch sie: “Wer dazu schweigt, trägt es mit.”