Kommentar

Trauriges Kasperltheater im Kennelbacher Keller

16.10.2026 • 14:46 Uhr
Trauriges Kasperltheater im Kennelbacher Keller

Österreichs Keller rücken wieder ins Fadenkreuz. Auch wenn die Situation alles Andere als zum Schießen ist.

Es ist schon wieder etwas passiert. Und wieder mal in einem Keller in Österreich, genauer gesagt, im Keller des Kennelbacher Schützenvereins.

Und eigentlich wäre es ja gar niemandem aufgefallen, hätte man nicht unbedacht ein Bild der mehr als fragwürdigen Deko für eine Schießveranstaltung im Jahre 2023 im aktuellen Gemeindeblatt veröffentlicht. Darauf zu sehen, eine Kulisse wie aus einem schlechten Film, oder besser, einem weltbekannten Ibiza-Video, zumindest wird darauf abgezielt.

Nur dass dieses Mal statt einer mutmaßlichen Oligarchin die damalige SPÖ-Spitzenpolitikerin Pamela Rendi-Wagner aufs Korn genommen wird. Und zwar in eindeutiger Pose, mit einem sexuell stimulierenden Massagegerät in der Hand, auf dem Schoß von Heinz-Christian Strache – ein Puppenspiel der besonders herablassenden und sexistischen Form.

Damit nimmt man eine Frau nicht nur ins Visier eines mehr als fragwürdigen Scherzes. Sondern auch ins Visier eines wohl mehrheitlich maskulinen Schießvereins. Selbstverständlich war auch die Exekutive anwesend, auch Vertreter des Bundesheers, wie man Stück für Stück mühsam aus den Kreisen der Volksverteidiger in Erfahrung bringen konnte – teilweise sogar in Uniform.

Wesentlich schlimmer ist aber die Tatsache, dass dieses traurige Schauspiel auch nach dem Bekanntwerden immer noch verteidigt wird, beziehungsweise dass man sich der Tragweite nicht bewusst werden will.

Interessanterweise kommt gerade aus Sicht eines betroffenen, glücklicherweise nicht getroffenen, Protagonisten auf Anfrage der NEUE eine Wortmeldung, die man von Heinz-Christian Strache selten so pointiert gehört hat: “Mit Rendi-Wagner (SPÖ) als Puppenpaar, so schnell kommt man in Österreich zu einer Koalition, der man nie zugestimmt hat. Ich kann aber darüber lachen. Politische Satire darf schließlich auch mich treffen. Von Exekutivbeamten darf man trotzdem mehr Fingerspitzengefühl im Rahmen einer Schießveranstaltung erwarten und zwar nicht nur am Abzug. Mein Vorschlag fürs nächste Mal: mehr Schmäh, weniger obszönes Schaufenster. Dann klappt’s vielleicht auch mit dem Niveau.” Unerwartete Rückendeckung und Schützenhilfe aus der rechten Ecke.

Berechtigterweise trifft die Verantwortlichen eine Welle der Empörung, genau ins Schwarze. Auch wenn der Ehrenschutz durch den damaligen Landesrat Christian Gantner gar kein so Richtiger war.

Und da wären wir wieder in Österreich. Am Ende, wills wieder keiner gewesen sein.

(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)