Wien Modern: Palme an der Donau

31.10.2026 • 07:00 Uhr
Wien Modern: Palme an der Donau

Den mehr oder minder gut gemeinten Rat “Mach keine Welle” beherzigt das Neue-Musik-Festival Wien Modern heuer in keiner Weise – nicht einmal beim Eröffnungskonzert am Freitagabend. Schließlich stand hier die strömungsreiche Donau im Mittelpunkt eines eigenwilligen Festspielauftakts, der mehr Rauminstallation denn Konzert war. Ein Ritual, das für Außenstehende aber über weite Teile eher kryptisch bleibt.

Die Wiener Komponistin Pia Palme hat für “Mit der Donau” über Monate hinweg etwa im Nationalpark Donau-Auen recherchiert, sich die Klänge des Stromes zu eigen gemacht. Und so tropft und plätschert es in fluiden Zeiten auch im Konzerthaus, hat Palme doch eine vielstimmige Installation aus dem RSO, einem Sopran, Elektronik, SM-Performance und Lichtelementen kreiert. Alles fließt hier zusammen zu einem dann aber doch nicht ganz so mit-reißenden Strom.

Bondage und Wasserleuchten

Eine gigantische Plane überdacht dabei das Parkett im Großen Saal des Konzerthauses, dient als Leinwand für Flussimpressionen und projiziert damit die Lichtstimmung unter Wasser in den Raum. Unter der Plane findet sich allerlei Treibgut. Und die beiden Performerinnen Elie Halonen und Satu Hakamäki, die sich über den Abend hinweg in der Kunst der Fesselerotik des Bondage üben, während Mastermind Palme im Fahrwasser der beiden etwas weniger fesselnd Wasserpoesie aus Wortkaskaden zum Thema Fluss heraussprudelt.

“Mit der Donau” besteht dabei aus verschiedenen Kapiteln, die an den an verschiedenen Landschaften vorbeiziehenden Fluss gemahnen. Immer wieder glätten sich die Wogen, und langes Schweigen oder Juliet Fraser als Solosopranistin dominieren den Raum. Das RSO unter Irene Delgado-Jiménez dient über weite Strecken lediglich als im Akkordemeer dümpelnder Hintergrund, macht dann aber noch die große Welle gegen Ende hin, was aber alsbald wieder abebbt.

Daheim im Fluss-Bett

Dynamisch ist “Mit der Donau” eher im Fluss-Bett zu verorten. Aber stille Wasser sind ja bekanntlich tief, auch wenn man in diesem Falle den Grund durchaus schon sehen kann.

(Von Martin Fichter-Wöß/APA)

(S E R V I C E – )