Wien Museum widmet sich dem Down-Syndrom

21.10.2026 • 13:30 Uhr
Wien Museum widmet sich dem Down-Syndrom

“Down-Syndrom. Über uns, mit uns”: Der Titel der neuen Ausstellung in der Community Gallery im Wien Museum ist Programm. Gemeinsam mit Menschen mit Down-Syndrom hat ein vierköpfiges kuratorisches Team eine kleine, bunte und multimedial aufbereitete Schau geschaffen, die niederschwellig wie unterhaltsam Einblicke in die Lebens- und Arbeitswelt der jungen Erwachsenen ermöglicht, aber auch Impulse für einen besseren (politischen) Umgang mit Menschen mit Trisomie 21 liefert.

Apropos Trisomie 21: Der Fachterminus wird gleich zu Beginn der Ausstellung in einem der in leichter Sprache abgefassten Wandtexte erklärt. “Jedes Chromosom gibt es 2 mal. Bei Menschen mit Down-Syndrom ist das anders. (…) Menschen mit Down-Syndrom haben nämlich das 21. Chromosom 3 mal. Darum sagt man auch Trisomie 21.” Doch bei den schriftlichen Erklärungen bleibt es nicht. Der Fotograf und Co-Kurator Philipp Horak hat die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Workshops, in denen die Ausstellung erarbeitet wurde, vor die Kamera gebeten, um ihre genetische Besonderheit selbst zu erklären. Auch in gezeichneter Form wird Trisomie 21 dargestellt: In Form von drei Socken, die im Shop auch in textiler Ausführung erhältlich sind.

Arbeit im Café, bei Ikea und bei Rapid

Gegliedert ist die Schau, die bis zum 24. Jänner besucht werden kann, in Kapitel wie Bildung, Arbeit, Wohnen und Freizeit. Während im Bereich Bildung die Eltern in einer Audio-Station zu Wort kommen, um die Herausforderungen im österreichischen Bildungssystem zu erläutern – es gibt nur wenige inklusive Kindergärten und Schulen, meist endet die Ausbildung nach der 9. Schulstufe -, geben Videos Einblicke in den Arbeitsalltag: Franziska arbeitet in der “konzept:greisslerei”, Florian beim Empfang im Trainingszentrum des SK Rapid, Flora bei Ikea oder Holly in einer inklusiven Montessori-Privatschule.

Die Wandtexte verdeutlichen, welche Hürden Menschen mit Down-Syndrom in unserer Gesellschaft haben. So heißt es etwa im Kapitel “Bildung”: “Wollen Kinder mit Down-Syndrom in eine Regelschule gehen? Dann müssen sie oft zeigen: Ich kann das! Sie müssen sich beweisen.” Im Abschnitt “So sollte es sein” heißt es dann: “Der Kindergarten und die Schule sollen beweisen, dass sie das können.”

Appelle, wie man es besser machen könnte

Ähnliche Wünsche finden sich auch bei “Arbeit” (“Für jeden Menschen mit Down-Syndrom gibt es einen Job”) oder bei “Wohnen” (“Jeder Mensch mit Down-Syndrom darf entscheiden: Wie will ich wohnen? Wo will ich wohnen? Mit wem will ich zusammenwohnen?”). In Wien vergibt der Fonds Soziales Wien (FSW) Plätze für betreutes Wohnen, auf die man jedoch oft lange warten muss, weshalb viele Erwachsene mit Down-Syndrom lange bei ihren Eltern bleiben. Um allein wohnen zu können, wäre eine Persönliche Assistenz nötig, die die Stadt Wien für Menschen mit Down-Syndrom den Ausstellungsmachern zufolge jedoch nicht bezahlt.

Um im Bereich Arbeit mit positivem Beispiel voranzugehen, findet am 12. November im Wien Museum von 15 bis 20 Uhr eine Infobörse unter dem Titel “Talent trifft Chance” statt, in der ein Austausch mit Unternehmen, Beratungsstellen und Initiativen rund um Ausbildung und Beschäftigung ermöglicht werden soll. Als teilnehmende Firmen haben sich u.a. der ÖAMTC, Ikea, die ÖBB oder Wien Work angekündigt. Nach einem Blick in die Ausstellung wird mehr als deutlich: Viele Menschen mit Down-Syndrom hätten gerne einen normalen Job, für den sie fair bezahlt werden. In diesen Fällen ist es gelungen.

(S E R V I C E – “Down-Syndrom. Über uns, mit uns”, Ausstellung in der Community Gallery im Wien Museum, 22. Oktober bis 24. Jänner. )