Wien verbannt “Mozartverkäufer”
Wien verbannt die sogenannten Mozartverkäufer von zentralen Plätzen in der Innenstadt. Ab 1. Juli dürfen per Verordnung am Stephansplatz, in der Kärntner Straße, am Graben und vor der Staatsoper keine Konzertkarten mehr verkauft werden. Wer dagegen verstößt, muss mit empfindlichen Strafen rechnen. Bisher wurden in diesen Zonen eine gewisse Anzahl an Genehmigungen erteilt. Die gewünschte Eindämmung der Ticket-Händler sei jedoch nicht erreicht worden, heißt es.
Die bunt kostümierten Gesellen gehörten bisher mehr oder weniger zum Stadtbild. Zumindest an kühleren Tagen tragen sie meist auch historische Perücken. Die Mozartverkäufer verhökern vor allem Karten für diverse klassische Konzertevents an Touristinnen und Touristen. Damit wird nun zumindest an den neuralgischen Punkten bald Schluss sein.
Zonenregelung bisher nicht erfolgreich
Die Regulierung durch die Zonierung sei nicht erfolgreich gewesen, berichtete die zuständige Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) am Donnerstag im Gespräch mit Medienvertretern. Immer mehr Menschen hätten sich durch das oft aufdringliche Verhalten der Verkäufer belästigt gefühlt. Regelmäßig seien auch welche angetroffen worden, die gar nicht über die nötigen Genehmigungen verfügt hätten.
Auch Tourismusdirektor Norbert Kettner und City-Bezirksvorsteher Markus Figl (ÖVP) hielten fest, dass Handlungsbedarf bestanden habe. Wenn die Verkäufer als Belästigung empfunden würden, könne dies zu mangelnder Akzeptanz für den Tourismus in der Stadt führen, warnte Kettner. Derartige Lenkungsmaßnahmen seien international üblich. Auch andere Städte würden damit bereits Nutzungsdruck in bestimmten Regionen reduzieren, erläuterte er.
Staatsoperndirektor Bogdan Roščić berichtete davon, dass sogar Karten für sein Haus regelmäßig angeboten würden. Die Händler würden sich Kontingente sichern und Tickets dann mit hohem Aufschlag weiterverkaufen. Manche Tickets seien überhaupt gefälscht. Immer wieder würden auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Staatsoper von den Verkäufern belästigt, erzählte er.
Dompfarrer Toni Faber zeigte sich über den nun erfolgten Schritt ebenfalls erfreut. Dieser stelle eine tragfähige Lösung für den ungehinderten Zugang von jährlich über sechs Millionen Besucherinnen und Besuchern des Stephansdoms dar, befand er. Viele Besucher hätten die Verkäufer als äußerst unangenehm empfunden.
Kein generelles Verbot
Die Maßnahme bedeutet jedoch nicht, dass die Mozarts zur Gänze aus der Stadt verschwinden. Denn generell verbieten könne man das Gewerbe nicht, erläuterte Sima. Außerhalb der Verbotszonen werden somit weiter Bewilligungen erteilt. Ob es nun zu einer Verlagerung auf andere Plätze kommen wird, werde sich zeigen, meinte Sima.
Wer weiterhin Karten etwa am Stephansplatz feilbietet, muss mit Strafen rechnen. Rund 700 Euro können dabei fällig werden. Die Kontrollen wird das Büro für Sofortmaßnahmen durchführen.
Konzertveranstalter zufrieden
Ferdinand Hutter-Germ, Vorstand beim Veranstalter “Wiener Mozart Konzert”, zeigte sich erfreut darüber, dass es weiterhin Verkäufer geben dürfe. Man habe für das zweite Halbjahr bereits Anträge gestellt, nämlich für den Herbert-von-Karajan-Platz vor der Oper, aber auch für Orte, die vom Verbot nicht erfasst sind. Noch habe man keine Rückmeldung des Magistrats, welche Bescheide man erhalten werde, teilte er in einer der APA übermittelten Stellungnahme mit.
Dass die Genehmigungen so kurzfristig erteilt würden, erschwere die Anstellung von Mitarbeitern, kritisierte Hutter-Germ. Man sei aber optimistisch, auf den gewünschten Plätzen – mit Ausnahme jenem bei der Oper – tätig sein zu dürfen. Es sind dies Neuer Markt, Michaelerplatz, Opernring und Albertinaplatz.
“Allerdings rechnen wir damit, dass alle Firmen, die bisher Bescheide am Stephansplatz und Stock-im-Eisen-Platz hatten, nun auch Anträge für ‘unsere’ Plätze stellen werden”, gab der Veranstalter zu bedenken. Man wisse nicht, wie das Magistrat mit dieser Situation umgehen werde. Das Mozart Orchester wurde laut Hutter-Germ 1986 gegründet. Damals habe man auch die Idee gehabt, auf der Straße in historischen Mozart-Kostümen Konzerttickets zu verkaufen, erläuterte er.