FPÖ und Grün starten Herbstkampagnen in Wien

15.09.2026 • 12:14 Uhr
FPÖ und Grün starten Herbstkampagnen in Wien

FPÖ und Grüne im Wiener Rathaus haben am Dienstag ihre Herbstschwerpunkte präsentiert. Die Freiheitlichen versuchen dabei am Stuhl von Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) zu sägen und starten eine Kurswechsel-Kampagne. Zusätzlich haben sie einen Sonder-Gemeinderat zur Causa des zurückgetretenen Wirtschaftskammer-Präsidenten Walter Ruck initiiert. Eine weitere Sondersitzung planen die Grünen. Ihnen geht es allerdings um die Klimakrise.

“So kann’s nicht weitergehen” lautet das Motto der FPÖ-Kampagne, unter dem Landesparteichef Dominik Nepp als Alternative zu Ludwig präsentiert werden soll. Anhand der Themen Sicherheit, Preise, Fairness und Transparenz wollen die Freiheitlichen aufzeigen, dass Ludwig “der Strippenzieher eines roten Systems des Machtmissbrauchs in Wien” sei, wie Landesparteisekretär Lukas Brucker in einer Pressekonferenz ausführte.

“Machtmissbrauch und Parteibonzentum”

Man wolle “Schluss mit dem roten Machtmissbrauch und Parteibonzentum” machen, es dürfe keine “Sozial-Luxuswohnungen” für “Völkerwanderer” mehr geben, erklärte Brucker. “Wir brauchen eine Politik in Wien, wo wir wieder die eigenen Staatsbürger an erste Stelle stellen”. Auch mehr Polizei auf den Straßen, Entlastungen beim Wohnen, der Energie und den Gebühren und mehr Transparenz in der Politik werde es nur “unter Bürgermeister Dominik Nepp” geben.

Die Umfragedaten sah Brucker auf seiner Seite, die roten Werte seien im Sinken. Wie weit? “Wenn es so weitergeht, sind wir bald Kopf an Kopf.” Bei der Wien-Wahl 2025 kam die SPÖ noch auf 39,4 Prozent der Stimmen, die FPÖ konnte sich auf 20,4 Prozent verdreifachen. Für die Kampagne ist die Wiener FPÖ mit Straßenständen unterwegs, dazu gibt es eine Vielzahl an Plakaten in der Stadt.

Bruckers Amtskollege Michael Stumpf sah das Zuhören als zentrale Stärke seiner Partei. Die “Bedürfnisse der Wiener” stünden an erster Stelle, und im Gegensatz zur SPÖ bemühe man sich auch um Lösungen. Um diese umzusetzen, müsse man Wien allerdings noch aus der “rot-pinken Geiselhaft” befreien.

Sondersitzung für Hitzeschutz

Die Wiener Grünen werden nach dem Vorbild ihrer Bundespartei im Herbst einen Sondergemeinderat zum Thema Klimawandel initiieren. Die Wiener Stadtregierung habe versagt, ausreichend Hitzeschutz für die Bevölkerung zu gewährleisten, bekrittelten die beiden Parteiobleute Judith Pühringer und Peter Kraus am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Der Hitzeschutz für Schulen, Kindergärten und Spitäler müsse nun vorangetrieben werden.

“Wir haben einen langen und beispiellosen Sommer in Wien erlebt”, so Kraus. Im Juni etwa habe es eine Phase gegeben, in der die Wiener Rettung die meisten Einsätze ihrer 144-jährigen Geschichte verzeichnet hatte. Zudem gab es Waldbrände rund um Wien, in der Lobau und im Föhrenwald. “Ein Sommer, der allen die Augen geöffnet hat”, sagte Kraus, außer der Wiener Stadtregierung, die weiter “hilflos und planlos” sei. Nun brauche es einen wirksamen, effektiven Hitzeschutzplan. Andere europäische Städte würden dies vormachen.

Für Pühringer habe der Sommer die “Planlosigkeit, Hilflosigkeit und Mutlosigkeit der Stadtregierung offengelegt”, monierte Pühringer. Aber auch in anderen Bereichen würden Missstände “einfach weggedrückt”, verwies sie etwa auf die Vorgänge im Wiener Marktamt oder auf die Causa des inzwischen zurückgetretenen Wiener Wirtschaftskammer-Präsidenten Walter Ruck mit “Weinkellerabsprachen und teils offenem Sexismus”: “Vom Bürgermeister (Michael Ludwig, SPÖ, Anm.) hat man kein Wort dazu gehört.” Mit der “Hinterzimmerpolitik” müsse Schluss sein.