Wohl folgenschwerer Angriff Kiews auf Raffinerie in Russland

31.05.2026 • 13:01 Uhr

Die Ukraine hat in der Nacht auf Sonntag erneut Ölanlagen in mehreren Regionen in Russland mit Drohnen angegriffen. Unter Beschuss geraten seien ein Öllager nahe der Stadt Taganrog am Asowschen Meer und eine Raffinerie in Saratow an der Wolga, berichtete die Internetzeitung “Ukrajinska Prawda”. Russische Behörden haben die Treffer teilweise bestätigt. Vor allem in Saratow hat die Attacke, den im Internet kursierenden Bildern nach zu urteilen, wohl schwere Folgen.

Rosneft-Anlagen im Visier Kiews

“Vorläufigen Informationen nach gibt es Schäden an Objekten der zivilen Infrastruktur”, schrieb auch der Gouverneur von Saratow, Roman Bussargin, auf Telegram. Details nannte er nicht. Die Raffinerie in Saratow gehört zum staatlichen Ölkonzern Rosneft, der unter der Leitung von Igor Setschin steht, einem engen Vertrauten von Machthaber Wladimir Putin. Bereits in der Vergangenheit war die Anlage Ziel ukrainischer Angriffe. 

Der Gouverneur der Region Kirow, Alexander Sokolow, berichtete von einer Drohnenattacke auf eine Anlage im Bezirk Urschumski. Die Region Kirow liegt nordöstlich von Moskau und rund 1300 Kilometer von den ukrainisch kontrollierten Gebieten entfernt. Auch die Gouverneure der an die Ukraine grenzenden Regionen Rostow, Woronesch und Belgorod melden Angriffe. In Belgorod seien drei Zivilisten verletzt worden, hieß es.

Nach Angaben des russischen Militärs wurden in der Nacht mehr als 200 ukrainische Drohnen abgefangen. Drohnenangriffe gehören in dem vor mehr als vier Jahren von Putin befohlenen Krieg inzwischen zum Alltag und werden von beiden Seiten eingesetzt. Immer wieder attackieren sie Objekte tief im Hinterland des Gegners.

Das ukrainische Militär bestätigte den Angriff auf die Raffinerie in Saratow und sprach von einem Großbrand. Zudem sei die Öl-Pumpstation Lasarewo in der russischen Region Kirow getroffen worden, teilte das Militär auf dem Kurzmitteilungsdienst Telegram mit.

Russland kann Versorgung der Krim mit Treibstoffen nicht mehr voll gewährleisten

Auf der von Russland 2014 annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim kündigte der von Moskau eingesetzte Gouverneur Sergej Aksjonow indes Beschränkungen für den Verkauf von Benzin an. Einen Grund dafür nannte er nicht. Die Ukraine greift seit Monaten auch die Treibstoffinfrastruktur im Südwesten Russlands in der Nähe der Krim an. Benzin der Marke AI-95 – entspricht Super in Europa – werde vorrangig an öffentliche und soziale Verkehrsmittel abgegeben, teilte Aksjonow auf Telegram mit. Normale Bürger könnten den Treibstoff nur mit Bezugsschein tanken – dann ohne Mengenbegrenzung. Für die Marke AI-92 (Normal) gelte wiederum eine Obergrenze von 20 Litern. 

“Das Tanken in Kanister ist verboten”, schrieb Aksjonow zudem. Damit soll offenbar Hamstern verhindert werden. Seinen Angaben nach gelten die Beschränkungen zunächst für einen Zeitraum von 30 Tagen. Im Internet kursierten zahlreiche Videos von langen Schlangen vor den Tankstellen auf der Krim.

Seit Beginn des vom russischen Machthaber Wladimir Putin befohlenen Kriegs gegen die Ukraine dient die Krim als Versorgungsbasis für die im Süden der Ukraine angreifenden russischen Truppen. Daher ist die Halbinsel vermehrt ins Visier ukrainischer Drohnen- und Raketenangriffe gerückt. Gerade Ölanlagen geraten zunehmend unter Beschuss. So brennt die Raffinerie in der Stadt Feodossija seit zwei Tagen. Kiews Ziel ist es, die Versorgung der Besatzungstruppen zu erschweren.

Rüstungslieferung aus Deutschland

Die Ukraine hat nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj aus Deutschland eine weitere Abschussanlage für die Iris-T-Luftabwehr erhalten. Das System sei am Samstag eingetroffen, teilte Selenskyj auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Zugleich forderte Selenskyj weiteren Nachschub an Munition. “Wir benötigen auch Raketen für die Luftabwehrsysteme, um über ausreichende Kapazitäten zur Abwehr russischer Angriffe zu verfügen”, erklärte er. Das deutsche Verteidigungsministerium hatte Mitte April mitgeteilt, dass mit der Firma Diehl die Lieferung weiterer Startgeräte für Iris-T-Luftabwehrsysteme vereinbart worden sei.