Tote bei Angriff auf Rüstungsfabrik in Russland
In der westrussischen Millionenstadt Woronesch ist offiziellen Angaben nach eine Rüstungsfabrik bei einem Angriff mit Marschflugkörpern beschädigt worden. Dabei wurden fünf Menschen getötet und Dutzende leicht verletzt, wie der Gouverneur der Region Woronesch, Alexander Gussew, auf Telegram schrieb.
Seiner Darstellung nach vernichtete die Flugabwehr mehrere “fliegende Hochgeschwindigkeitsziele” über der Stadt, zugleich räumte er Schäden in den Produktionshallen eines Unternehmens ein. Ein Brand in dem Werk sei gelöscht worden. Zudem seien die Fassaden mehrerer Wohnblocks und einige Autos beschädigt worden, schrieb er.
Der ukrainische Generalstab bestätigte später in einer Mitteilung den Angriff. Demzufolge wurde eine Fabrik getroffen, die elektronische Bauteile für Raketen produziert. Dadurch sei die Fähigkeit Russlands erheblich verschlechtert worden, neue Raketen zu produzieren, hieß es. Zum Einsatz seien luftbasierte Marschflugkörper gekommen. Diese werden von Flugzeugen abgeschossen. Kiew verfügt über Marschflugkörper des britischen Typs Storm Shadow aus britischer Produktion. Die in sozialen Netzwerken kursierenden Bilder und Videos deuten auf schwere Schäden am Werk hin. Woronesch ist nur etwas mehr als 180 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.
Russland kann Versorgung der Krim mit Treibstoffen nicht mehr voll gewährleisten
Auf der von Russland 2014 annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim kündigte der von Moskau eingesetzte Gouverneur Sergej Aksjonow indes Beschränkungen für den Verkauf von Benzin an. Einen Grund dafür nannte er nicht. Die Ukraine greift seit Monaten auch die Treibstoffinfrastruktur im Südwesten Russlands in der Nähe der Krim an. Benzin der Marke AI-95 – entspricht Super in Europa – werde vorrangig an öffentliche und soziale Verkehrsmittel abgegeben, teilte Aksjonow auf Telegram mit. Normale Bürger könnten den Treibstoff nur mit Bezugsschein tanken – dann ohne Mengenbegrenzung. Für die Marke AI-92 (Normal) gelte wiederum eine Obergrenze von 20 Litern.
“Das Tanken in Kanister ist verboten”, schrieb Aksjonow zudem. Damit soll offenbar Hamstern verhindert werden. Seinen Angaben nach gelten die Beschränkungen zunächst für einen Zeitraum von 30 Tagen. Im Internet kursierten zahlreiche Videos von langen Schlangen vor den Tankstellen auf der Krim.
Seit Beginn des vom russischen Machthaber Wladimir Putin befohlenen Kriegs gegen die Ukraine dient die Krim als Versorgungsbasis für die im Süden der Ukraine angreifenden russischen Truppen. Daher ist die Halbinsel vermehrt ins Visier ukrainischer Drohnen- und Raketenangriffe gerückt. Gerade Ölanlagen geraten zunehmend unter Beschuss. So brennt die Raffinerie in der Stadt Feodossija seit zwei Tagen. Kiews Ziel ist es, die Versorgung der Besatzungstruppen zu erschweren.
Rüstungslieferung aus Deutschland
Die Ukraine hat nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj aus Deutschland eine weitere Abschussanlage für die Iris-T-Luftabwehr erhalten. Das System sei am Samstag eingetroffen, teilte Selenskyj auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Zugleich forderte Selenskyj weiteren Nachschub an Munition. “Wir benötigen auch Raketen für die Luftabwehrsysteme, um über ausreichende Kapazitäten zur Abwehr russischer Angriffe zu verfügen”, erklärte er. Das deutsche Verteidigungsministerium hatte Mitte April mitgeteilt, dass mit der Firma Diehl die Lieferung weiterer Startgeräte für Iris-T-Luftabwehrsysteme vereinbart worden sei.
Die Ukraine verteidigt sich seit mehr als vier Jahren gegen die von Russland betriebene Invasion. Dazu setzt sie in den vergangenen Monaten immer häufiger auf Angriffe auf strategisch wichtige Objekte im Hinterland des Gegners.