WWF stellt Heuschrecken-Verschwinden an Tiroler Inn fest
Einer aktuellen WWF-Erhebung zufolge sind drei Heuschreckenarten am Tiroler Inn nicht mehr nachweisbar gewesen. Nur noch an der Ötztaler Ache sollen die drei Arten der Wildfluss-Heuschrecken vorkommen. Die Naturschutzorganisation forderte daher zum wiederholten Mal mehr Gewässerschutz. Dem schloss sich der Tiroler Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer an. Er kritisierte auch Kraftwerkspläne in Reutte.
Der WWF forderte den Schutz der Ötztaler Ache – dem letzten bekannten Standort der drei Wildwasserheuschrecken “Türks Dornschrecke”, “Kiesbank-Grashüpfer” und “Gefleckte Schnarrschrecke”. “An der Ötztaler Ache entscheidet sich, ob diese seltenen Wildflussarten in Tirol überleben. Jede weitere Verbauung und Wasserableitung bringt ihre letzten Lebensräume stärker unter Druck”, sagte die stellvertretende Projektleiterin Marianne Götsch vom WWF-Projekt “INNsieme connect”, welches die Erhebung veranlasste. Bis vor 50 Jahren seien die drei Heuschreckenarten noch im Einzugsgebiet des Inn weit verbreitet gewesen, wie der WWF mitteilte. Die letzten Bestände der Wildfluss-Heuschrecken seien durch die Pläne, das Ötztaler Wasser für Wasserkraftnutzung auszuleiten, bedroht. Auch Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer forderte mehr Schutz von Gewässern.
Umweltanwalt: “Frontalangriff auf Naturpark Tiroler Lech”
Kostenzer betonte gegenüber der APA, dass die Tiroler Umweltanwaltschaft in jedem Verfahren versuche, die Problematik des Artenverlustes an den Tiroler Gewässern einzubringen, was nicht einfach sei. “So wird derzeit zum Beispiel ein Kraftwerk im Natura 2000 und Naturschutz-Gebiet Tiroler Lech (am Zubringer Namlos Bach, Anm.) geplant, das aus unserer Sicht ebenfalls die naturnahe Fließgewässerdynamik mit ihrer spezifischen Artengarnitur beeinträchtigt”, ging der Anwalt auf die ebenfalls vom WWF kritisierte, von den Elektrizitätswerken Reutte geplante Wasserableitung vom Namlosbach ein. Eine Wasserkraftnutzung am Namlosbach sei ein “Frontalangriff auf den Naturpark Tiroler Lech und würde eine seit 20 Jahren aufgebaute Tourismusstrategie untergraben”, kritisierte Kostenzer. Es wäre auch ein Affront gegenüber der EU, die in dieses Schutzgebiet mehr als zehn Millionen Euro investiert habe.