Zufriedene Patienten sagten im Prozess gegen Arzt aus

Im Prozess gegen einen Kärntner Arzt, dem grob fahrlässige Tötung und Gefährdung von Patienten durch unsachgemäße Infusionen mit nur als Nahrungsmittel zugelassenen Pflanzenextrakten vorgeworfen wird, haben am Freitag einige ehemalige, zufriedene Patienten des Angeklagten ausgesagt. Sie bestätigten, über Risiken aufgeklärt worden zu sein, und berichteten, dass ihnen die Infusionen geholfen und ihr Immunsystem gestärkt hätten. Die Verhandlung wurde erneut vertagt.
Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt legt dem Mediziner grob fahrlässige Tötung einer 14-jährigen Krebspatientin zur Last, die er mit Infusionen mit der Pflanze Katzenkralle behandelt und Heilsversprechungen angesichts eines nicht abgeklärten Tumors gemacht habe. Ein anderer Patient erlitt nach einer Infusion einen Herz- und Hirninfarkt und starb in weiterer Folge. Tausende Patienten soll der Arzt mit den Infusionen behandelt und gefährdet haben. Der Angeklagte bestritt alle Vorwürfe.
Erneut vertagt wurde der Prozess, weil weitere Zeugen aussagen sollen. Außerdem sollen Sachverständige eine Argumentation des Angeklagten nochmals abklären. Dabei geht es um den Tod des Patienten, der einen Herz- und Hirninfarkt erlitten hatte. Der Angeklagte sagte, ein Thrombus, der sich durch Schwebstoffe in einer intravenösen Infusion gebildet hat, könne bis auf Ausnahmefälle nie einen Herz- oder Hirninfarkt ausgelöst werden. Staatsanwältin Ines Küttler kündigte außerdem eine Modifikation des Strafantrags an. Die auf einer Hochrechnung basierende Zahl 6.550 beziehe sich auf Behandlungen, betroffen waren wohl weniger Patienten. Der Angeklagte selbst schätzte, er habe 800 oder 1.000 bis 2.000 Menschen mit den Infusionen behandelt.
“Hat sich Zeit genommen”
“Er war noch ein Arzt, er hat sich Zeit genommen. Es tut mir sehr leid, dass ich die Infusionen jetzt nicht mehr bekomme”, sagte eine betagte Zeugin. Ein älterer Herr sagte aus, dass der Arzt ihn mit einem “Biotensor”, einer Art Pendel, untersucht habe und gemeint habe, dass bei seiner Niere etwas nicht stimme. Der Urologe habe dann gezielt mit dem Ultraschall nachgeschaut und ein Karzinom entdeckt.
“Die anderen Ärzte hatten meine krebskranke Mutter aufgegeben, sie hätte nur noch wenige Wochen zu leben”, sagte eine andere Zeugin. Eine Chemotherapie, welche andere Ärzte empfohlen hätten, wollte die Mutter demnach nicht, sie wollte nur die Infusionen des Angeklagten. “Er hat gesagt, er wird das Beste geben, er könne nichts versprechen.” Die Mutter sei dann sechs Jahre später gestorben, “an Altersschwäche”. Sie selbst sei vom “Alchemisten”, der die Pflanzenextrakte herstellt, mit einem Biotensor untersucht worden. Der habe dann etwas gefunden und gesagt: Krankenhaus oder Infusionen. “Ich hab die Infusionen genommen. Das war meine Entscheidung.”
“Ich hatte eine Krebserkrankung. Ich hab gesagt: Ich nehm jede Chance wahr”, sagte der nächste Zeuge, ein Steirer, der für die Infusionen jedes Mal nach Kärnten fuhr. “Durch die Infusionen hat der Krebs nicht gestreut. Wenn ich alternativ nichts gemacht hätte, wäre ich heute nicht da.” Anschließend an die Infusionen habe er Chemo- und Strahlentherapie erhalten. Mit dem “Biotensor” habe der Angeklagte die Präparate vor den Infusionen getestet und dann gesagt, dass sie mir helfen werden. Aber: “Ein Versprechen, dass ich gesund werde, hat er sicher nie gegeben.”
“Alles an mir selbst ausprobiert”
Der Angeklagte legte angesichts der Zeugen- und Sachverständigenaussagen nochmals seine Praktiken dar. Er sei von Katzenkralle als Heilpflanze überzeugt und habe deshalb einen Weg gesucht, sie intravenös zu verabreichen, weil sie so besser wirke als oral. “Ein Apotheker hat mir Tipps gegeben. Ich habe alles an mir selbst ausprobiert.” Bis auf den Mann, der Herz- und Hirninfarkt erlitt, habe es nie Probleme mit der Verträglichkeit gegeben, und auch in diesem Fall bestreite er einen Kausalzusammenhang. Der “Off label”-Use der sonst als Nahrungsergänzungsmittel verkauften Essenzen des “Alchemisten” sei eine rechtliche “Grauzone”, aber nicht verboten.