Zweistündiger Warnstreik bei Faserhersteller Lenzing
“Wir sind sauer”, haben rund 1.350 Beschäftigte des oberösterreichischen Faserherstellers Lenzing am Donnerstagvormittag ihrem Ärger über die stockenden Verhandlungen für den Kollektivvertrag (KV) für die Chemische Industrie Luft gemacht. Einstimmig hatten sie um 9.00 Uhr beschlossen, dem Aufruf der Gewerkschaften GPA und PRO-GE für Warnstreiks zu folgen und legten für zwei Stunden ihre Arbeit nieder.
Betriebsratsvorsitzender der Arbeiter und Betriebsausschussvorsitzender Helmut Kirchmair “spürt eine tiefe Enttäuschung” angesichts der “Frechheit” der Arbeitgeberseite, lediglich eine Einmalzahlung von 250 Euro und null Prozent Erhöhung der Löhne und Gehälter anzubieten.
3,5 Prozent mehr Lohn und Gehälter
Er präsentiere dann den Forderungskatalog für einen “ordentlichen KV”: ein Plus für Löhne und Gehälter von 3,5 Prozent, einen bezahlten Gesundheitstag, Klimatickets für Lehrlinge sowie eine Erhöhung des Gesundheitshunderters nicht nur für Schichtarbeiter. Dann könne etwa auch wieder der gestrichene Obstkorb bei Lenzing finanziert werden, so Kirchmair.
Sein Kollege Stephan Gruber, Lenzing-Betriebsrat der Angestellten und Mitverhandler für den KV, kritisierte die Forderung der Arbeitgeber, nicht mehr bei der “rollierenden Inflation, sondern bei Null anzusetzen”. “Die wollen uns richtig abrasieren”, als Vorbild diene der deutsche Kollektivvertrag ohne Urlaubs- und Weihnachtsgeld. “Wir müssen uns Dinge wieder erkämpfen”, forderte Gruber auf. Als Antwort wurden von Streikteilnehmern Plakate mit “Wir arbeiten nicht für Almosen” und “Mehr Marie für die Chemie” in die Höhe gehalten.
Die Arbeitgeberseite verwies in einem kurzen Statement abermals auf den deutschen Kollektivvertrag. “Seit 2020 haben wir in Österreich kumuliert zwölf Prozent höher abgeschlossen als in Deutschland”, die Kosten würden die österreichischen Unternehmen nun mitschleppen, so der Fachverbands-Obmann der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO), Ulrich Wieltsch. In Deutschland sei kürzlich für 2026 eine Nulllohnrunde vereinbart worden. Die Inflationsrate lag hierzulande in den letzten Jahren über jener in Deutschland.
In Linz Südtor des Chemieparks von Streikenden gesperrt
In Linz war bereits in der Früh im Chemiepark ein Warnstreik abgehalten worden. Laut GPA sperrten um 6.00 Uhr rund 400 Beschäftigte das Südtor und sperrten die Zufahrt zum Gelände für zwei Stunden.
Nach sechs erfolglosen Verhandlungsrunden hatte die Arbeitnehmervertretung vor einer Woche mitgeteilt, dass man vor dem nächsten Treffen am 2. Juni zu Warnstreiks aufrufe.