Ein Lokal mit Vorarlberger Herz

Das Gsiberger in Gaißau setzt auf echte Vorarlberger Küche und ein bewusst bodenständiges Konzept.
Wer in Gaißau einkehren möchte und dabei etwas Bodenständiges sucht, landet früher oder später im Gsiberger. Das Lokal setzt bewusst auf Regionalität und trifft damit genau den Geschmack vieler Menschen in der Umgebung, die lange auf der Suche nach ehrlicher Vorarlberger Küche waren. Hier wird unkompliziert serviert, ohne den Versuch, internationalen Trends hinterherzulaufen.

Ein Konzept gegen den Trend
Die Idee entstand, als die Gemeinde einen neuen Pächter suchte. Mehrere Konzepte lagen vor, doch Markus Prietl und Steffi Schwald hatten, ohne voneinander zu wissen, denselben Gedanken. Sie wollten ein Lokal schaffen, das es in der Region kaum noch gibt. “Unser Konzept war das Gsiberger, mehr regional, gutbürgerlich, so wie es früher war”, sagt Prietl. Während vielerorts italienische, chinesische oder thailändische Lokale entstehen, entschieden sie sich bewusst für einen Schritt zurück und für traditionelle Gerichte im Mittelpunkt.
Der Name lag für Geschäftsführerin Steffi Schwald auf der Hand. “Wir sind Gsiberger. Wir verwenden Vorarlberger Produkte und verkaufen Vorarlberger Essen. Die Speisekarte ist im Dialekt gehalten, gekocht wird mit Produkten aus der Umgebung.”

Prietl und Schwald kannten sich vor dem Projekt nicht. Erst im Austausch mit dem Bürgermeister kristallisierte sich heraus, dass Schwald das Lokal führen wollte und Prietl jemanden suchte, der den operativen Alltag übernimmt. “Für mich war das eine perfekte Symbiose”, sagt er. “Sie leitet den Betrieb, ich unterstütze im Hintergrund und springe ein, wo es nötig ist.”
Vom IT-Büro in die Gaststube
Dass Prietl heute in der Gastronomie arbeitet, war nicht geplant. Jahrzehntelang leitete er eine IT‑Firma in Liechtenstein, bis er ausstieg, weil ihm das Soziale fehlte. Über Umwege fand er in die Gastro, zuerst mit seiner Bar Nobody in Lustenau, später mit dem kleinen Hotel Easy Room in Höchst. Dort merkte er, wie sehr ihm der Kontakt zu Menschen liegt. “Ich fühle mich in der Gastronomie wohl. Den Leuten etwas Gutes tun, das finde ich mega spannend.”

Überraschender Ansturm
Am 10. April öffnete das Gsiberger und wurde sofort überrannt. “Wir sind wortwörtlich überlastet gewesen”, sagt Prietl. “Wir haben mit vielen Gästen gerechnet, aber es hat sich um Faktor drei vervielfacht.” Das Team wuchs innerhalb kürzester Zeit von vier auf neun Mitarbeitende: zwei Köche im Wechsel, ein dritter als Aushilfe, Servicekräfte, Reinigung, Küchenhilfe. “Man braucht doch relativ viel Personal, um sieben Tage abzudecken.” Für den Sommer wird bereits weiter aufgestockt.

Saisonal und bodenständig
Die Küche bleibt bewusst einfach: Schnitzel, Zwiebelrostbraten, Riebel. Gerichte, die man von früher kennt. Ein Highlight ist das Chilischnitzel, ein Rezept aus dem ehemaligen Gasthaus Hirschen. “Wir haben das Rezept bekommen und weitergeführt. Es ist wirklich scharf, aber sehr gut”, meint Prietl.
Vegetarische und vegane Optionen gibt es ebenfalls. “Noch im kleinen Rahmen, aber wir beobachten die Nachfrage. Der Trend geht klar in diese Richtung.” Auch alkoholfreie Getränke werden stärker nachgefragt. Saisonale Aktionen gehören fix zum Konzept: Spargelgerichte, bald Schwämmle, Schlachtpartien oder Erdbeergerichte mit Karg‑Erdbeeren. “Für einen Erdbeerbecher brauchst du richtig gute Erdbeeren”, meint der Inhaber.
Frühstück bis Eisbecher
Der Tag beginnt früh. Ab 9 Uhr gibt es Frühstück mit Birchermüsli, Riebel, Hummus‑ und Avocadoaufstrich, Spiegelei oder Rührei. “Da geht’s schon richtig los”, sagt Prietl. Parallel beginnen die Vorbereitungen für das Mittagsmenü. Von 11 bis 14 Uhr läuft das Mittagsmenü, danach übernimmt die reguläre Karte. Abholung ist ebenfalls möglich.

Besonders am Nachmittag zeigt sich ein klarer Trend. “Viele kommen nur wegen des Eisbechers. Da brauchst du fast eine eigene Person, die nur Eis macht.” Das Angebot soll im Sommer weiter ausgebaut werden. “Wenn der Sommer gut läuft, machen wir größere Eisbecher und vielleicht auch Süßspeisen wie Omelette mit Nutella.”
Drinnen bietet das Lokal rund 26 Sitzplätze, draußen etwa 48 und insgesamt also 70 bis 80. Doch das soll sich ändern. Es wird bereits ein Wintergarten geplant, der Ende des Jahres umgesetzt werden könnte. “Wir sind sehr saisonlastig. 80 Prozent passieren im Sommer. Ein Anbau würde uns enorm helfen, damit wir das Geschäft in den kalten Monaten so in der Größe weiterführen können.”
Regionalität im Mittelpunkt
Für Markus Prietl und Steffi Schwald sind leistbare Preise zentral. In Gaißau gebe es laut Prietl kaum gutbürgerliche Alternativen. “Es gibt das Steakhouse, ein chinesisches Restaurant, eine Pizzeria, aber nichts Gutbürgerliches.” Viele Lokale orientieren sich zudem an Schweizer Preisen, was Einheimische belastet. “Wir wollten das bewusst nicht. Uns war wichtig, dass man als Vorarlberger normal günstig essen kann”, sagt Schwald. Familien sollen sich einen Besuch leisten können, ohne überhöhte Preise.

Prietl sieht dies als Teil einer größeren Entwicklung. “Die Regionalität stirbt. Metzgereien und Bäckereien verschwinden, vieles wandert in Großmärkte.” Das Gsiberger soll ein kleines Gegengewicht bilden. “Wir wollen bremsen und ein Stück zurückfinden. Vielleicht motiviert das auch andere, wieder bodenständiger zu denken.”
Café Restaurant Gsiberger
Adresse: Rheinstraße 3, 6974 Gaißau
Telefonnummer: 0676/4411411
Öffnungszeiten: Montag und Dienstag von 9 bis 14 Uhr, Mittwoch bis Sonntag von 9 bis 22 Uhr, Küche bis 20.30 Uhr