Österreich

Lehramt: Hohe Belastung für Studenten

10.10.2023 • 23:00 Uhr
Immer öfter werden Studenten für den Unterricht herangezogen.  <br><span class="copyright">Shutterstock</span>
Immer öfter werden Studenten für den Unterricht herangezogen.
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Wie eine neue Studie zeigt, sind Lehramt­studierende schon vor ihrem Studienabschluss vielen Belastungen ausgesetzt. Das liegt auch am Personalmangel.

Der aktuelle Lehrermangel in manchen Fächern und Regionen führt dazu, dass viele Lehramtsstudierende schon vor dem Abschluss viele Stunden in Schulen unterrichten. Oft werden sie dabei in fremden Fächern eingesetzt, ein Drittel arbeitet bereits als Klassenlehrer oder Klassenvorstand. Unter dieser Belastung leidet jedoch die Ausbildung, die Studierenden machen weniger Prüfungen und die Situation schadet ihrer Professionalisierung, zeigt eine aktuelle Studie der Uni Wien.

So läuft die Ausbildung

Die Lehrerausbildung besteht derzeit aus vier Jahren Bachelorstudium und bei Volksschullehrern aus einem, bei Lehrern der Sekundarstufe (Mittelschule, AHS, BMHS) aus zwei Jahren Mas­terstudium. Dazu kommt nach Dienstantritt noch eine zwölfmonatige Induktionsphase, bei der man von erfahrenen Kollegen in die Berufspraxis eingeführt wird.

In der Praxis werden Junglehrer wegen des Personalmangels allerdings zu einem guten Teil schon während der Ausbildung wie voll ausgebildete Pädagogen eingesetzt. Das zeigt eine nicht repräsentative, aber „sehr umfangreiche“ Studie, für die ein Team um Nele Kampa vom „Zentrum für Lehrer*innenbildung“ der Universität Wien 1635 Lehramtsstudierende aus ganz Österreich befragt hat.

Demnach unterrichten 58 Prozent der Masterstudierenden und immerhin ein Viertel der Bachelorstudierenden – und damit „nicht adäquat ausgebildete Personen“ – bereits neben dem Studium. Zum Einsatz kommen sie vor allem an Volks- und Mittelschulen, hieß es am Dienstag in einer Aussendung der Uni Wien.

33 Wochenstunden

Im Mittel sind diese Lehramtsstudierenden 16 Unterrichtsstunden pro Woche im Einsatz, mit Vor- und Nachbereitungsaufgaben arbeiten sie 33 Wochenstunden für die Schule. Auch inhaltlich werden die Früheinsteiger an den Schulen herausgefordert: Laut Studie haben sie teils mehr als drei Fächer zu unterrichten. In einigen Unterrichtsgegenständen (Turnen, Deutsch als Zweitsprache, Informatik, Technisches Werken oder Kunsterziehung) ist dabei weit mehr als die Hälfte der Studierenden fachfremd im Einsatz und unterrichtet damit ohne entsprechende Ausbildung. Außerdem werden laut Kampa knapp 19 Prozent der Bachelorstudierenden und rund 30 Prozent der Masterstudierenden bereits als Klassenlehrkraft oder Klassenvorstand eingesetzt. Problematisch sei dabei zusätzlich, dass relativ wenige von erfahrenem Lehrpersonal betreut werden.

Unter all diesen Belastungen leidet das Studium. Die Dauer liegt bei den Früheinsteigern 2,5 Semester über der von Studierenden, die gar nicht arbeiten und ein Semester über der von Studierenden mit anderen Berufen. Außerdem legen Lehramtsstudierende, die unterrichten, nur halb soviele Prüfungen ab. Kampa appelliert, die Belastungen der Studierenden durch klare Regeln für den Einsatz an Schulen zu verbessern. „Das Stopfen der Lücken mit Lehramtsstudenten kann keine Dauerlösung sein“, reagierte FPÖ-Bildungssprecher Hermann Brückl auf die Studienergebnisse. Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) müsse „endlich Nägel mit Köpfen machen und zumindest die Reform der Lehrerausbildung durchziehen“. Es brauche eine verkürzte, vereinfachte und attraktivere Lehrerausbildung und außerdem auch Reformen bei Besoldung und Arbeitszeit.

Nur Nachteile

Für die Neos ist die Studie ein Beleg dafür, dass es nur Nachteile habe, Lehramtsstudierende allein und zu früh in Klassen zu stellen. „Polaschek soll endlich eine Gesamtstrategie auf den Tisch legen, damit Schule endlich ein Ort wird, an dem Lehrkräfte gerne arbeiten und Kinder und Jugendliche gerne lernen“, forderte Bildungssprecherin Martina Künsberg Sarre ein Ende der „Marketingschmähs“.