Auch zum 90-Jährigen sich selbst beschenken

Ringen. Der KSK Klaus feierte sich drei Tage selbst. Zu Recht, denn der Ringer-Bundesligist ist fest in seiner Gemeinde verankert. Ein Versuch, wenigstens ein paar Erfolge in der 90-jährigen Historie aufzuzählen. Vor allem aber das Statement des langjährigen Sportlichen Leiters, wo Bernd Ritter den Verein heute sieht.
Das Jubiläum zum 80-jährigen Bestehen ist beim Ringerklub KSK Klaus noch immer in allerbester Erinnerung. 2016 war es, als der renommierte Bundesligist, der rund 3000-Einwohner-Gemeinde im Bezirk Feldkirch so ziemlich alles abräumte, was es in der nationalen Ringerszene abzuräumen gab: Der zwölfte und bis dato letzte Meistertitel in der Bundesliga, der Titel in der 2. Bundesliga als Draufgabe, der Gewinn des österreichischen Vereinscups und das Rote Band für die beste Jugendarbeit gab es in diesem denkwürdigen Jahr.
Der Sportliche Leiter Bernd Ritter schwelgt aber im NEUE-Gespräch nicht so sehr in der Vergangenheit, als er nun, zehn Jahre später, zum 90-Jährigen im dafür eigens eingerichteten KSK-Museum in der Trainingshalle steht, wo zahlreiche Einblicke in 90 Jahre Vereinsgeschichte ausgestellt sind.

Feierlichkeiten
Zumeist spielte sich das große Jubiläumswochenende im Winzersaal in Klaus ab. Zuerst waren Sponsoren und Freunde des Vereins zu einem besonderen Abend in festlicher Atmosphäre eingeladen, wo die Vorstellung des KSK Klaus – ein sportliches Showprogramm von sechs Ringern in allen Altersklassen, die international unterwegs sind – sowie kulinarische Highlights wie ein Flying Buffet mit Rum-, Whisky- und Weinverkostung, präsentiert wurden.
Die Jubiläumsparty und der Jubiläumsfrühschoppen waren ebenso Teil der Festivitäten, „dabei standen natürlich Geselligkeit und Feierlaune im Vordergrund. Und in erster Linie ging es nicht darum, die Erfolge von früher zu feiern, die garantiert in den jeweiligen Zeiten gebührend gefeiert wurden“, sagt Bernd Ritter, der als Sportlicher Leiter einen exzellenten Einblick in die aktuelle Szene des Vereins wie auch der nationalen Ringerlandschaft hat und selbst als Aktiver wie auch als Trainer Mitglied von Meistermannschaften war.
International
Die Nachwuchsarbeit hat beim KSK Klaus auch unter seinem amtierenden Obmann Ewald Zarfl einen enorm hohen Stellenwert, so ist Klaus seit 2023 Leistungszentrum und seit 2025 der Standort in Österreich für den Bundesstützpunkt Nachwuchs. „Am Abend stehen bei uns bis zu 30 Sportler des Landeskaders auf den Matten, vormittags sind es zwölf aus dem Leistungskader und einmal im Monat kommen die Ringer des Nationalteams bei uns zusammen.
Trainingslager finden in Kooperation mit dem nationalen Verband und dem Bildungshaus St. Arbogast statt, beim letzten Stelldichein der Auserwählten waren auch Akteure aus Deutschland und der Schweiz mit dabei. Und im Herbst beim Mädchen Team Cup wird auch ein Trainingslager mit mehreren Nationen organisiert“, lässt der bald 48-jährige Ritter, der im Nachwuchsbereich einen fünften Platz bei einer Kadetten-WM zu Buche stehen hat, wissen. Leistungsabzeichen für Kids und Schüler, für die auch in einem passenden Rahmen T-Shirts überreicht werden, wurden eingeführt, „die Bundesliga-Kontrahenten Wals und Inzing versuchen unseren Aufbau nachzueifern“.
„Schule fürs Leben“
Über 150 Kinder sind beim KSK Klaus, der insgesamt 350 Mitglieder hat und bis dato über 700 österreichische Meistertitel erkämpft hat, engagiert, denn: Ohne Nachwuchs keine Zukunft und kein Leistungssport. „Nachwuchsarbeit ist nicht nur sportliche Ausbildung, sondern auch eine Schule fürs Leben. Kinder und Jugendliche lernen im Verein Teamgeist, Disziplin, Durchhaltevermögen, Respekt und Fairness, Verantwortung, den Umgang mit Erfolg und Niederlagen und Zusammenhalt. Den Weg mit unserem Nachwuchs haben wir vor exakt zehn Jahren, 2016 zum 80-Jährigen, eingeschlagen“, weiß Bernd Ritter, der Wert auf diese Kernaussage legt: „Der KSK Klaus entwickelt nicht nur Sportler, sondern auch Persönlichkeiten.“ Der KSK ist in der glücklichen Lage, auf einen festen Stamm von Sponsoren zurückgreifen zu können. „Sponsoren ermöglichen Trainingszeit, Wettkämpfe, flexible Arbeitsmodelle“, sagt Bernd Ritter, der das Beispiel Luca Hartmann nennt: „Luca arbeitet bei einem Sponsor, so ist tägliches Training möglich wie auch die Freistellung für Wettkämpfe.“
Aber auch Sport und Ausbildung gilt seit jeher als Erfolgsmodell. Das Sportgymnasium Dornbirn besuchen ab Herbst die beiden 14-jährigen KSK-Schüler Xenia Begle und Linus Kofler. Die Kombination aus Spitzensport und Lehre gibt es nun auch in anderen Bundesländern, Sport und Ausbildung bei Bundesheer oder Zoll funktioniert nachweislich, eine nachhaltige Entwicklung über die sportliche Karriere hinaus ist mehr als greifbar. „Ceyhun Hamzacebi macht bei Farben Morscher seine Lehre, das Modell funktioniert freilich nur, wenn es leistungsmäßig sinnvoll ist. Der Landesverband muss hier sein Okay geben“, sagt Bernd Ritter in Bezug auf den nationalen Meister.

Viele Erfolge
Seit über zehn Jahren stellt der Kraftsportklub die erfolgreichste Schüler- und Jugendmannschaft Österreichs, inklusive der Titel österreichischer Nachwuchs-Mannschaftsmeister 2023 und Rheintalliga- Nachwuchs-Mannschaftsmeister 2023, 2024 und 2025. 15 Ringer und fünf Ringerinnen gehören dem österreichischen Nationalteam an, sieben EM- und WM-Teilnehmer mit fünf Top-Ten-Platzierungen 2023 und sieben EM- und zwei WM-Teilnehmer 2024 stehen zu Buche. Nationalmannschaftsmitglieder sind etwa der EM-Siebte Johannes Ludescher, Lukas Lins (U23), Leonhard Junger (U23), Lars Matt (U20) und Paul Maler (U20). Gerade der Sieger beim größten Greco-Turnier Europas in Utrecht in der U20-Klasse machte am Jubiläumswochenende eine Ansage: „Ich werde heuer eine Medaille nach Hause bringen“, so der letztjährige EM-Fünfte, der erst bei der U20-EM auf Medaillenjagd gehen will und dann vielleicht auch bei der WM. Marco Summer wird bei der anstehenden U17-EM dabei sein.
13. Meistertitel
Wird bei Wikipedia unter „Söhne und Töchter der Gemeinde Klaus“ nachgeschaut, findet man mit Patrick Maier einen Eishockeyspieler, doch unter „mit der Gemeinde verbundene Persönlichkeiten“ ist mit Günter Busarello ein Ringer zu finden, der 1980 EM-Dritter war und an zwei Olympischen Spielen teilnahm. Im KSK-Museum sind etliche Ringer im Blickfang, die bei Olympia auf der Matte standen. 1984 in Los Angeles waren es gar vier (mit Kampfrichter und Trainer gar sechs). 2028 kehren die Sommerspiele nach LA zurück und der Wunsch Ritters ist es, dass der KSK Klaus dann auch wieder vertreten ist. Helmut Längle sorgte 1950 für den ersten nationalen Titel, 1961 gab es die erste Mannschaftsmeisterschaft. 1984 wird Markus Pittner Jugendweltmeister und 1987 U20-Vizeweltmeister.
Geht es nach dem Sportlichen Leiter, soll heuer – noch zum 90-Jährigen – auch der 13. Meistertitel her. „Das halte ich durchaus für möglich, wenn wir verletzungsfrei bleiben.“ Die Bundesligamannschaft des KSK Klaus als sichtbares Aushängeschild sei für den Verein immens wichtig, „besonders für die Außendarstellung gegenüber Presse, Sponsoren und Öffentlichkeit. Das Fundament für nationale und internationale Erfolge ist jedoch die Nachwuchsarbeit. Ohne erfolgreiche Nachwuchsarbeit funktioniert der Verein langfristig nicht“.
Von Jochen Dedeleit