„Die Strecke ist nicht auf uns zugeschnitten“

Interview. Vom 5. bis 12. Juli findet die 75. Auflage der Tour of Austria statt. Team-Vorarlberg-Manager Thomas Kofler gibt einen Einblick in den Stand der Vorbereitungen und blickt auch auf andere Aspekte der Rundfahrt.
Die 75. Ausgabe der Tour of Austria steht bevor. Zweifelsohne ein besonderes Jubiläum. Wie könnte man das am besten in Worte fassen?
Thomas Kofler: Grundsätzlich hat die Österreichrundfahrt nicht nur Tradition, sie ist einer der längsten durchgehend veranstalteten Sportwettbewerbe in Österreich. Sie gehört vermutlich in eine Kategorie wie etwa das Hahnenkammrennen. Radfahren hat viele Höhen und Tiefen erlebt, wie viele andere Sportarten auch, aber die Tour of Austria war nicht nur hierzulande, sondern auch international immer angesehen. Wenn man das Fahrerfeld anschaut, kann man mittlerweile schon sagen, dass die Richtung stimmt. Und für uns vom Team Vorarlberg ist die Tour natürlich sehr wichtig.
Stichwort Team Vorarlberg: Wie ist denn der aktuelle Stand der Dinge? Laufen die Vorbereitungen auf die Tour nach Ihrer Zufriedenheit?
Kofler: Wir sind, wie soll ich sagen, fast fit. Der Teamkapitän Colin Stüssi laboriert noch ein bisschen an einer kleinen Verletzung, wir hoffen, dass sein Einsatz aber nicht gefährdet sein wird. Ansonsten läuft die Vorbereitung perfekt, die anderen Jungs sind in Form. Ich hoffe, dass wir das Höhentrainingslager in Osttirol zeitlich wieder gut angesetzt haben. Das ist immer etwas spannend – ist es zu früh angesetzt oder ist es zu spät. Aber unsere Fahrer haben schon bei der österreichischen Meisterschaft gezeigt, dass sie in Form sind.
Was ist denn das Besondere an einem Höhentrainingslager? Wie wirkt sich das aus?
Kofler: Eigentlich machen das nur die großen Mannschaften. Aber es hat im letzten Jahr bei der Tour of Austria ordentlich Wirkung gezeigt. Wir hatten einen starken Auftritt, und ich denke, wir waren das einzige Team aus Österreich, das recht offensiv gegen die World-Tour-Profis fahren konnte. Das haben wir gut gemacht, und das Höhentrainingslager war sicher auch ein Grund für die Leistung.
Welche Team-Vorarlberg-Fahrer stehen im Kader für die Tour of Austria?
Kofler: Ganz genau wissen wir es noch nicht. Kilian Feurstein, Dominik Röber und Giacomo Ballabio waren die letzte Zeit richtig stark. Auf Colin Stüssi hoffen wir eben noch, Emanuel Zangerle und Tobias Nolde Dominik Amann stehen bereit. Wir bringen auf jeden Fall sechs gute Leute, das ist klar.
Was rechnet sich das Team Vorarlberg für Chancen bei der diesjährigen Tour of Austria aus?
Kofler: Nun, rechnen ist beim Fahrradfahren immer schwierig. Grundsätzlich sind wir motiviert, wir versuchen, dass wir wieder auf ein Trikot kommen. Diese Möglichkeit besteht allerdings nur die ersten zwei Tage. Heuer gibt es ein anderes Etappenprofil als vor einem Jahr, ich glaube es wird spannend, in welche Richtung es gehen wird. Wir haben einen breiten Kader, und ich könnte mir schon vorstellen, dass Kilian Feurstein, wenn er wieder einen guten Fuß hat, bei der letzten Sprintetappe bei der Ankunft in Wien vorne dabei sein kann. Sonst hoffen wir natürlich auf die Gesamtwertung und unsere Doppelspitze Stüssi/Philipp Hofbauer. Letztes Jahr sind wir Gesamtneunter geworden, also eine Platzierung in den Top Ten wäre sehr gut. Man muss natürlich sagen, dass das Feld wieder sehr gut besetzt ist.

Wer ist denn aus Ihrer Sicht als Favorit einzuordnen?
Kofler: Das ist eine schwierige Frage. Der Schweizer Jan Christen von UAE Emirates ist richtig gut, wie all seine Teamkollegen, Patrick Konrad ist motiviert, weil er ein Österreicher ist, Bauke Mollema kennt man auch. Es werden so viele gute Fahrer dabei sein, wenn wir da in den Top Ten landen, musst du sagen: passt. Für uns ist wichtig, aktiv zu fahren, und dann sehen wir, was rauskommt.
Ist die Streckenführung der Tour of Austria nach dem Geschmack des Team Vorarlberg oder eher nicht ?
Kofler: (lacht) Wie soll ich es am besten ausdrücken: Sie ist nicht auf uns zugeschnitten. Die erste Etappe ist tricky, sie ist für uns schon brandgefährlich. Sie geht durch die steirischen Weinberge, da weiß man, dass am ersten Tag schon der Krieg ausbrechen kann. Schmale Straßen, 20-prozentige Anstiege. Wenn du da hinten bist, bist du halt wirklich hinten. Da kann es dir passieren, dass du am ersten Tag die ganze Rundfahrt verlierst. Das wird nicht einfach. Andererseits wissen wir es ja, und wir müssen schauen, dass wir unsere Leute in Position bringen können.
Also ist die erste Etappe schon die Schlüsseletappe?
Kofler: Ja, die erste finde ich schwierig. Die zweite mit der Glockner-Bergankunft finde ich fast die einfachste. Die dritte Etappe, Felbertauern. Mit dem Finale nach Altendorf sage ich, wenn das Gesamtklassement nach dem Glockner schon gemacht ist, dann kontrollieren wahrscheinlich die großen World-Tour-Teams das Rennen. Da musst du dich dann an die Gesamt-Ersten halten. Aber das ist bei der vierten Etappe genauso und bei der Fünften mit dem Zielsprint nach Wien – da rechnen wir uns schon etwas aus. Wir werden alles dafür tun, dass Ballabio und Feurstein dort irgendwie in Position gebracht werden können.
Was gilt es zu beachten beziehungsweise mit welchen Schwierigkeiten muss man rechnen?
Kofler: Das ist sehr schwer zu sagen. Nur so viel: Wir werden auf jeden Fall unsere Farben vertreten, wir haben das Glück, dass wir als einzige Mannschaft in Gelb antreten. Wir wollen unsere Chancen nutzen, haben die Österreich-Rundfahrt im Jahr 2015 gewonnen. Wir fahren zum 26. oder 27. Mal mit und wir gehören zur Rundfahrt dazu. Mich freut es für unsere Jungs und ich bin froh, wenn alle gesund im Ziel in Wien ankommen. Ich meine Glockner und solche Sachen … Klar, wir fahren ihn nur hinauf, aber da muss man immer froh sein, wenn man nicht in große Stürze verwickelt ist. Über das wird nicht geredet, es ist ja immer selbstverständlich, aber das ist es nicht. Auf der einen Seite denkst du dir, wenn du schon öfter mitgefahren bist, das geht schon. Aber es kann immer etwas passieren. Sportlich haben wir die Möglichkeit zu attackieren, und wer weiß, vielleicht schafft der eine oder andere Fahrer einmal den Sprung zu einem großen Team. Das Gute in diesem Jahr ist, dass alle sechs Fahrer, die wir stellen, schon Rennen gewonnen haben. Das hatten wir noch nie, so breit waren wir noch nie aufgestellt.
Wie im letzten Jahr ist an dieser Stelle wieder ein „Word-Rap“ zu den Fahrern vom Team Vorarlberg vorgesehen. Würden Sie wieder mitmachen?
Kofler: Ja, klar. Legen wir los.
Giacomo Ballabio.
Kofler: Kann mich überraschen, bei ihm ist alles möglich. Der kann mal eine Etappe abschießen und kommt auch den Berg hinauf (lacht).
Kilian Feurstein.
Kofler: Mein Tipp für Wien.
Tobias Nolde (Wäre der Ersatzfahrer, falls Colin Stüssi tatsächlich ausfallen sollte, Anm.).
Kofler: Eine Bank bei uns und absoluter Teamplayer.
Dominik Röber.
Kofler: Röbi, auch ein Garant für Teamplay.
Emanuel Zangerle.
Kofler: Am besten so machen wie im Jahr 2025. Er war der Zweite der Bergwertung, ein Rang besser wäre großartig.
Colin Stüssi.
Kofler: Ich würde ihm alles gönnen. Auch bei ihm ist alles möglich.