Zaric betreibt ein ganz gefährliches Spiel

NEUE-Sportchef Hannes Mayer kommentiert die Altacher Aussagen nach der Derbyniederlage in Lustenau.
Der SCR Altach hat am Samstag bei der Derbyniederlage in Lustenau kein gutes Bild abgegeben. Erst auf dem Spielfeld, dann vor den Mikrofonen. Trainer Ognjen Zaric fühlte sich erneut dazu berufen zu betonen, dass er die Kaderprobleme schon vor Monaten erkannt hätte. Zaric reißt mit dieser Kommunikation Gräben innerhalb des Vereins auf. Die Botschaft ist: Er macht alles richtig, der Verein macht alles falsch.
Haben es die Verantwortlichen geschafft, für die Offensive neue Leitungsträger zu verpflichten, die sofort weiterhelfen? Nein. Aber bei aller Kritik an Sportdirektor Philipp Netzer und der Vereinsführung muss Zaric schon auch klar sein: Mit Srdjan Hrstic, Marko Raguz, Shingo Nakano, Rodney Elongo-Yombo und Denizcan Cosgun wurden sehr wohl fünf Offensivspieler geholt. Und es ist davon auszugehen, dass er als Trainer diese Transfers abgesegnet hat. Zaric betreibt ein gefährliches Spiel, wenn er alle Verantwortung für die jetzige Lage von sich schiebt. Sowas kommt nicht bloß bei der Vereinsführung schlecht an, auch die Spieler dürften es wohl so langsam ziemlich leid sein, dass ihnen ihr Trainer wöchentlich bei seinen Interviews das Vertrauen entzieht. Nichts anders macht Zaric nämlich, wenn er ständig direkt und indirekt auf den fehlenden Torjäger verweist. Mit solchen mantraartigen Aussagen raubt er seinen Stürmer auch noch das letzte Selbstvertrauen. Wenn selbst der eigene Trainer nicht an einem glaubt – wer denn dann? Natürlich muss Zaric intern Tacheles reden. Er kann auch mal auf den Tisch hauen und mitunter sogar nochmals daran erinnern, dass er im Sommer Angebote hatte. Aber er kann sich nicht fortlaufend öffentlich gegen den Verein und seine Mannschaft stellen – und sich als Opfer inszenieren. Die fehlenden taktischen Varianten hat schon er zu verantworten, genauso wie die Schwäche bei den Offensivstandards und die Fehleranfälligkeit gegen den Ball. Auch mit diesem Kader muss Altach nicht mit sechs Niederlagen nach sieben Spielen in die Länderspielpause gehen. Zaric holt wenig aus dieser Mannschaft heraus: Das ist keine ganz neue Erkenntnis, sondern das zeichnet sich seit März ab.

Schlechtes Klima
Trotzdem muss sich Sportdirektor Netzer natürlich Kritik gefallen lassen: An der völlig missglückten Kaderzusammenstellung, und ganz konkret an seinem Interview am Samstag. Netzer darf kein pampiges „das nehme ich so zur Kenntnis“ als Replik auf die Zaric-Aussagen zu den Kaderproblemen herausrutschen. Auch nicht aus der Emotion heraus oder wenn man das Thema intern mehrfach aufgearbeitet hat. Und schon gar nicht darf er als Sportdirektor in aller Öffentlichkeit die These aufstellen, dass man das Spiel schon in der Trainingswoche verloren hätte, weil „wir es nicht geschafft haben, die Jungs so vorzubereiten, dass wir heute dieses Derby annehmen können“.
Mit dieser Aussage hat Netzer die Autorität von Zaric massiv untergraben. Er wirft seinem Trainer damit nämlich vor, die Mannschaft nicht richtig eingestellt zu haben. Netzer war danach zwar bemüht, seine Aussagen zu relativeren. Aber unterm Strich wird immer klarer: Netzer und Zaric können nicht miteinander. Wenn sich das nicht rasch ändert, hat diese Konstellation keine Zukunft. Denn bei solch einem Klima kann sich die Mannschaft nicht besser werden. Und das muss sie dringend.