Vorarlberg

Wie verbringt man den Silvesterabend als Pyrotechniker mit Hund?

30.12.2025 • 18:40 Uhr
Wie verbringt man den Silvesterabend als Pyrotechniker mit Hund?
Seit zweieinhalb Jahren unzertrennlich: Michael Lecker und sein Rhodesian Ridgeback Malik, im Vordergrund einige Feuerwerkskörper. dietmar stiplovsek (5)

Michael Lecker ist Pyrotechniker und stolzer Besitzer von Vierbeiner Malik. Wie er die Debatte um ein Feuerwerksverbot an Silvester sieht und was er von Böllern hält.

Hundeliebe und Feuerwerk: Worin für viele insbesondere an Silvester ein unüberbrückbarer Zwiespalt und Potenzial für hitzige Diskussionen liegt, sieht Michael Lecker zwei große Leidenschaften. Der 44-jährige Schwarzacher ist ausgebildeter Pyrotechniker und seit zweieinhalb Jahren stolzer Besitzer des Rhodesian-Ridgeback-Rüden Malik.

Zwei Leidenschaften

“Angefangen hat meine Leidenschaft für Pyrotechnik schon als Kind. Meine Eltern haben mir nie Feuerwerksartikel gegeben, vielleicht kam von daher der Drang nach mehr. Als Jugendlicher habe ich von meinem Onkel ein Raketenset bekommen, das war für mich damals das Highlight überhaupt”, erinnert sich Lecker. Ausleben konnte er seine Begeisterung bei den Schwarzacher “Funkenzünzlar”, die dem Publikum neben dem Funken auch ein passendes Feuerwerk präsentieren. “Ich durfte dabei als Helfer mitanpacken”, erklärt er. “2010 habe ich dann die Pyrotechnikscheine F3 und F4 gemacht und mich so richtig hineingelebt”, erzählt der Lagerist mit einem Lächeln im Gesicht. “Nach heutiger Rechtslage ginge das gar nicht mehr hintereinander, denn vor dem F4-Ausweis muss man 15 behördlich genehmigte Feuerwerke nachweisen”, fügt er hinzu.

Wie verbringt man den Silvesterabend als Pyrotechniker mit Hund?
Michael Lecker im NEUE-Gespräch.

Leckers zweite große Leidenschaft hört auf den Namen Malik: Vor zweieinhalb Jahren nahm er den Rhodesian Ridgeback bei sich auf. “Ein Arbeitskollege hat mir ein Foto von dem Hund gezeigt und ich war sofort verliebt”, erklärt er den Grund, wie er zuerst zu dieser Rasse und dann zu seinem stürmischen, aber gutherzigen Ubangi Incredible Malik (so der volle Name des Hundes) kam. Aktuell macht er mit ihm die Ausbildung zum Personenspürhund, unter Fachleuten als “Mantrailing” bekannt.

Abneigung gegen Böller

Wie passen diese beiden Hobbys nun zusammen? Zunächst verzichtet Lecker am heutigen Silvesterabend auf lautes Geknalle: “Für mich ist Feuerwerk etwas, das optisch schön und nicht laut ist. Von Böllern halte ich gar nichts, die verursachen nur Lärm, Kosten, Sachbeschädigung und Personenschaden.” Für den heutigen Abend hat er zwei geräuschlose Vulkane und eine leise Batterie gekauft. “Mir sagt das laute Feuerwerk nicht zu. Außerdem haben meine Eltern nebenan Hennen und Hasen, in der Nachbarschaft leben viele Hunde und Katzen und in der Nähe ist auch der Doppelmayr Zoo”, möchte Lecker Rücksicht nehmen. “Als ich jung war, habe ich schon auch Schweizer Kracher und Derartiges verwendet. Ich bin kein Engel. Aber inzwischen gefällt mir ein schön abgestimmtes Feuerwerk mit Musik einfach besser.” Für Feuerwerke dieser Größe brauche man ohnehin eine behördliche Genehmigung, die Erlaubnis des Grundeigentümers und eine Versicherung, weiß der Pyrotechniker.

Wie verbringt man den Silvesterabend als Pyrotechniker mit Hund?
Nur diese geräuscharmen Feuerwerksprodukte hat sich der Schwarzacher für das Silvesterfest gekauft.

Sobald es an Silvester dunkel ist und das große Knallen startet, will Michael Lecker den Abend bei Malik verbringen. “Für ihn ist wichtig, dass ich da bin. Ist es dunkel, geht er nicht mehr raus, außer er muss sein Geschäft verrichten. Drinnen läuft Ablenkung: Fernseher, Computer, et cetera. Solang es noch hell ist, gehe ich mit ihm spazieren und mache Kopfarbeit”, schildert der 44-Jährige. “Die letzten beiden Jahre hat es gut funktioniert. Wenn draußen etwas knallt, erschreckt er nicht, sondern schaut nur herum. Das macht er aber auch, wenn beim Spazierengehen ein Polizeiauto mit Martinshorn vorbeifährt.”

Wie verbringt man den Silvesterabend als Pyrotechniker mit Hund?
Verbringen den Silvesterabend gemeinsam: Michael Lecker und Malik.

In Leckers Heimatgemeinde Schwarzach ist die Verwendung von Feuerwerksraketen bis zu Stufe F2 (für diese braucht man keine pyrotechnische Ausbildung) in der Silvesternacht von 22 bis 1 Uhr erlaubt, einige Gemeinden erlauben diese Ausnahme nicht mehr. Sollte das private Silvesterfeuerwerk nicht mehr gestattet werden? “Ich bin bei Verboten generell skeptisch”, antwortet Lecker. “Aufklärung finde ich viel wichtiger, weil sonst bei vielen der Gedanke kommt, man will sich doch nichts verbieten lassen. Dann kaufen die Leute irgendwo illegal ihre Feuerwerke. So haben sie bis heute die Verkaufsstände, die legale Pyrotechnik anbieten”, argumentiert er gegen den “erhobenen Zeigefinger”.

Appell an Eigenverantwortung

Lecker appelliert an die Eigenverantwortung: “Vor Einrichtungen wie Krankenhäusern, Pflegeheimen, Friedhöfen oder Tierheimen ist das Feuerwerk ohnehin verboten. Wenn man weiß, in einem Haus ist ein Hund daheim, dann böllert dort doch bitte auch nicht.” Eigenverantwortung ist auch das Stichwort, wenn es zur Anwendung von Feuerwerkskörpern an Silvester kommt: “Pyrotechnik ist kein Spielzeug. Es steckt Energie und Hitze dahinter. Also haltet genügend Abstand von Leuten, Tieren und Objekten, wenn ihr sie zündet”, rät der 44-Jährige. Wichtig sei außerdem, Reste von Feuerwerkskörpern am nächsten Tag wieder aufzusammeln. “Und trinkt erst nach dem Feuerwerk Alkohol, nicht umgekehrt”, fügt er hinzu. “Alkohol und Pyrotechnik verträgt sich nicht. Man wird leichtsinnig und passt nicht mehr auf.

Wie verbringt man den Silvesterabend als Pyrotechniker mit Hund?
Alkohol und Feuerwerkskörper bilden keine gute Kombination, weiß der Pyrotechniker.

Auch außerhalb von Silvester hat Michael Lecker seine pyrotechnische Aktivität ein wenig zurückgefahren. “Beim Schwarzacher Funken war ich zwölf Jahre lang leitender Pyrotechniker. Seit drei Jahren macht es jetzt Leonie Gasser. Sie macht das richtig super. Ich unterstütze sie, denn es ist doch viel Technisches dahinter: Zündanlage, programmieren, einstellen, PA-Anlage, Test und Computer. Effekte kennenlernen, Musik auswählen – du brauchst die Leidenschaft und viel Zeit”, beginnt er dann doch, ein wenig zu schwärmen. Auch bei einem weiteren Hobby von Lecker, seiner Tätigkeit bei der Feuerwehr, kann er seine pyrotechnischen Kenntnisse einsetzen: “Bei einer Übung kann man mit Pyrotechnik auch viel machen. Atemschutz, Gefahrstoffe simulieren und andere solche Dinge.”

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Seinen Wunsch für das Silvesterfest formuliert der Schwarzacher so: “Respektiert euch gegenseitig. Man muss nicht immer der gleichen Meinung sein, aber ein respektvoller gegenseitiger Umgang sollte da sein. Wir sind einfach stärker, wenn wir gemeinsam unterwegs sind.” Ein Grundsatz, den man gerne auch am heutigen Abend anwenden darf, wenn der Silvesterkrach nicht vom Feuerwerk, sondern der Debatte Tierschutz gegen Pyrotechnik ausgelöst wird.