„LändleCan soll informieren und Vorurteile abbauen“

Mit der LändleCan feiert im Event Center Hohenems von 9. bis 11. Jänner erstmals in Vorarlberg eine Cannabis-Messe Premiere. Die NEUE hat vorab mit den Veranstaltern gesprochen.
Vorarlberg bekommt mit der LändleCan in Hohenems erstmals eine eigene Cannabis-Messe. Die Veranstalter Christian Graupeter und Reinhold Hartmann wollen damit vor allem aufklären. „Das Interesse an der LändleCan ist enorm“, sagen die beiden im Gespräch mit der NEUE.
Große Vorurteile
Die Idee zur Veranstaltung entstand im vergangenen Jahr. Graupeter und Hartmann waren auf der „Mary Jane“ in Berlin sowie auf der Cultiva in Wien präsent und hatten dort einen eigenen Stand. „Bei diesem haben uns sicher 1000 Leute aus Vorarlberg besucht“, erzählt Graupeter. Viele hätten berichtet, dass sie für vergleichbare Veranstaltungen ins Ausland ausweichen müssten. „Weil es in Vorarlberg nichts gibt“, sei eine häufige Antwort gewesen. Gleichzeitig hätten sie immer wieder gehört: „So etwas geht nicht im konservativen Vorarlberg. Die Vorurteile sind zu groß.“
Genau diesen Vorurteilen wolle man begegnen. Ziel der LändleCan sei es, Unsicherheiten auszuräumen. Das betreffe sowohl die rechtlichen Rahmenbedingungen als auch die Möglichkeiten, die Cannabis und Hanfprodukte bieten. „Wir wollen in erster Linie aufklären und die Leute informieren“, sagt Hartmann. Auf der Messe werden unterschiedliche Produkte präsentiert, darunter Nahrungsergänzungsmittel, Dünger, Kleidung und Süßigkeiten.
Klare Regeln
Bewusst verzichtet wird auf essbare Cannabisprodukte. „Auf die bekannten Edibles, also essbare Produkte mit Cannabis, verzichten wir komplett, weil da die Gesetzeslage unsicher ist und es keine ordentliche Regulierung gibt“, erklärt Graupeter. Auch beim Angebot der Aussteller gelten klare Regeln. „Es werden keinen Blüten verkauft, egal ob THC oder CBD“, betonen die Veranstalter. Wer verbotene Substanzen anbiete, müsse den Platz sofort räumen.

Rauchen verboten
Die Messe ist ausschließlich für Erwachsene zugänglich und erst ab 18 Jahren erlaubt. Dass Besucher Cannabis konsumieren könnten, sei kein Geheimnis. „Wenn damit jemand high werden möchte, habe ich persönlich nichts dagegen. Aber klar ist: Wer raucht, sollte nicht fahren“, so Graupeter. Aus diesem Grund wird ein eigener Outdoor-Raucherbereich eingerichtet, der nur vom Messegelände aus zugänglich ist. In und vor der Halle gilt Rauchverbot. Das Cannabis-Rauchen in der Öffentlichkeit bleibt verboten.
Infos zur Gesetzeslage
Auch über rechtliche Details soll informiert werden. „Die Leute wissen allgemein zu wenig, was sie dürfen und was nicht“, sagt Hartmann. In Vorträgen werde daher auch die Gesetzeslage thematisiert. Kontrollen seien möglich. „Theoretisch darf jeder 2,5 Gramm in der Hosentasche dabeihaben, für den eigenen Konsum.“ Um Probleme bei der An und Abreise zu vermeiden, wird für die Besucher ein Shuttleservice zum Bahnhof eingerichtet.
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Entkriminalisierung
Die Veranstalter hätten gerne auch Vertreter der Exekutive in das Programm eingebunden. „Wir wollten auch die Polizei dabeihaben, zur Aufklärung“, sagt Graupeter. Auf die Anfrage, ob ein Experte der Polizei einen Vortrag halten würde, habe es jedoch keine positive Rückmeldung gegeben.
500 Millionen Euro jährlich
Graupeter und Hartmann verweisen auf internationale Beispiele. Viele Länder würden zeigen, welches wirtschaftliche Potenzial in einer liberaleren Regelung stecke. Österreich könnte ihrer Einschätzung nach jährlich bis zu 500 Millionen Euro an Steuereinnahmen erzielen. Gleichzeitig sehen sie Probleme im derzeitigen System. „Eine Entkriminalisierung wäre wichtig, denn der Trafik-Hanf treibt die Leute zurück auf die Straße“, sagt Hartmann. Dort würden häufig minderwertige Produkte mit Chemikalien besprüht und als THC-haltige Ware verkauft.

Gute Eigenschaften nutzen
Ein wichtiger Schwerpunkt der Messe liegt auf dem Gesundheitsbereich. Für die LändleCan hätten sich auch zahlreiche Ärztinnen und Ärzte angekündigt. CBD werde bereits medizinisch genutzt, unter anderem wegen seiner entzündungshemmenden Wirkung. Hartmann schildert auch einen persönlichen Zugang: „Mein Vater hat Krebs. Er möchte nicht high sein, aber die guten Eigenschaften des Produkts nutzen.“ Sein Arzt habe deutliche Verbesserungen festgestellt und gesagt: „Egal was Sie machen – machen sie weiter so.“
Wirtschaftliches Potenzial
In Vorarlberg gebe es nennenswerte Wertschöpfung im Hanfbereich. Graupeter verweist auf acht bis neun Hanfbauern im Oberland sowie Betriebe wie Hempions, Hanafsan oder Miraculix. Dennoch hafte der Branche ein negatives Image an. „Wenn wir von unserer Tätigkeit erzählen, kommt oft die Frage: ,Seid ihr jetzt unter die Drogendealer gegangen?‘“
Messe für alle
Die LändleCan richtet sich bewusst an ein breites Publikum. „Alle“, sagen die Veranstalter. „Einfach alle, die es interessiert.“ Thematische Schwerpunkte liegen auf Gesundheit, Bau und Growing. Die Messe wird heuer erstmals veranstaltet. Erwartet werden etwa 1000 bis 1500 Besucher. Ergänzt wird das Informationsangebot durch Konzerte, wie eine Reggae Night und ein Hip-Hop-Konzert.
3 Fragen an Fabian Marchetti, Pressesprecher Polizei Vorarlberg

Wie beurteilt die Polizei die Durchführung der Cannabis-Messe „LändleCan“ im Hinblick auf das Suchtmittelgesetz?
Fabian Marchetti: Eine rechtliche Beurteilung der Veranstaltung selbst steht der Polizei nicht zu. Sollte es im Rahmen der Messe jedoch zu Übertretungen nach dem Suchtmittelgesetz kommen, wird die Polizei nach den gesetzlichen Voraussetzungen einschreiten. Festgestellte Übertretungen würden entsprechend dokumentiert und an die zuständigen Behörden angezeigt.
Wird es Kontrollen im Zusammenhang mit der Veranstaltung geben?
Marchetti: Ob und in welcher Form Kontrollen stattfinden, darüber gibt die Vorarlberger Polizei aus einsatztaktischen Gründen keine Auskunft. Klar ist jedoch, dass mit Kontrollen im Umfeld der Veranstaltung gerechnet werden muss. Auch hinsichtlich Weitergabe oder Konsum von THC-haltigen Produkten gelten die gesetzlichen Bestimmungen unverändert.
Wie ordnet die Polizei Veranstaltungen dieser Art grundsätzlich ein?
Marchetti: Hanf an sich ist nicht als negativ einzustufen und findet unter anderem als Baustoff, in der Textilherstellung oder in Cremen Verwendung. Der Konsum von Cannabisprodukten, die unter das Suchtmittelgesetz fallen, wird von Seiten der Polizei jedoch konsequent geahndet und angezeigt. Inwieweit eine Veranstaltung wie die LändleCan zu einer Verharmlosung des Konsums von Drogenhanf beitragen könnte, kann im Vorhinein nicht beurteilt werden. Da es sich um die erste Veranstaltung dieser Art in Vorarlberg handelt, fehlen zudem entsprechende Erfahrungswerte.