„Würden Sie Vorarlberg an die USA verkaufen?“

Donald Trump will, dass Grönland Teil der USA wird. Die NEUE hat sich bei Vorarlbergern umgehört, ob und für wieviel Geld sie sich ein derartiges Szenario für das Ländle vorstellen könnten.
Die NEUE wagt ein Gedankenexperiment: Sie hat Vorarlberger gefragt, wie sie es finden würden, wenn die Schweiz sie für 100.000 Franken aus Vorarlberg herauskauft. Zudem ging es um ihre Einschätzung zur aktuellen Debatte rund um Donald Trump und um die Frage, ob sie sich vorstellen könnten, selbst Amerikaner zu werden. Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump prüft derzeit, wie ein möglicher „Kauf“ der rund 57.000 Einwohner Grönlands aussehen könnte, damit sie den Plänen der Amerikaner zustimmen. Ziel dieser Überlegung – so heißt es aus Washington – wäre es, die weitgehend autonome Insel, die formal zu Dänemark gehört, von der dänischen Herrschaft zu lösen und unter amerikanische Kontrolle zu bringen. Dazu sollen hohe Einmalzahlungen für die Menschen auf Grönland denkbar sein – bis zu 100.000 Dollar pro Person sind im Gespräch.
Das Weiße Haus bestätigte, dass derzeit verschiedene Optionen, einschließlich finanzieller Angebote, untersucht werden. Die Idee sorgt international für Aufsehen und erhebliche Kritik. Sowohl Grönland als auch Dänemark lehnen ein derartiges Vorhaben klar ab. Der grönländische Regierungschef Jens-Frederik Nielsen erklärte, die Insel wolle ihre Zukunft selbst bestimmen. „Genug ist genug. Schluss mit den Annexionsfantasien“, sagte er und bekräftigte, dass Grönland zu Dänemark gehöre und dort bleiben wolle.
Selbstbestimmung
Auch in Europa stößt der Vorstoß von Donald Trump auf deutliche Ablehnung. Dänemark und seine Verbündeten betonen die Bedeutung der territorialen Integrität und der Selbstbestimmung der Bevölkerung. Gleichzeitig haben einige US-Senatoren Gesetzesentwürfe eingebracht, die eine Annexion eines NATO-Partners wie Dänemark ohne dessen Zustimmung verbieten würden – ein Hinweis darauf, wie umstritten das Thema auch innerhalb der USA ist. Die Reaktionen der von der NEUE befragten Vorarlberger sind zwar gemischt, aber mit einer eindeutigen Tendenz.

„Schweiz ja, USA nein.“
Ich persönlich würde mich einem Anschluss Vorarlbergs an die Schweiz sofort anschließen, und das sogar völlig ohne finanzielle Abfindung. Historisch gesehen gab es dieses Bestreben ja bereits, als rund 80 Prozent der Vorarlberger ernsthaft für einen Beitritt waren, die Schweiz sich damals aber dagegen entschied. Für mich überwiegen klar die Vorteile: Die Schweiz bietet eine direkte Demokratie, eine beneidenswert niedrige Inflationsrate und eine extrem stabile Wirtschaft. Der Lebensstandard ist dort spürbar höher als bei uns.
Eveline Waldner (70)
Ganz anders beurteile ich die geopolitischen Begehrlichkeiten der USA, etwa in Bezug auf Grönland. Die bestehenden Abkommen zur Ressourcennutzung halte ich für fair; nun einfach mehr zu fordern, entbehrt jeder Grundlage. Ein Leben als Amerikanerin käme für mich unter keinen Umständen infrage. Das amerikanische System hat mich ganz und garnicht überzeugt: Ein schlechtes Sozialsystem und hohe Kriminalitätsraten besonders in den großen Städten. Das gefällt mir gar nicht.

„Müsste darüber schlafen“
Für einen theoretischen Verkauf von Österreich beziehungsweise Vorarlberg an die Schweiz halte ich die genannte Summe von 100.000 Franken für absolut unzureichend. Das ist viel zu wenig. Meine finanzielle Schmerzgrenze läge hier bei mindestens einer Million Euro pro Kopf – das ist das absolute Minimum, um überhaupt in Erwägung zu ziehen, die Staatsbürgerschaft zu wechseln. Und selbst bei diesem Betrag würde ich nicht sofort einschlagen, sondern müsste erst einmal ernsthaft darüber schlafen. Ich betrachte so eine Summe eher als ersten Verhandlungspreis. Was die aktuelle Weltpolitik betrifft, sehe ich die Ambitionen der USA unter Donald Trump äußerst kritisch. Er ist zweifellos eine schwierige Persönlichkeit. Dass die USA tatsächlich Grönland kaufen oder übernehmen, halte ich für unrealistisch. Eine friedliche Umsetzung sehe ich nicht, und militärische Schritte wird er sich kaum trauen. Ein bewaffneter Konflikt, der womöglich tote Amerikaner fordert, würde das Bild in der Öffentlichkeit zudem sofort kippen lassen.
Hannes Noisternig (54)

„Nie Amerikaner werden“
Diese Frage stellt sich für mich gar nicht. In der Schweiz entscheidet das Volk – nicht ein einzelner Präsident. Das politische System funktioniert hier anders. Der Bundespräsident ist in der Schweiz kein dauerhafter Machtträger, sondern wechselt jährlich und wird aus dem Bundesrat bestimmt. Bevor eine so weitreichende Entscheidung überhaupt in Betracht gezogen würde, müsste zwingend eine Volksabstimmung stattfinden. Die direkte Demokratie ist tief im politischen Selbstverständnis der Schweiz verankert, und ein derartiger Schritt würde niemals die notwendige Zustimmung erhalten. Ich würde nie ein Amerikaner werden wollen, weil das Sozialsystem dort bei weitem nicht so gut ist wie in Europa. Zwar gab es unter Obama den Versuch, eine allgemeine Krankenversicherung einzuführen, doch das ist bis heute nicht gelungen. Es sollte selbstverständlich sein, dass auch Menschen mit wenig Geld jederzeit medizinisch versorgt werden können und im Krankheitsfall Zugang zu einem Krankenhaus haben, unabhängig von ihrem Einkommen.
Hugo Waldner (81)

„Eine Billion Euro vielleicht“
Nein, dafür gibt es für mich keine Chance. Ich frage mich, wer sich überhaupt verkaufen lassen würde. Für mich käme das auf keinen Fall infrage. Die Schweiz ist ein eigenständiges Land und sollte das auch bleiben. Selbst bei sehr großen Summen wäre das für mich schwierig. Wenn überhaupt, dann könnte ich mir nur in einem theoretischen Szenario vorstellen, ein extrem hohes Angebot anzunehmen, so circa von einer Billion Euro. Was Trump betrifft, hat er sich meiner Meinung nach Grönland deutlich zu viel vorgenommen. Er redet viel und sorgt für Schlagzeilen, aber realistisch betrachtet hat er kaum Chancen, das tatsächlich durchzusetzen.
Jasmina Erdic (23)

„Besser ohne Trump”
Nein, sollte Vorarlberg tatsächlich Teil der Schweiz werden, müsste dafür aus meiner Sicht schon eine deutlich höhere Summe geboten werden. Mit kleineren Beträgen ließe ich mich darauf nicht ein. Erst bei rund einer halben Million Euro würde ich überhaupt anfangen, darüber nachzudenken. Insgesamt glaube ich nicht, dass Donald Trump seine Vorhaben in Bezug auf Grönland tatsächlich umsetzen kann. Meiner Meinung nach steht Grönland ohne Trump besser da als mit ihm. Amerikanerin würde ich nur dann werden, wenn Trump nicht mehr an der Spitze ist und selbst dann würde es davon abhängen, wer sein Nachfolger ist.
Sara Moser (18)

„Schwierige Entscheidung“
Nein, ich finde, es sollte alles so bleiben, wie es ist. Diese Eigenständigkeit hat ihren Wert und sollte nicht leichtfertig infrage gestellt werden.
Silja Dietrich (24)
Wenn ich jedoch darüber nachdenke und mich entscheiden müsste, würde es für mich ab etwa 100 Millionen Euro infrage kommen. Auch dann wäre das keine einfache Entscheidung. Was Donald Trump betrifft, glaube ich nicht, dass er dieses Vorhaben tatsächlich umsetzen kann. Er nimmt sich oft sehr viel vor, spricht groß darüber und erweckt den Eindruck, als gehöre ihm die ganze Welt. In der Realität gehört jedoch deutlich mehr dazu, als nur große Worte. Deshalb denke ich nicht, dass er damit Erfolg haben wird und ehrlich gesagt hoffe ich das auch nicht. Niemals würde ich nach Amerika ziehen, denn hier in Österreich verfügen wir über ein nahezu ideales Gesundheitssystem und insgesamt sehr gute soziale Strukturen. In diesem Bereich ist Amerika deutlich schlechter aufgestellt. Zudem macht die politische Situation, insbesondere unter Donald Trump, diese Option für mich völlig unattraktiv.