Starkes Theater, das weh tut

Das Landestheater erzählt Carl Lamperts Geschichte in einer starken Gegenwartsrahmung.
Mehr als einmal war das Publikum den Tränen nah, als am Samstag „Carl Lampert – Das erste Gebet“ am Vorarlberger Landestheater Uraufführung feierte.
Das Stück wurde ursprünglich als Drehbuch für einen Film über das Leben des 1944 vom NS-Regime ermordeten und 2011 selig gesprochenen Pfarrers Lampert konzipiert. Dass es dem Theater zuteilwurde, ist laut Dramaturgin Juliane Schotte der Initiative von Elisabeth Heidinger, der Geschäftsführerin des Carl Lampert Forums, zu verdanken.

Durch den rasanten Wechsel der Szenen trägt auch in der Bühnenfassung eine stark cineastisch Handschrift. Ein Umstand, der nicht zuletzt auf Regisseur Hermann Weiskopf zurückgeht. Ist es doch die erste Theater-Inszenierung des Innsbruckers. Die Musik von Oliver Rath unterstreicht den filmischen Charakter, ohne dass Effekte übersteuert werden.
Gegenwart und Vergangenheit
Die Handlung beginnt in der Gegenwart, mit den jugendlichen Straftäterinnen Romy (Paula Futscher) und Emilia (Josephan Yen). Sie sind gemeinsam in einer Zelle eingesperrt und kämpfen mit der Langeweile. Der gestohlene iPod der Justizwachbeamten Nora (Rebecca Hammermüller) soll Abhilfe schaffen. Doch auf dem altmodischen Stück Hardware finden sie statt Musik einen Podcast, der sie mit dem Leben des Märtyrers konfrontiert. Eine Erfahrung, die beide im Laufe der Handlung sichtlich verändert.

Der 1894 in Göfis als siebtes Kind einer Bauernfamilie geborene Lampert wird von Nico Raschner gespielt. Eine gespenstische Idealbesetzung, denn er wirkt dem Geistlichen wie aus dem Gesicht geschnitten. Gastschauspieler Stefan Pohl begleitet ihn unter anderem in der Rolle des Bruders Julius, wie auch als Ankläger im Schauprozess.

Ebenfalls ein Gast in Bregenz, spielt Sebastian Reusse Antagonisten wie Gauleiter Franz Hofer mit einem libidinösen Sadismus, der auch Hartgesottenen eine Angst in die Knochen jagt.

Die Mitglieder des T-Chor (ehemals Spielboden) und Bürger:innenchor sind abwechselnd als Öffentlichkeit und mit Gesangseinladen am Stück beteiligt. Ähnlich wie beim Felder Stück „Aus seinem Leben“ in der vergangenen Spielzeit besticht die Inszenierung durch die Einbindung professioneller Laien, wobei sogar das Bühnenbild aus dem Felder-Stück recycelt zum Einsatz kommt.

Schmerz
Die episodisch zwischen Gegenwart und Vergangenheit wechselnde Aufführung ist für Jung und Alt, Konservative und Progressive gleichermaßen ansprechend. Unter allen Szenen sticht Hammermüllers Auftritt als Seelen-gequälter SA-Mann und Wehrmachtssoldat Huber kolossal hervor. Frei nach ihrem Text kann gesagt werden, „Das erste Gebet“ schenkt Zusehenden einen Schmerz, der sie das Menschsein nicht vergessen lässt.