Vorarlberg

Evakuierter Anrainer: “Wurden durch die Explosionen geweckt”

HEUTE • 14:24 Uhr
Evakuierter Anrainer: "Wurden durch die Explosionen geweckt"
Der Brand auf einem Firmengelände in Lustenau sorgte vergangene Nacht für einen Großeinsatz der Feuerwehren. Shourot, ZVg

Explosionen, dichter Rauch und ein Großbrand mitten im Wohngebiet haben in der Nacht auf Dienstag in Lustenau für bange Stunden gesorgt. Mehrere Häuser mussten evakuiert werden. Ein betroffener Anrainer schildert die dramatischen Minuten, Polizei und Feuerwehr sprechen von einem Großeinsatz mit enormem Aufwand.

Von Martin Begle und Tobias Holzer

Explosionen und meterhohe Flammen haben in der Nacht auf Dienstag zahlreiche Anrainer in Lustenau aus dem Schlaf gerissen. Kurz nach Mitternacht geriet das Dach eines Firmengebäudes in der Dornbirnerstraße in Brand, innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich ein Großbrand. Mehrere Freiwillige Feuerwehren aus dem Rheintal rückten mit einem Großaufgebot an, rund 180 Feuerwehrleute standen im Einsatz. Wegen starker Rauchentwicklung wurde ein Handyalarm ausgelöst, zudem mussten mehrere Wohnhäuser im Bereich Spechtweg evakuiert werden. Verletzt wurde niemand.

Flammeninferno

Einer der betroffenen Anrainer ist Thomas Sperger, dessen Familie mitten in der Nacht das Haus verlassen musste. „Wir wurden gegen Mitternacht durch die Explosionen und das grelle Leuchten geweckt. Als wir dann aufgestanden sind und zum Fenster rausgesehen haben, sahen wir das Flammeninferno und waren total schockiert“, schildert Sperger die dramatischen Minuten. Obwohl die Feuerwehr bereits vor Ort war, habe er selbst noch den Notruf gewählt. Kurz darauf sei ein Polizist bei ihnen Sturm geläutet. „Der hat gesagt, wir sollen das Haus verlassen und uns vier Häuser weiter vorne versammeln.“

Evakuierter Anrainer: "Wurden durch die Explosionen geweckt"
Thomas Sperger wurde mit seiner Familie mitten in der Nacht evakuiert. ZVg

Gemeinsam mit seinen beiden Kindern habe die Familie innerhalb weniger Minuten das Nötigste gepackt und das Haus verlassen. „Wir haben unsere beiden Kinder geschnappt, schnell irgendwas angezogen und haben innerhalb von zwei, drei Minuten das Haus verlassen.“ Die Nacht verbrachte die Familie bei Verwandten. Erst gegen halb sieben Uhr morgens durften sie wieder zurück. „Und um halb sieben konnten wir unser Haus dann wieder beziehen und waren heilfroh, dass kein Schaden am Haus war und natürlich auch kein Schaden oder keine Verletzungen an Personen stattgefunden hat.“

Evakuierter Anrainer: "Wurden durch die Explosionen geweckt"

Auf Facebook bedankte sich Sperger später öffentlich bei den Einsatzkräften und kommentierte ein Posting von Bürgermeister Patrick Wiedl mit den Worten: „Riesengroßes DANKE an alle Beteiligten. Ohne euer schnelles Eingreifen, würde vermutlich unser Haus nicht mehr stehen ❤️“

Einsatzleiter berichtet

Im Gespräch mit der NEUE berichtet Einsatzleiter Jürgen Hämmerle vor Ort, wie er und seine Kollegen nach der Alarmierung zum Großbrand vorgegangen sind: “Bei der Ankunft haben wir festgestellt, dass es sich um einen Vollbrand des Gebäudes handelt. Wir haben dann eine sogenannte Riegelstellung mit der Drehleiter gemacht. Ich habe mich sofort entschieden, die Feuerwehren Dornbirn, Hohenems im Anschluss auch Altach nachzualarmieren. Insgesamt waren 25 Autos und 180 Feuerwehrleute vor Ort.

Maurice Shourot
Rund 180 Feuerwehrleute waren in der Nacht im Einsatz. Shourot

Die zunächst gewählte Riegelstellung, bei der Feuerwehrleute ins Innere des brennenden Gebäudes vorrückten, habe laut Hämmerle aber nicht funktioniert: “Aufgrund der Gebäudestruktur und der Gebäudeanordnung war das nicht mehr möglich. Wir mussten einen Rückzug in den Außenbereich machen, weil das Gebäude durchgezündet hat.”

Evakuierter Anrainer: "Wurden durch die Explosionen geweckt"
Einsatzleiter Jürgen Hämmerle alarmierte umgehend die Nachbarwehren hinzu. stiplovsek

Während der Bekämpfung des Großbrandes musste außerdem die Bevölkerung gewarnt werden: “Gegen 1 Uhr lösten wir den AT-Alert aufgrund der starken Rauchentwicklung, die in Richtung Gemeinde gezogen ist, aus. Vier direkt anliegende Einfamilienhäuser evakuierten wir aufgrund der Nähe zum Brand.” Darunter auch das Haus von Thomas Sperger. In den Morgenstunden konnten alle Evakuierten in ihre Häuser zurückkehren.

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Der AT-Alert löste gegen 1 Uhr nachts bei der Lustenauer Bevölkerung aus. screenshot

Beim Gespräch mit der NEUE am Dienstagvormittag waren die Einsatzkräfte nach wie vor mit der Bekämpfung von Glutnestern beschäftigt. “Mit zwei Baggern eines Abbruchunternehmens zerlegen wir Gebäudeteile, damit wir den Brand bekämpfen können und die Brandermittlung ihre Arbeit aufnehmen kann. Wir haben aktuell weiterhin unzugängliche Bereiche.” Vermutlich werde es bis zum Dienstagabend dauern, bis der Einsatz abgeschlossen werden kann, schätzt Hämmerle.

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Der Einsatzleiter im Gespräch mit der NEUE. stiplovsek

“Heroischer Einsatz”

Zur Brandursache gibt es derzeit noch keine gesicherten Erkenntnisse. Polizeisprecher Fabian Marchetti bittet um Geduld. „Die Ermittlungen nach der Brandursache laufen, was aber noch Tage oder sogar Wochen dauern wird. Das gleicht der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen, da es eine sehr große Fläche ist und auch durch Löscharbeiten die Spuren schwieriger sichergestellt werden können.“

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Polizeisprecher Fabian Marchetti. hartinger

Gleichzeitig betont Marchetti die Leistung der Einsatzkräfte: „Die vorwiegend freiwilligen Einsatzkräfte haben bei diesem heroischen Einsatz wirklich hervorragende Arbeit geleistet!“

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(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)