Eine Hebamme der kunstvollen Dinge

Interview. Verena Kaspar-Eisert ist in Lustenau aufgewachsen und seit November Direktorin der Heidi Horten Collection in Wien.
NEUE: Sie leiteten die Galerie OstLicht, das Fotomuseum WestLicht und waren zuletzt Chefkuratorin des Museumsquartiers. Was für einen Berufswunsch hatten Sie als Kind?
Verena Kaspar-Eisert: (lacht) Damals habe gesagt, ich möchte „Gebärmutter“ werden. Offenbar dachte ich, das sei eine Hebamme. Ich sehe mich als jemand, der Dingen auf die Welt verhelfen möchte. Indem ich Ausstellungen und Kunstprojekte ermögliche, mach ich genau das.

Seit 1999 leben Sie in Wien. Was hat sich am Kuratieren in den letzten Jahrzehnten am stärksten verändert?
Kaspar-Eisert: Die Museumslandschaft ist viel professioneller und internationaler geworden. Durch digitale Plattformen haben wir heute Zugang zu enorm vielen künstlerischen Positionen. Die Herausforderung ist weniger der Mangel als die Auswahl: aus dieser Fülle ein klares, nachvollziehbares Programm zu entwickeln und über längere Zeit ein Profil zu schärfen. Es geht dabei nicht nur um Aktualität, sondern vor allem um Relevanz.

Ab Ende April wird ein Beton-Porsche von Gottfried Bechtold im Innenhof der Heidi Horten Collection zusehen sein. Wie kam es zu dieser Entscheidung?
Kaspar-Eisert: Ich kenne Bechtolds Werk seit Langem, habe mich schon in meiner Diplomarbeit damit beschäftigt. Der Beton-Porsche fasziniert mich, da er Geschwindigkeit, Fortschritt, Dynamik und Mobilität in ein Moment der Schwere kippt, der Fortschritt auf Stillstand trifft. Wir zeigen eine Ausgabe aus 2006, wobei der erste Beton-Porsche 1971 entstand. Die Arbeit funktioniert mehr als 50 Jahre später immer noch und hat sogar an Bedeutung dazu gewonnen. Schließlich wird Beton als Material mittlerweile anders gelesen, etwa im Bezug auf den ökologischen Fußabdruck kritisch hinterfragt.
SAV