Sport

Steu: In Cortina zeigen wir unsere beste Version

24.01.2026 • 22:18 Uhr
Steu: In Cortina zeigen wir unsere beste Version
In Peking gewann Thomas Steu Silber und Bronze. APA

Am 11. Februar steht der olympische Doppelsitzerbewerb an. Der Bludenzer Rennrodler Thomas Steu in einem Gastbeitrag über seinen weiteren Fahrplan bis zu den Winterspielen.

Von Thomas Steu
Wir haben den ersten großen Schritt geschafft: Wolfgang Kindl und ich haben den Startplatz für die Olympischen Spiele in der Tasche. Es war knapper, als wir uns das im Sommer gewünscht haben – aber am Ende hatten wir die Punkte im internen Qualifikationsranking dann doch auf unserer Seite. Wenn du drei Weltklasse-Doppelsitzerduos hast, aber nur zwei Olympia-Startplätze verfügbar sind, kann alles passieren. Für Yannick Müller tut es mir extrem leid, dass er zusammen mit Armin Frauscher nicht dabei ist. Er hatte ja schon in Peking so viel Pech, als er zwar qualifiziert war, aber sich im Training den Arm gebrochen hat. Es ist brutal, aber so ist der Sport.

Steu: In Cortina zeigen wir unsere beste Version
Steu mit seinen zwei Olympia-Medaillen. Dietmar Stiplovsek

Basis geschaffen
Mit der Qualifikation für Cortina haben wir uns die Basis geschaffen, unsere hochgesteckten Saisonziele zu erreichen. Der Weg nach Cortina war nicht einfach. Ich habe euch ja schon Einblicke in unsere Abstimmungsprobleme gegeben. Es ist ein bisschen kompliziert. Wir haben im Sommer wie geschildert eine Schiene entworfen, die wir speziell auf die Olympiabahn in Cortina ausgerichtet haben. Was wir etwas unterschätzt haben, ist, dass die Schiene nicht wirklich zu den anderen Bahnen passt. Deshalb stehen wir vor jedem Rennen vor der Frage, mit welcher Schiene wir fahren. Bei der EM in Oberhof vergangenes Wochenende haben wir es mit der Cortina-Schiene versucht, aber die passt einfach nicht zu den Radien der Oberhof-Bahn. Deshalb macht mich der siebte Platz vom Sonntag bei der EM in Oberhof nicht nervös.
Um es vielleicht mit einem plakativen Beispiel zu erklären: Das ist so ein bisschen wie bei der Reifenauswahl in der Formel 1. Die Slicks sind zwar viel schneller, aber wenn es regnet, sind andere Reifeneigenschaften gefragt. Für das anstehende Weltcup-Wochenende, das aufgrund des Bahn-Dilemmas in Königssee wieder in Oberhof ansteht, sind wir auf unsere alte Schiene umgestiegen, mit der wir am Ende der Saison 2024/25 nicht mehr zufrieden waren. Natürlich würden wir noch gerne ein gutes Resultat erzielen, doch klarerweise richtet sich unser Blick auf die Spiele.
Das Wichtigste ist, dass wir unsere Schiene für Cortina noch weiter verbessern, wobei wir da von ganz kleinen Details sprechen. Die Schiene ist gut. In Winterberg hat sie zur Bahn gepasst, da sind wir Zweiter geworden. Auch beim Qualifikationsrennen in Cortina vor dem Weltcupstart hat sie super funktioniert.
Klar, ein bisschen mühsam ist dieses ständige Hin und Her beim Material schon, aber Wolfi und ich sind da auf einer Linie: Wir lassen uns nicht aus der Ruhe bringen. Wir haben uns im Sommer dafür entschieden, unser Material auf Cortina auszurichten, wenn du das machst, musst du auch mit den Begleiterscheinungen leben. Vielleicht wäre das nicht Jedermanns Sache, weil man natürlich lieber mit einer Serie von Top-Resultaten zu den Spielen fährt als mit einem Auf und Ab. Nur: Wolfi und mir macht das nichts.
Wir sind beide sehr erfahren, für Wolfi sind es die fünften Spiele, für mich die dritten, wir haben beide schon viele Medaillen gewonnen. Wir wissen, wie es sich anfühlt, wenn wir auf dem richtigen Weg sind. Und ganz ehrlich: Wenn es in Cortina funktioniert, fragt kein Mensch mehr danach, was in Lake Placid, Sigulda oder Oberhof war.

Thomas Steu
Steu/Kindl sind seit dem Winter 2023/24 ein Rennduo. ÖRV

So ist der Sport
Am Ende geht es bei Olympischen Spielen darum, die bestmögliche Leis­tung abzurufen. Zu was das dann reicht, hängt auch von der Konkurrenz ab. Wenn wir unser Maximum abliefern, aber drei andere Doppelsitzer schneller waren, dann können wir uns nichts vorwerfen. Auch da gilt dann der Leitsatz: So ist der Sport. Wenn andere besser sind, ist das zu respektieren.
Unser Job ist, in Cortina unsere beste Version von uns auf den Eiskanal zu bringen. Wenn uns das gelingt, müssen erstmal drei andere Schlitten schneller sein. Wolfi und ich haben es in der Vergangenheit eigentlich immer geschafft, bei Großereignissen am Punkt da zu sein. Miteinander und auch in der Zeit davor. Auch das stimmt mich sehr positiv. In Pyeongchang bin ich zusammen mit Lorenz Koller zwar nur Vierter geworden, aber wir haben uns richtig wohlgefühlt. In Peking holten Lorenz und ich Bronze und obendrein Silber im Team, kurioserweise mussten wir da mehr kämpfen, um mit der Bahn zurecht zu kommen.
Olympia darf auch Spaß machen. Wenn du dich nur auf das Ergebnis versteifst, verlierst du die Lockerheit. Am Ende ist es ein Rennen wie jedes andere, du kannst nur viel mehr gewinnen als sonst. Wolfi und ich bleiben sehr zuversichtlich, schön ist auch, dass die Spiele nach Europa zurückkehren und dadurch unsere Familien und Freunde vor Ort sein werden.
Aber so weit bin ich in meinem Kopf noch gar nicht. Es gilt Schritt für Schritt zu denken. Noch sind es knapp drei Wochen bis zum olympischen Doppelsitzerbewerb. Diese Zeit werden wir nutzen. Und dann schauen wir mal, zu was es reicht.