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Warum eine Bregenzer Goldschmiedin ausschließlich mit recyceltem Gold arbeitet

24.01.2026 • 13:11 Uhr
Warum eine Bregenzer Goldschmiedin ausschließlich mit recyceltem Gold arbeitet
Für Eberhard war schon immer klar, dass sie später im kreativen Handwerk arbeiten möchte. Stiplovsek

Ob alte Brosche oder eingesaugter Goldstaub, bei Goldschmiedin Katrin Eberhard geht nichts verloren

Recyceltes Gold ist zum einen wegen des hohen Preises des Edelmetalls im Trend. Auf der anderen Seite interessieren sich immer mehr Käufer auch dafür, woher die Materialien für ihren Schmuck stammen und ob diese human sowie ökologisch gewonnen wurden. Für die Bregenzer Goldschmiedin Katrin Eberhard ist nachhaltiger und ethischer Schmuck aber schon lange bedeutend mehr als eine bloße Modeerscheinung. „Ich habe schon während der Lehrzeit ein wenig mit dem Beruf gehadert. Weil wenn man diesen puren Luxus sieht und gleichzeitig weiß, dass da viel Unschönes im Hintergrund passiert, was die Beschaffung der Rohstoffe betrifft. Ich habe mir gedacht: Es kann doch nicht sein, dass etwas so viel Leid und Umweltzerstörung verursacht, nur damit es an einem schönen Finger funkelt“, sagt Eberhard im Gespräch mit der NEUE.

Warum eine Bregenzer Goldschmiedin ausschließlich mit recyceltem Gold arbeitet
Eberhard in ihrem Bregenzer Atelier “SchmuckElster”. Stiplovsek

Wie Knetmasse

Die 36-Jährige arbeitet ausschließlich mit recycelten Edelmetallen und Edelsteinen, die entweder nachhaltig geschürft oder im Labor gezüchtet wurden. Über verschiedene Weg gelangt sie an wiederverwertbares Material. Am einfachsten ist es, wenn Kunden alte Schmuckstücke mitbringen, wie etwa eine Brosche, die in ein Medaillon umgearbeitet oder eingeschmolzen wird, um daraus dann ein völlig neues Stück zu fertigen. „Ein Lehrmeister hat mir schon in der Ausbildung gesagt, dass Gold wie Knetmasse ist, man kann es stets neu formen“, erzählt Eberhard.

Warum eine Bregenzer Goldschmiedin ausschließlich mit recyceltem Gold arbeitet
Einer der vielen Kreationen von Eberhard. Stiplovsek

Nichts geht verloren

Wer kein altes Schmuckstück besitzt, für den besorgt Eberhard recyceltes Gold. Auch dabei achtet sie konsequent auf Nachhaltigkeit. Sie sammelt unter anderem die Feilspäne aus ihrer Werkstatt oder schickt sogar den vollen Staubsaugerbeutel zur Goldrückgewinnung ein. Auf diesem Weg stellt sie sicher, dass keine Edelmetalle verloren gehen oder verschwendet werden.

Warum eine Bregenzer Goldschmiedin ausschließlich mit recyceltem Gold arbeitet
Vor über zehn Jahrn zog es Eberhard nach Vorarlberg. Stiplovsek

Auf die Frage, welche Schmuckstücke sie am liebsten kreiert antwortet die Goldschmiedin: „Verlobungsringe finde ich immer besonders toll. Sie haben etwas Geheimnisvolles; man weiß, dass bald ein Antrag bevorsteht, was meist ein schönes Ereignis ist. Außerdem kann man darin viel von der Persönlichkeit der Trägerin widerspiegeln“. Dabei greift sie auch gerne zu alternativen Materialien jenseits von klassischem Gelbgold mit klaren Diamanten im Brilliantschliff. „Genau das liebe ich an meinem Beruf, ich wusste schon immer, dass ich etwas Kreatives und Handwerkliches machen will.“

Warum eine Bregenzer Goldschmiedin ausschließlich mit recyceltem Gold arbeitet
Verlobungsringe macht die “SchmuckElster” besonders gerne. Stiplovsek

Ein weiter Weg

Ihr Weg zur selbstständigen Goldschmiedin führte sie vom Norden Deutschland herunter in den Westen von Österreich. Vor nicht ganz 20 Jahren begann sie mit einem Praktikum in einer kleinen Kunstschmiede in Lüneburg. Die Ausbildung zur Goldschmiedin absolvierte sie in Hamburg und erhielt den Meistertitel 2014 in München. Vor rund zwölf Jahren zog es sie dann nach Vorarlberg.

Warum eine Bregenzer Goldschmiedin ausschließlich mit recyceltem Gold arbeitet
Liebevolle Handarbeit vom Einschmelzen bis hin zum letzten Schliff. Stiplovsek

„Selbstständig gemacht habe ich mich eigentlich schon vor sechs Jahren – damals noch vom Küchentisch zu Hause aus“, lacht Eberhard. Dann, mit Anfang 2024 war es so weit: Die „SchmuckElster“, wie sie sich selbst nennt, bezog ihr eigenes Atelier in der Bregenzer Innenstadt. Dort ist sie jeden Montag und Dienstag gemeinsam mit ihrem Hund Pinto anzutreffen.

Warum eine Bregenzer Goldschmiedin ausschließlich mit recyceltem Gold arbeitet
Mitarbeiter Hund Pinto. Stiplovsek