Im Walgau brodelt es: Morgen neuer Protest gegen Rondo-Bau

Die Kritik am geplanten Reststoffkraftwerk von Rondo Ganahl reißt nicht ab. Protestaktion für morgen Donnerstag, 12. März angekündigt. Die NEUE hat nachgeforscht und Stimmen von den verschiedenen Interessengruppen eingeholt.
Grundwasserverschmutzung, massiver Verkehr, Profit unter dem Vorwand der Energieautonomie: Die Liste der Vorwürfe in Richtung der Rondo Ganahl AG in Frastanz ist lang. Seit Monaten sorgt ein geplantes Reststoffkraftwerk – laut Kritikern eine „Müllverbrennungsanlage“ – für Unruhe über die Walgaugemeinde hinaus.
Bürgerbewegungen
Angesichts der Erweiterungspläne haben sich Bürgerbewegungen gebildet. Der gemeinnützige Verein S.O.S. Walgau ist eine Gruppierung betroffener Personen, Unternehmen und Vereinen, die sich sich für den Schutz von Lebensqualität, Umwelt und Gesundheit im Walgau engagiere.
Der Verein „Besorgte BürgerInnen“ ist ein Zusammenschluss von Bewohnern aus Frastanz und Umgebung. Diese sehen erhebliche Nachteile für die Lebensqualität durch den Bau.
Im Zentrum der Kritik stehen Umweltbelastungen und die Folgen für unmittelbare Nachbarn sowie alle Bewohner des Walgaus. Zudem werden gegenüber Rondo auch Vorwürfe des Greenwashings, also der irreführenden Darstellung als umweltbewusstes Projekt.
Es beginnt schon beim Namen
Reststoffkraftwerk oder Müllverbrennungsanlage: Der Vorwurf des Greenwashings beginnt bereits beim Namen. Kritiker erklären, dass rein Abfallprodukte verbrannt werden und somit eine Müllverbrennungsanlage entsteht. Die Sprecher von S. O. S. Walgau, Theresa Grabher und David Kessler, stellen in den Raum, dass sich darunter auch potenziell PFAS-Stoffe – sogenannte Ewigkeitschemikalien – befinden. Dabei beziehen sie sich auf einen Auszug aus den Unterlagen für die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP), wo von der Verbrennung verschiedenartiger Folien die Rede sei. Hinsichtlich der PFAS-Stoffe steht zudem die Befürchtung, dass Auswirkungen im UVP derzeit nicht angemessen berücksichtigt werden. Othmar Mäser von der Initiative „Besorgte BürgerInnen“ betont, dass kein klassisches Brennmaterial wie Hackschnitzel verwendet werde.
Von der NEUE auf den Vorwurf des Greenwashing angesprochen, antwortet Rondo, dass nur aufbereitete Reststoffe, die nicht mehr recycelbar seien, verbrannt würden. Auch gemischte Siedlungsabfälle würden nicht verbrannt. Bei klassischen Müllverbrennungsanlagen würden recycelbare Stoffe aus der Schlacke zurückgewonnen. Rondo ziele darauf, wiederverwertbare Stoffe bereits zuvor auszusortieren.
Kritik am Standort
Festzuhalten ist: Von Seiten der Kritiker wird ein Reststoffkraftwerk nicht vollständig abgelehnt, jedoch der Standort. Der Grund: Die Inversionswetterlage im Walgau.
Kurz gesagt ist es bei Inversionswetter in der Höhe wärmer als im Tal. Im Herbst ist dies zu beobachten, wenn der Nebel in den Niederungen hängt. Mäser erklärt die Sorgen: In der Luft sammeln sich schadstoffhaltige Partikel. Der Schadstoffgehalt wachse und falle verzögert wieder ab. Im Boden sammle er sich als Raureif an und gelange letztlich ins Grundwasser und folglich in Lebensmittel. „Dann ist es wie in der Po-Ebene: Man hat Grundwasser, kann es aber nicht trinken“, zieht Mäser einen Vergleich.
S. O. S. Walgau sieht die Situation ähnlich, betont aber vor allem die fehlenden Grenzwerte für viele PFAS-Stoffe. Diese werden auf EU-Ebene festgelegt.
Rondo betont, dass die Inversionswetterlage ausdrücklich berücksichtigt wurde. Sämtliche Grenzwerte werden laut eines Gutachtens deutlich unterschritten. Demgegenüber steht die Aussage hinsichtlich der nicht-festgelegten Werte von EU-Seite. S. O. S. Walgau sieht hierin ein Beispiel für Greenwashing.
Die Auslastung der Anlage sorgt ebenfalls für Diskussion. Rondo spricht von einer erwarteten Nominallast von rund 82.000 Tonnen, im UVP-Verfahren ist eine maximale Auslastung von 122.000 Tonnen pro Jahr beantragt. Laut Eigenauskunft werde diese bei ganzjährigem Betrieb mit Brennstoff mit dem geringsten Heizwert erreicht. Es handle sich aber ausschließlich um eine theoretische Größe als Maximalansatz.
S. O. S. Walgau befürchtet darin ein Geschäftsmodell. Deren Sprecher erachten, dass solch eine Anlage, wenn sie betrieben wird, durchgehend laufen muss. In diesem Fall wäre Rondo ununterbrochen auf Müll angewiesen – und könnte sich demnach für die Verbrennung des Abfalls anderer Unternehmen bezahlen lassen.
An- und Abtransport
Dass Brennmaterial angeliefert werden muss, steht außer Zweifel. Rondo selbst sagt, dass in Vorarlberg verfügbare Abfälle gemeinsam mit den eigenen Produktionsabfällen den Jahresenergiebedarf decken. Dazu sollen täglich maximal 37 Lkws das Fremdmaterial anliefern – auch hierbei handle es sich allerdings um eine theoretische Höchstanzahl.
S. O. S. Walgau hinterfragt diesbezüglich die Sinnhaftigkeit des Standortes: Die Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) in Buchs sei auf den Abfall aus Vorarlberg angewiesen. Diese ist nur zwölf Kilometer Luftlinie entfernt, wodurch sich zwei Anlagen auf engem Raum befinden würden.
Friedliche Proteste
Im Januar fand eine friedliche Protestaktion mit rund 250 Teilnehmern statt. Anlass war eine Informationsveranstaltung zwischen Rondo und der Frastanzer Gemeindevertretung unter Ausschluss von Öffentlichkeit. Nun haben Bürgerbewegungen neuerlich einen friedlichen Protest angekündigt. Dieser findet am morgigen Donnerstag um 9 Uhr beim Gemeindeamt Schlins statt. Zwischenzeitlich sollen sich rund 3000 Personen in einer offenen Petition gegen den geplanten Bau ausgesprochen haben.
Veranstaltungen ohne öffentlichen Zugang sind ein Beispiel, weshalb dem Unternehmen „intransparente Kommunikation“ vorgeworfen wird. Von S. O. S. Walgau heißt es dazu, bei ihnen hätten sich beispielsweise Menschen mit der Annahme gemeldet, es handle sich um ein Biokraftwerk. Rondo gibt an, innerhalb des UVP-Antrags transparent zu kommunizieren.
UVP-Verfahren freiwillig?
Die Umstände, wie das UVP-Verfahren zu Stande kam, sorgen ebenfalls für Kritik. Laut Energieautonomie Frastanz – der Name des Projektes – mache Rondo freiwillig eine UVP. S.O.S. Walgau betont: „Man kann nicht freiwillig ein UVP-Verfahren machen.“ Es sei verpflichtend oder nicht.
Mäser führt dazu aus, dass zunächst nur ein Antrag auf Bewilligung nach dem Abfallwirtschaftsgesetz (AWG) eingereicht wurde. Diese wurde vom Bundesverwaltungsgerichts aufgehoben und die Sache an das Land Vorarlberg zurückverwiesen.
Auf Rückfrage der NEUE, warum nicht sofort eine UVP veranlasst wurde, antwortet Rondo, zum Genehmigungsantrag sei ein UVP-Feststellungsbescheid eingereicht worden. Die Behörde habe beurteilt, es bestehe keine UVP-Pflicht. Jenen Bescheid habe das Bundesverwaltungsgericht aufgehoben. Der Ausgang der UVP ist noch offen. Rondo erwartet bis Ende 2026 eine Antwort.