Revision der Karrenseilbahn: “Wir prüfen auf Herz und Nieren”

Die Dornbirner Karrenseilbahn ist aktuell für eine umfangreiche Revision geschlossen. Welche Arbeiten werden erledigt? Und wie blickt man heute auf das Wind-Unglück im letzten Sommer zurück? Die NEUE bekam einen Einblick hinter die Kulissen.
Normalerweise ist der Einblick begrenzt, den man bei der Seilbahnfahrt erhält. Eingang, Kassa, Warteraum, Einstieg, Gondel und am Schluss der Ausstieg an der Bergstation. Wie es in der Schaltzentrale oder gar im Spannschacht aussieht, bleibt den meisten verborgen. An der Karrenseilbahn in Dornbirn werden aktuell Revisionsarbeiten durchgeführt. Die NEUE durfte bei dieser Gelegenheit einen Blick hinter die Kulissen werfen und kam dorthin, wo normalerweise nur Techniker hindürfen.

Herbert Kaufmann, Geschäftsführer der Dornbirner Seilbahnen, nimmt die NEUE zu Beginn in Empfang. „Bei uns ist die Situation so, dass wir recht lange Betriebszeiten haben. Da wir an den meisten Tagen bis 23 Uhr fahren, bleibt keine Zeit, gewisse Arbeiten für den laufenden Erhalt der Anlage abends durchzuführen. Aufgrund der vielen Betriebsstunden sind wir zwei Mal im Jahr zu diesem Unterbruch verpflichtet“, erklärt er.

Jeweils im März und im November bleibt die Karrenseilbahn deshalb zur Revision geschlossen. Dieses Mal haben die Arbeiten am Montag begonnen, kommende Woche am Freitag (20. März) kann der Betrieb wieder aufgenommen werden.

„Natürlich wäre es schön, wenn wir durchfahren könnten, aber diese Notwendigkeiten dienen der Sicherheit. Deswegen ist eine regelmäßige Revision einfach ein Muss“, antwortet Kaufmann auf die Frage, wie sehr dieser Einschnitt im Betrieb schmerzt.
Lange To-Do-Liste
In diesen gut anderthalb Wochen hat das 25-köpfige Team der Karrenseilbahn und die hinzubestellten Unternehmen verschiedenste Aufgaben abzuarbeiten. „Wir müssen die Strecke und die Stützen bearbeiten, Berg- und Talstation überprüfen, Verschleißteile austauschen und diverse Prüfungsfahrten machen“, erklärt Betriebsleiter Gerald Grabherr. Daneben ist auch ein Malerteam mit Anstricharbeiten an der Talstation beschäftigt und im Panoramarestaurant an der Bergstation des Karrens wird der Teppichboden ausgetauscht – die Gastronomie bleibt nämlich während des eingestellten Bahnbetriebs geschlossen.

Nicht jede Revision ist gleich, wie der Betriebsleiter erklärt: „Der Hersteller gibt vor, welches Teil in welchem Intervall zu überprüfen bzw. zu ersetzen ist. Ein typisches Beispiel, das jährlich fällig wird, ist die Zugseilüberprüfung, die magnetinduktiv durchgeführt wird. Ein Seil kann man visuell äußerlich prüfen, aber was im Seil drinnen passiert, sieht man nicht. Beim magnetinduktiven Verfahren wird eine geringe elektrische Spannung durch das Seil gejagt und erhält so praktisch einen ‚Blick‘ in das Seil.“

Auch an der Seilbahnkabine wird fleißig geprüft und geschraubt. Karl Gillesberger vom Kabinenhersteller Carvatech ist dafür eigens angereist. „Ich komme von einem Auftrag aus San Marino, nächste Woche geht es weiter in die Schweiz“, schildert der Oberösterreicher. Aktuell überprüft er die Bahn in Dornbirn „auf Herz und Nieren“, wie er es ausdrückt.

Beim NEUE-Besuch nimmt er sich gerade dem Antrieb der Kabinentür an: „Der Türantrieb besteht aus einem mechanischen Teil, dem Kettenantrieb, der dementsprechend gereinigt, geschmiert und nachgespannt wird. Auch die Positionen der Einschalter werden auf Funktion und die richtige Schaltung geprüft“, führt er aus.
Tägliche Überprüfung im Schacht
Besonders imposant ist der Einblick in den rund acht Meter tiefen Spannschacht. Die darin befindlichen Gewichte stellen sicher, dass die Seile der Bahn gespannt bleiben. Berndt Zündel, als Maschinist im Team der Karrenseilbahn tätig, überprüft hier täglich, ob an den Seilen und Spanngewichten keine augenscheinlichen Veränderungen erkennbar sind. „Wir sind aufgrund der Tiefe mit einem Gurt gesichert“, erklärt er beim Blick in den Schacht.

Zurück im Maschinenraum präsentiert er eine Seilrolle, die im Zuge der Revision allesamt kontrolliert werden. „Das Seil liegt auf dem Einlagering. Wenn dieser abgenutzt ist, müssen wir ihn austauschen“, deutet Zündel zu jener Vorrichtung, mit der das Gummi auf die Seilrolle geschoben wird. Für ihn ist es die erste Revision. „Ich arbeite seit November hier. Gelernt habe ich Zimmermann, zwischenzeitlich habe ich viele Jahre lang beim Roten Kreuz gearbeitet“, beschreibt er seinen Werdegang.

Auch Geschäftsführer Kaufmann ist während der Revision nicht untätig: „Im Vorfeld geht es um die Abstimmung zwischen Betriebsleitung, es wird geklärt, was genau ansteht. Gleichzeitig ist auch die Personalplanung ein Thema. Außerdem geht es darum, Angebot einzuholen, zu prüfen und freizugeben. Und in Abstimmung mit dem Marketing ist die Kommunikation nach außen ein Thema.“

Im Nachgang blickt Kaufmann auch auf das Unglück im vergangenen Sommer zurück. Eine Windböe hatte die Seile übereinander geschlagen, die Kabine war stecken geblieben. Erst nach mehreren Stunden konnten die Rettungskräfte die 19 Passagiere befreien. „Direkt im Anschluss haben wir die Sicherheit mit den Vorgaben der Behörden, die die Bahn intensiv untersucht hat, wiederhergestellt. Nach diesen sieben Wochen ging es darum, zurück in den Tagesrhythmus zu kommen und das Vertrauen der Gäste zurückzugewinnen“, erzählt der Geschäftsführer. „Mit dieser Perspektive hinterfragt der ein oder andere natürlich manche Dinge, aber seitens unserer Gäste spüren wir deren Vertrauen. Man muss schon sagen, Seilbahnen sind an sich eines der sichersten Fahrmittel, die es gibt.“ Dazu trägt schließlich auch die halbjährliche Revision bei.
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(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)