Der Orion und seine Nebel

Unterhalb der Gürtelsterne des Orion entstehen neue Sterne in 1350 Lichtjahren Entfernung.
Das ist ebenso bekannt wie richtig. Aber über die komplexen Nebelsysteme im Orion gibt es viel mehr zu erzählen. Das Sternbild ist leicht an seinen drei, einer Linie stehenden Gürtelsternen zu erkennen. Abends gegen 20 Uhr steht es etwas westlich des Südmeridians und zirka halbhoch am Himmel.
Pferdekopfnebel
Astronomen bezeichnen diffuse Objekte am Himmel als Nebel. Um extragalaktische Nebel, das sind ferne Galaxien, soll es an diesem Beobachtungsabend nicht gehen. Emissionsnebel bestehen aus dünn verteilten Gasen, hauptsächlich aus Wasserstoff. Ein heißer, energiereicher Stern im Nebel ionisiert die Gase. Das bedeutet, dass die Ultraviolettstrahlung des Sterns die Elektronen der Wasserstoffatome von den Protonen trennt. Wenn sich der Atomkern und das Elektron wiederfinden, rekombinieren, wie man in der Fachsprache sagt, dann wird genau das Licht dieser Rekombinationsenergie ausgestrahlt. Beim Wasserstoff ist es rotes Licht. Der Sauerstoff leuchtet bei der Rekombination grünlich. IC 434 ist ein Emissionsnebel in der Nähe des linken unteren Gürtelsterns. Ein Teil des Nebels wird durch eine Dunkelwolke, die aus Staub und nicht leuchtendem Gas besteht, verdeckt. Wegen seiner Form, die an einen Springer im Schachspiel erinnert, wurde die Dunkelwolke Pferdekopfnebel genannt. Für die erfolgreiche Beobachtung ist ein Teleskop mit mindestens 20 Zentimeter Öffnung erforderlich. Der Pferdekopfnebel ist zirka 1500 Lichtjahre entfernt und erstreckt sich über einen Winkel, der ein Viertel des Vollmondes ausmacht.
Reflexionsnebel
Geht man vom linken unteren Gürtelstern Alnitak ein Viertel der Strecke zu Beteigeuze, dem linken, oberen Schulterstern des Orions, so trifft man auf Messier 78, einen prominenten Reflexionsnebel. Er besteht aus interstellarem Staub und Gas, wobei kein Nachbarstern heiß genug ist, um den Nebel zum Leuchten anzuregen. Das Sternenlicht wird an den Nebelteilchen gestreut und reflektiert, wodurch der Nebel sichtbar wird. Daher gleicht das Spektrum von Reflexionsnebeln dem Spektrum der Sterne. Der Nebel leuchtet nicht von selbst. Die blaue Farbe kommt daher, weil blaues Licht stärker gestreut wird als rotes. Wir kennen dieses physikalische Phänomen, weil es uns auf der Erde einen blauen Himmel beschert. M 78 ist der hellste Reflexionsnebel und mit einem guten Fernglas oder einem Teleskop mit mindestens fünf Zentimetern Öffnung zu sehen. Der Nebel ist zirka 1600 Lichtjahre von uns entfernt.
Der Orionnebel
Unterhalb der Gürtelsterne ist bereits von freiem Auge ein Gebiet zu erkennen, das einen Nebel erahnen lässt. In der Mythologie wird die Gegend als „Schwert“ des Himmelsjägers Orion bezeichnet. Mit einem Fernglas ist der Emissionsnebel gut auszumachen. Der 42. Eintrag im Nebelkatalog von Charles Messier ist der berühmte Orionnebel. In dem entfernten Emissionsnebel entstehen gerade jetzt neue Sterne. Allerdings mit der Einschränkung, dass wir die Situation sehen, wie sie im 7. nachchristlichen Jahrhundert war, denn seither waren die Lichtstrahlen unterwegs, bis sie unser Auge erreicht haben. Einer der vier trapezförmig angeordneten Sterne im Zentrum bringt den Nebel zum Leuchten. Zwei dieser Sterne ändern ihre Helligkeit. Mit Geduld und einem Teleskop können das auch Hobbyastronomen verifizieren. Erst seit wenigen Jahren hat das James-Webb-Teleskop im Orionnebel eine neue Objektklasse entdeckt. Die Körper sind zu klein für einen Stern und zu groß für Planeten. Es ist spannend, was das bedeutet.
Robert Seeberger