Deutschland-Pläne: Wälder Ligawechsel wäre keine Kleinigkeit

Der EC Bregenzerwald hat beim Deutschen Eishockeybund um eine Teilnahme an der drittklassigen Oberliga Süd angefragt. Die NEUE erläutert die Chancen und hat umfassende Statements und Informationen dazu eingeholt.
Beim EC Bregenzerwald denken sie über einen Wechsel in die Oberliga Süd und damit die dritte deutsche Spielstufe nach. Das ist keine ganz neue Erkenntnis, in Insiderkreisen war das seit rund zwei Monaten bekannt. Nun haben die Wälder ihr Vorhaben offiziell bestätigt und somit öffentliche Diskussionen ausgelöst. Erst bestätigten sie ihr Vorhaben beim Saisonausklang, dann auf NEUE-Anfrage vom Mittwoch, den 18. März, in einer allgemein gehaltenen Stellungnahme: „Nach Abschluss der Saison beschäftigen wir uns wie üblich mit der sportlichen und strukturellen Weiterentwicklung des EC Bregenzerwald. In diesem Zusammenhang werden auch verschiedene Szenarien in Betracht gezogen, die eine nachhaltige Perspektive für den Verein sicherstellen sollen. Konkret haben wir fristgerecht für die Alps Hockey League gemeldet als auch eine Anfrage an den deutschen Verband gestellt, um die mögliche Option der Oberliga Süd zu prüfen.“ Nicht beantwortet haben die Wälder zum Beispiel die NEUE-Fragen, was für einen Ausstieg aus der Alps Hockey League und was für einen Einstieg in der Oberliga Süd spricht. Oder was sich gegenüber der zuletzt stets positiven ECB-Haltung an der Alps Hockey League geändert hat. Klar ist: Beim EC Bregenzerwald suchen sie nach dem Aus der Wälderhalle nach Perspektiven. Dass man eine Fusion mit dem Dornbirner EC angestrebt hat, wie die NEUE am 1. Februar exklusiv berichtet hat, dementierten die Wälder heftig. Zuletzt soll jedoch ein ECB-Funktionär diesbezüglich erneut vorstellig geworden sein bei der Stadt Dornbirn: ohne Erfolg.

Statements
Es lässt sich grundsätzlich schon erahnen, warum der EC Bregenzerwald an einem Einstieg in der Oberliga Süd interessiert ist. Die Distanzen wären kürzer als in der Alps Hockey League, die grenznahen Vereine wie Lindau oder Memmingen würden deutlich mehr Gästefans mitbringen als Cortina, Gherdeina oder Sisak; und mit einem geringen Budget käme man auch durch: Das Niveau ist vor allem in der Breite deutlich geringer als in der Alps Hockey League. Aber: Ein Wechsel in eine ausländische Liga ist keine Kleinigkeit. Die NEUE hat umfassende Statements eingeholt. Sowohl beim Deutschen Eishockeybund als auch der Vertretung der Oberliga Süd zeigt man sich grundsätzlich offen dafür, mit dem EC Bregenzerwald einen ausländischen Verein in die Liga aufzunehmen, so wie das in der Oberliga Nord mit dem niederländischen Klub Tilburg Trappers seit 2015 der Fall ist.
Freigabe fehlt
Ein Einstieg der Wälder käme den Oberliga-Süd-Vertretern wohl gerade recht, da mit Bayreuth ein Teilnehmer nach finanziellen Turbulenzen vor dem Ausstieg steht. Zudem kamen die Heilbronner Falken nach einem im Jänner gestellten Insolvenzverfahren nur mit Ach und Krach um ein Ligaaus herum. Die Oberliga Süd steckt in der Krise, die aktuelle Spielzeit wird von Skandalen überschattet. So kam es im Herbst 2025 bei Partien zu schweren Ausschreitungen und Tumulten, vor wenigen Wochen wollten Zuschauer wiederholt einen Spielabbruch erzwingen. Die Liga braucht einen Imagewandel, ein Gastteilnehmer aus Österreich könnte beim Neustart helfen.
Allerdings benötigen die Wälder für einen Wechsel nach Deutschland die Freigabe des österreichischen Eishockeyverbands, und daran spießt es sich. ÖEHV-Vizepräsident Nicolas Stockhammer erklärte auf NEUE-Anfrage: „Der EC Bregenzerwald mit seiner langen Tradition und Geschichte ist ein wichtiger Teil des österreichischen Eishockeys. Der Verein ist auf uns mit dem Wunsch zugekommen, künftig in der deutschen Oberliga Süd anstelle der ALPS-Hockey League spielen zu wollen. Dazu befinden sich der Verein und der ÖEHV in Gesprächen. Wir bitten um Verständnis, dass zu Stand und Inhalt der laufenden Gespräche zum aktuellen Zeitpunkt keine weiteren Angaben gemacht werden können.“ Beim DEB und bei der Ligavertretung der Oberliga Süd verwiesen sie explizit darauf, dass man erst und nur dann Gespräche mit dem EC Bregenzerwald führen werde, falls der österreichische Eishockeyverband die Freigabe erteilt.

Förderung
Die NEUE fragte auch beim Sportreferat des Land Vorarlberg nach, ob ein Spielbetriebswechsel des EC Bregenzerwald nach Deutschland Auswirkungen auf die Förderungswürdigkeit des ECB hätte. Für eine Spitzensportförderung ist grundsätzlich eine Teilnahme an einer gesamtösterreichischen Liga der ersten oder zweiten Leistungsstufe notwendig. Andernfalls würde eine Einzelprüfung notwendig. Das Land Vorarlberg ließ die NEUE wissen: „Dem Land liegen derzeit keine offiziellen Informationen seitens des EC Bregenzerwald über einen möglichen Wechsel in die Oberliga Süd vor. Das Sportreferat wird sich mit der konkreten Situation befassen, sobald eine fundierte Entscheidungsgrundlage bzw. offizielle Informationen vorliegen.“
Ein Wechsel der Bregenzerwälder in die Oberliga hätte jedenfalls Auswirkungen auf die Nutzung des Messestadions. Denn anders als in der Alps Hockey League gehören in der dritten deutschen Spielklasse Freitag und Sonntag zu den Regelspieltagen. Und laut Spielbestimmungen dürfen an Spieltagen keine anderweitigen Trainingseinheiten auf der betreffenden Eisfläche stattfinden. Ärger wäre da wohl absehbar, da der Freitag ein stark genutzter Trainingstag im Messestadion ist: Sowohl vom Dornbirner Nachwuchs als auch von dem ÖEL-Team der Bulldogs.
Wohl eher kein Problem hätten die Pioneers Vorarlberg mit einem Abwandern der Wälder nach Deutschland: Die Kooperation zwischen den Feldkirchern und den Bregenzerwäldern wackelt ohnehin. Die Feldkircher waren zuletzt so unzufrieden mit dem ECB, dass sie Mark Mussbacher und Mathias Mader nicht an die Andelsbucher verliehen, sondern dem EC Kitzbühel überließen.
Die Frage ist freilich auch: Wie würde ein Wechsel der Wälder nach Deutschland unter dem Aspekt wirken, dass damit der Verein, dessen Funktionär Florian Kleber beim Vorarlberger Landesverband die Spitzensportsparte als Präsident anführt und der weitere Funktionäre beim VEHV stellt, an einem ausländischen Betrieb ohne ÖEHV-Beteiligung teilnimmt? Auch das fragte die NEUE den EC Bregenzerwald, die Frage kam jedoch nicht gut bei den ECB-Verantwortlichen an und sorgte für eine Intervention.

Kaum Chancen
Letztlich dürfte der Wälder Wechselwunsch scheitern, einen anderen Schluss lassen die inoffiziellen Stimmen aus ÖEHV-Kreisen kaum zu. Weil man mit der Freigabe einen Präzedenzfall schaffen würde, und weil die heimische Ligastruktur mit der ÖEL eine Alternative zur Alps bietet. Wobei das mit der ÖEL so eine Sache ist für den ECB: Als nur mehr österreichischer Drittligist dürfte die Einmietung im Messestadion in Gefahr sein. Mitunter wollten sie beim ECB mit der Bekanntmachung ihrer Deutschland-Pläne Eindruck beim ÖEHV machen. So dürfte das auch bei Vizepräsident Stockhammer angekommen sein, der hofft, „dass die laufende Saison nicht von Diskussionen überschattet wird“. In rund zwei Wochen sollte es Klarheit geben.