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TBC-Seuche: Waldverein und Arbeitsgruppe fordern höhere Abschusszahlen

18.02.2026 • 14:38 Uhr
TBC-Seuche: Waldverein und Arbeitsgruppe fordern höhere Abschusszahlen
TBC beim Rotwild, Waldschäden und Abschussplanung stehen im Mittelpunkt der Diskussion von Hannes Kohler und Klaus Schwarz. Steurer; Hartinger

Der Waldverein Vorarlberg und eine Bregenzerwälder „Arbeitsgruppe TBC“ laden zu einem Diskussionsabend in Großdorf ein und erklären, warum sie mitreden müssen. Der Abend startet mit einem tierärztlichen Referat zur TBC-Seuche.

Hannes Kohler ist Tierarzt im Bregenzerwald und war als solcher in die TBC-Untersuchungen im Bregenzerwald – wo es auch heuer wieder zu einer Bestandskeulung bei einem Landwirt kam – eingebunden. Klaus Schwarz, ehemaliger Hittisauer Bürgermeister, Land- und Forstwirt, ist Obmann des Vorarlberger Waldvereines.

Wie viel Wild verträgt unser Wald?

Beide wollen sich nun in einem Diskussionsabend zur Thematik der Abschussplanungen für Rotwild einbringen. Dabei soll es um die TBC-Seuche beim Rotwild – und in weiterer Folge beim Nutzvieh – sowie deren Folgen für die Alp- und Landwirtschaft gehen. Im Bregenzerwald wurden mehrere Reviere rund um Schönenbach zu einem TBC-Bekämpfungsgebiet erklärt. Zum zweiten geht es dem Waldverein um die Schäden am Baumbestand, die ein erhöhter Wildbestand verursacht. Deshalb wollen sie bei der Frage „Wie viel Wild verträgt unser Wald?“ mitreden. Denn für beides sei ein viel zu hoher Rotwildbestand verantwortlich.

TBC-Seuche: Waldverein und Arbeitsgruppe fordern höhere Abschusszahlen
Der Obmann des Waldvereines zeigt Schäden durch Wildverbiss bei Jungtannen.

Private “Arbeitsgruppe TBC”

Der Bregenzerwälder Tierarzt Hannes Kohler hat sich einer „Arbeitsgruppe-TBC“ von mehreren Landwirten im Bregenzerwald angeschlossen, weil die TBC-Situation nicht von allen gleich ernstgenommen werde. Auch wenn die Prävalenz, also das Auftreten von TBC-Nachweisen bei Rotwild, im Vergleich zum letzten Jahr gesunken sei, bleibe die Situation heikel und es gebe keinen Grund zur Entwarnung. Im Gegenteil, müssten jetzt die Anstrengungen mit erhöhten Abschusszahlen einhergehen, damit die TBC-Situation sich nicht verfestige. Dem zuständigen Landesrat Christian Gantner (ÖVP) widerspricht er, wenn dieser meint, es dürfe nicht mit dem Finger auf andere gezeigt werden. Vielmehr sei es notwendig, aufzuzeigen, wer was zu erledigen habe. So hätten die Behörden, gemeinsam mit den Grundbesitzern, ihre Verantwortung wahrzunehmen und die schon erhöhten Abschusszahlen weiter zu steigern, um den Bestand nachhaltig zu reduzieren. Die Jäger würden es eh leisten, wenn sie dazu aufgefordert werden, ist Kohler überzeugt.

Auftriebszahlen

Nicht nur vom Obmann des Waldvereines, Klaus Schwarz, der selbst Landwirt ist, ist zu hören, dass die Alpauftriebszahlen heuer massiv hinter denen vergangener Jahre zurückliegen würden. „Wenn das so weitergeht, werden einige Alpen in Zukunft gar nicht mehr bestoßen. Wenn die Alpung flächendeckend nicht zum Erliegen kommen soll, müssen die Abschusszahlen im neuen Jadgjahr um 30 Prozent gegenüber den erhöhten Zahlen von diesem Jagdjahr zu liegen kommen“, so Schwarz. Dabei nimmt er seine Berufskollegen als Grund- und Alpbesitzer in die Pflicht, um in den jetzt tagenden Jagdausschüssen auf weiter massiv erhöhte Abschusszahlen zu bestehen.

TBC-Seuche: Waldverein und Arbeitsgruppe fordern höhere Abschusszahlen

„Wir fordern eine mindestens 30-prozentige Erhöhung der erhöhten Abschusszahlen für das neue Jagdjahr.“

Klaus Schwarz, Obmann Waldverein Vorarlberg

Einig sind sich die beiden auch in der Forderung nach einem Fütterungsverbot. Denn die Fütterungen seien die Ansteckungsquelle schlechthin und zum zweiten für einen zu hohen Wildbestand verantwortlich. Ein naturverträglicher Rotwildbestand heiße zwei Tiere pro 100 Hektar und nicht sechs oder mehr Tiere pro 100 Hektar, wie es jetzt der Fall sei. „Da sollte man sich an den Schweizern orientieren, oder zumindest an der Wildökologin Annette Nigsch, die gemeint hat, dass ohne Fütterungsverbot alle Anstrengungen der Seuchenbekämpfung vergebens sind“, erklärt der Tierarzt Hannes Kohler. Das habe schon der „alte“ Landesveterinär, Erik Schmid, immer gefordert. Der heutige Landesveterinär, Norbert Greber, sieht das anders und verwies in einem Gespräch auf notwendige Wildlenkungsmaßnahmen über die Fütterung.

TBC-Seuche: Waldverein und Arbeitsgruppe fordern höhere Abschusszahlen

„Ohne Fütterungsverbot sind alle Anstrengungen der TBC-Seuchenbekämpfung ­vergebens.“

Hannes Kohler, Tierarzt

Streitpunkt Abschusszahlen neu

Immer wieder wird von falschen Beständen von Rotwild gesprochen, die nach unten geschönt würden. Das hat auch Landesrat Gantner in einer Landtagsanfrage der Grünen-Abgeordneten Christine Vetter-Bösch bestätigt: Es sei „keine große Kopfrechnung, geht sich das nicht aus, wenn die Wildzählungen die Basis für die Abschussberechnung“ wären.

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Um diese kleinen Weißtannen, die zunehmend unter Verbiss leiden, geht es.

Schwarz und Kohler verlangen eine der Realität entsprechende Zählung mittels Drohnenbefliegung und Wärmebildkamera. Das hätte man schon heuer machen können und dann wäre schon viel Konfliktpotential heraußen gewesen, sind sie überzeugt.

Weiter Druck nötig

An diesem Abend soll es gelingen, die Wichtigkeit des Themas noch einmal zu verdeutlichen, einen realistischen Einblick in die Situation zu bieten und den Druck auf die Politik, die Behörden, die Jägerschaft und die Grundbesitzer hochzuhalten. Nur wenn bei den jetzt laufenden Abschussplanverhandlungen die Abschusszahlen weiter erhöht werden, könne es gelingen, der TBC-Seuche Herr zu werden und die Alpwirtschaft auf den betroffenen Alpen sicher zu stellen.

Kurt Bereuter