TBC-Situation belastet Vorarlbergs Bauern weiterhin

HEUTE • 12:56 Uhr
TBC-Situation belastet Vorarlbergs Bauern weiterhin
Die laufenden TBC-Untersuchungen sorgen in vielen landwirtschaftlichen Betrieben für Unsicherheit und große Anspannung. Symbolfoto: APA

Positive PCR-Testergebnisse bei bereits gesperrten Betrieben ändern laut Land nichts am Status. Die TBC-Situation bleibt für viele Bauern dennoch sehr belastend.

von Kurt Bereuter

Laut Landeskommunikation liegen bei zwei jüngst behördlich gesperrten Betrieben mittlerweile auch positive PCR-Testergebnisse vor. Diese ändern am aktuellen Status jedoch nichts, da ein endgültiger TBC-Nachweis erst nach einer bakteriologischen Untersuchung möglich ist. Für die betroffenen Landwirte bleibt die Situation dennoch belastend.

Wie die NEUE vergangene Woche noch einen Bauern zitierte, dass jeder hoffe, nicht der nächste zu sein, dessen Hof gesperrt wird oder dessen Rinder gekeult werden, liegen nun bei zwei bereits gesperrten Höfen positive PCR-Testergebnisse vor. Zwei diagnostisch getötete Rinder sind in PCR-Tests positiv, was jedoch, nach Auskunft durch die Landeskommunikation, noch keinen endgültigen TBC-Nachweis darstelle.

Ein betroffener Talkessel kocht

Bei einem gesperrten Dornbirner Betrieb, bei dem die positiven PCR-Tests vorliegen, stammen die Tiere aus einem Bildsteiner Betrieb, der ebenfalls gesperrt ist, wie die NEUE aus sicherer Quelle erfahren hat. Die Tiere wurden im Tiroler Lechtal und im Talkessel Schönebach gealpt. Bei dem in der vergangenen Woche neu gesperrten Hof in Alberschwende wurde das betroffene Vieh auf der Alpe Rubach gesömmert, die im sogenannten Talkessel rund um Schönebach liegt. Viele Bauern befürchten, dass die Seuche weiterhin ihren Lauf nehmen könnte, sie zittern und bangen und sind aufgebracht.

Webinar der Jägerschaft

Vergangene Woche führte die Vorarlberger Jägerschaft ein Webinar zum Thema TBC unter Moderation des Gesundheitsexperten Armin Fidler durch. Die drei eingeladenen Experten berichteten, was Eingefleischten schon klar war, und appellierten an alle Systempartner von der Politik über die Jägerschaft bis zu den Landwirten, diese Seuche ernst zu nehmen und gemeinsam die notwendigen Maßnahmen konsequent durchzuführen. Wieder einmal wurde gefordert, dass der Rotwildbestand dringend reduziert werden muss. Die bisherige Reduktion im Bregenzerwald habe nicht den Erfolg gebracht, den es im Tiroler Lechtal nach der Einrichtung und Verwendung eines Regulierungsgatters gegeben habe, erklärte Dr. Ulrich Herzog vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz. In der Folge sei im Lechtal die Zahl der Rinder mit TBC schlagartig zurückgegangen, erklärte Dr. Herzog im Webinar. Ziel müsse ein TBC-freier Rinderbestand und ein gesunder Rotwildbestand sein.

Was auf dem Spiel steht

Zu viel stehe auf dem Spiel, wenn dies nicht gelinge, so der Ministeriumsvertreter. Genannt wurden eine mögliche Ausbreitung der Seuche in die Schweiz, wirtschaftliche Schäden für Landwirte und die Volkswirtschaft, touristische Auswirkungen sowie ein Wertverlust heimischer Landwirtschaftsprodukte, vor allem von Milch und Käse, die exportiert werden müssen. Gesetzlich möglich wäre auch ein Verbot der Almwirtschaft, doch das wolle wohl niemand. Zu groß wären die Konsequenzen. Derweil ergeben die Recherchen der NEUE, dass die im Talkessel liegenden Alpen, vor allem die Großalpen Ifen und Halden, darum bangen, für den kommenden Sommer noch ausreichend Vieh zur Alpung zu bekommen. Die vorläufigen Zahlen seien niederschmetternd. Zu groß sei bei verantwortungsvollen und um ihre Tiere und Existenzen besorgten Bauern das Risiko.

Der betroffene Bauer

Auch der diesmal betroffene Bauer möchte gegenüber der Presse nichts sagen. Die Belastung scheint sehr groß zu sein, was nachvollziehbar ist und zu Verständnis aufruft. Ein Kollege erklärte im Gespräch mit der NEUE, dass diese Tage des Wartens zum Schlimmsten gehörten. Das erste Warten ist vorbei, doch es geht weiter, bis die Kultur vorliegt und die Quote der Durchseuchung im Stall geklärt ist. Erst dann kann entschieden werden, ob der gesamte Bestand gekeult werden muss.

Politik und Behörden

Was die Kritik der Bauern und ihre Forderungen betrifft, nahm der Obmann des Landwirtschaftsausschusses des Landtages, Bernhard Feuerstein aus Andelsbuch, wie berichtet Stellung und bestätigte, dass die Rotwildzahlen drastisch reduziert werden müssen. Die Vorwürfe der fordernden Bauern wies er jedoch zurück und ergänzte, dass in Regionen, in denen die vorgeschriebenen Abschusszahlen nicht erreicht werden, im Extremfall Abschussorgane des Landes eingesetzt werden müssten. Gleichzeitig fehlten im betreffenden Jagdrevier 1.5b Bezau Schönebach per 28. Jänner noch 18 Stück weibliches Rotwild. Aufgrund der in den vergangenen Jahren erheblich verschärften TBC-Situation sei eine Reduktion des Wildbestandes für eine erfolgreiche Seuchenbekämpfung unumgänglich, verständigte die Bezirkshauptmannschaft Bregenz die verantwortlichen Jagdnutzungsberechtigten und die Jagdschutzorgane. Die Bauerngruppe vernetzt sich indes weiter. Über Initiative von VP-Landwirtschaftssprecher Bernhard Feuerstein wird es einen Austausch mit Landesrat Gantner und den betroffenen Bauern in dieser Sache geben. Diese soll am kommenden Freitag im Landhaus stattfinden.