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Zwei weitere Betriebe wegen TBC gesperrt: “Müssen Rotwildbestand drastisch reduzieren”

HEUTE • 15:15 Uhr
Zwei weitere Betriebe wegen TBC gesperrt: "Müssen Rotwildbestand drastisch reduzieren"
Bernhard Feuerstein informiert über die aktuellen Entwicklungen zur TBC-Seuche, die im Landwirtschaftsausschuss besprochen wurden. canva/hartinger, shourot

Bernhard Feuerstein, Obmann des Landwirtschaftsausschusses, gibt im NEUE-Gespräch einen Überblick über die TBC-Situation, die gesperrten Höfe und mögliche Maßnahmen für Regionen, die Abschusszahlen nicht einhalten.

Der aktuelle TBC-Ausbruch beschäftigt Vorarlberger Landwirte nach wie vor. Zusätzlich ist nun auch ein Hof im Unterland und ein weiterer Hof in Alberschwende aufgrund von TBC-Verdacht gesperrt. Auch der Landwirtschaftsausschuss des Landtags beschäftigte sich am Mittwoch intensiv mit dem Thema TBC, wo Landesrat Christian Gantner (ÖVP) und Landesveterinär Norbert Greber über aktuelle Entwicklungen informierten.

Überblick über gesperrte Höfe

Im Gespräch mit der NEUE erklärt der Vorsitzende des Ausschusses, Bernhard Feuerstein (ÖVP): “Bei dem gesperrten Hof im Unterland handelt es sich um einen Betrieb in Dornbirn. Dort ist Vieh über den Winter eingestellt, das den Sommer über im Lechtal gealpt war.” Das ist eine neue Entwicklung: Bis dato waren insbesondere das Silbertal und das Gebiet um Schönenbach und den Ifen im Bregenzerwald betroffen.

Der zweite neu gesperrte Hof befindet sich laut Feuerstein in Alberschwende, wo bereits über drei andere Betriebe eine Sperre verhängt worden ist. Zusätzlich ist ein Hof in Egg unter TBC-Verdacht, was fünf Sperren im Bregenzerwald und eine im Unterland ergibt. “Ein zuvor gesperrter Hof in Schwarzenberg konnte Mitte Jänner wieder freigegeben werden”, ergänzt Feuerstein.

Maurice Shourot
ÖVP-Landwirtschaftssprecher Bernhard Feuerstein. Shourot

Gestiegen ist auch die Zahl der diagnostischen Tötungen: Inzwischen wurden 22 Tiere aufgrund eines positiven Hauttests diagnostisch getötet, 13 davon weisen einen positiven PCR-Test auf. Dazu erklärt Feuerstein: “Schlägt ein Hauttest positiv auf TBC an, wird das betroffene Tier diagnostisch getötet. Gewissheit, ob ein Tier wirklich positiv ist, erreicht man aber erst mit einem PCR-Test, der nach der diagnostischen Tötung durchgeführt wird.” Beide Zahlen könnten noch weiter steigen, bis Ende Februar sollen alle Testungen abgeschlossen sein. Hinweise, wonach TBC auf Menschen übertragen worden ist, gibt es laut dem Land nicht.

Abschussorgane des Landes einsetzen

Vorwürfe, wonach das Land nicht genügend tun würde, um die TBC-Situation einzudämmen, will Feuerstein nicht gelten lassen: “Das Land nimmt die Problematik sehr ernst.” In erster Linie gelte es, die Abschusszahlen zu erhöhen. “Der Rotwildbestand muss drastisch reduziert werden, alles andere nützt nichts”, betont der Ausschussobmann. “Insbesondere muss man sich ansehen: Was passiert mit jenen Regionen, in denen die vorgegebenen Abschusszahlen nicht eingehalten werden? Hier muss angedacht werden, im Extremfall auch Abschussorgane des Landes einzusetzen”, bringt Feuerstein als Notmaßnahme auch externe Hilfe des Landes für Jäger ins Spiel.

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Zwölf-Punkte-Plan

Für die Landwirte gibt es einen Zwölf-Punkte-Plan zur TBC-Eindämmung, wie das Land in der zugehörigen Aussendung mitteilt. Feuerstein führt aus: “Dieser 12-Punkte-Plan beinhaltet Maßnahmen, um Kontakt mit Rotwild zu vermeiden. Beispielsweise stellen Hirten auf Alpen dem Vieh keine Salzlecksteine mehr bereit, zu denen möglicherweise infizierte Wildtiere Zugang haben können. Auch werden keine Viehausstellungen mehr abgehalten, um den Kontakt zwischen den Tieren zu vermeiden.”

Die Zahl des infizierten Rotwildbestands im Bregenzerwald sei im Vorjahr hingegen zurückgegangen – von acht infizierten Tieren 2024 auf vier infizierte Tiere 2025. “Hier müssen wir beobachten, ob es sich um einen längerfristige Entwicklung oder eine wellenförmige Bewegung handelt”, sagt der ÖVP-Abgeordnete dazu. Laut Angaben des Landes sind vorarlbergweit 904 ein- und mehrjährige Stück Rotwild untersucht worden, davon waren 47 positiv.

Grüne machen Druck

Unterdessen üben die Grünen in einer Aussendung zum Landwirtschaftsausschuss Druck auf Landesrat Gantner aus: „Der Landesrat muss endlich handeln: Wildbestände realistisch erfassen, die Fütterung mit Mastfutter schrittweise einstellen und die Kontrollen verschärfen. Alles andere verschärft die Situation und gefährdet die bäuerlichen Betriebe“, fordert Grünen-Landwirtschaftssprecherin Christine Bösch-Vetter.

Zwei weitere Betriebe wegen TBC gesperrt: "Müssen Rotwildbestand drastisch reduzieren"
Grünen-Landwirtschaftssprecherin Christine Bösch-Vetter. stiplovsek

(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)