TBC-Alarm im Wald: “Seuchenbekämpfung kennt leider keine Jagdethik”: Moosbrugger fordert Rotwild-Abschuss

Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger fordert im Interview mit der NEUE sofortige Maßnahmen und rasches Handeln, um die Alpwirtschaft für den Sommer zu retten.
NEUE: Insgesamt 55 Tiere wurden nun an einem Hof im Bregenzerwald getötet. Wie schätzen Sie die aktuelle Situation ein?
Josef Moosbrugger: Zum Einen muss man noch Untersuchungen abwarten, auch um herauszufinden, welche Infektionswege die Krankheit genommen hat. Noch ist es zu früh, um die Situation genau einzuschätzen, auch warten wir noch auf Ergebnisse von Testungen. Trotzdem werden wir erneut mit einer Situation konfrontiert, in der schnelles Handeln notwendig wird.
NEUE: Primär geht es also auch um die geforderte Eindämmung von Rotwildbeständen in Risikogebieten.
Moosbrugger: Absolut. Es wird gezielte, punktuelle Abschüsse von betroffenen Risikobeständen notwendig machen, besonders in den drei betroffenen und bekannten Talkesseln, die augenscheinlich verantwortlich sind. Es bedarf sofort einer deutlichen Reaktion, zielgerichtet und abseits von herkömmlichen Abschussplänen. Generell muss das Bewirtschaftungskonzept der Rotwildbestände neu überdacht werden – auch angesichts des sich verändernden Klimas, beispielsweise wenn es um die Winterfütterungen geht. Hier sind einzelne Zielbestände eindeutig aus dem Ruder gelaufen. Und hier befinden sich auch die Infektionsherde, die es nun einzudämmen gilt. An radikalen Jagdmaßnahmen führt kein Weg mehr vorbei.
NEUE: Das bedeutet aber auch wenig populäre und “unschöne” Jagdmethoden.
Moosbrugger: Seuchenbekämpfung hat nichts mehr mit Jagdethik zu tun. Genausowenig, wie die Keulung von Viehbeständen schön ist. Will man aber die Alpwirtschaft, Wildbestände und das Vieh im Einklang halten, ist das leider notwendig geworden. Und auch Methoden wie Gatterjagd mit Schalldämpfern werden punktuell aufgrund der sich ausbreitenden Gefahr ins Auge gefasst werden müssen. Wir müssen schnell handeln, sonst wird in Zukunft kein Bauer mehr sein Vieh auf eine Alpe geben, wo das Risiko einer Infektion besteht.
NEUE: Welche Maßnahmen stehen jetzt an der Tagesordnung?
Moosbrugger: Es bedarf weiterer, flächendeckender Testungen, auch aufgrund des Viehverkehrs. Und wir müssen versuchen, die Gräben zwischen Jägern und Bauern zu schließen und gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Davon hängt auch die Zukunft unserer Alpwirtschaft ab.
(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)