Sport

Warum das Logo in der neuen SCRA-Kabine an der Decke ist

03.04.2026 • 21:45 Uhr
Warum das Logo in der neuen SCRA-Kabine an der Decke ist
SCRA-Vizepräsident Werner Gunz und Sportdirektor Philipp Netzer führen die NEUE durch die hochmoderne Heimkabine. Stiplovsek (2)

Interview. SCRA-Vizepräsident Werner Gunz und Altachs Sportdirektor Philipp Netzer führten die NEUE exklusiv durch den neuen Kabinentrakt im Schnabelholz. Anschließend nahmen sich die beiden viel Zeit für ein Gespräch.

Herr Netzer, Sie waren viele Jahre lang Profi. Ganz banal gefragt: Was bringt einer Mannschaft eine so moderne Kabine wie die neue des SCR Altach, die Sie uns gerade präsentiert haben?
Philipp Netzer:
Die neue Kabine und der gesamte neue Kabinentrakt sind einfach ein weiterer Mosaikstein. Wenn wir davon sprechen, dass wir unseren Spielern bestmögliche Voraussetzungen bieten wollen, um sich sportlich zu entwickeln und ihre beste Leistung abzurufen – dann braucht es so eine Infrastruktur. Da kann ich als Ex-Profi aus Erfahrung sprechen. Aber das ist auch für jeden anderen Arbeitnehmer nachvollziehbar: Wenn ich tagtäglich meinem Beruf nachgehe, möchte ich mich in meinem Arbeitsumfeld wohlfühlen, dann will ich optimale Voraussetzungen vorfinden, damit ich mich dann auf das Wesentliche fokussieren kann: meinen Job. Um es in einem Satz auszudrücken: Du kannst von Spielern nicht erwarten, dass sie Woche für Woche performen sollen, wenn sie in einem Umfeld arbeiten, dass diesen Anspruch an sie nicht ausdrückt.

Das wäre meine Nachfrage: Ein solcher Kabinentrakt unterstreicht auch die Ansprüche des Vereins. Und damit die Ansprüche des Vereins an die Spieler.
Netzer:
Wir verstehen uns, das wäre mein nächs­ter Gedanke gewesen. Dieses Gebäude, der Profi-Campus samt den beiden Trainingsplätzen, die jetzt gerade im Werden sind, das alles steht für Aufbruch und Anspruch. Es zeugt davon, dass wir beim SCR Altach groß denken und wir uns im sportlichen Bereich ambitionierte Ziele setzen. Wenn man solche finanzielle Mittel in die Hand nimmt, wie wir das seit Jahren und insbesondere mit diesem Projekt tun, dann will und muss man sich als Fußballverein auch sportlich nach vorne entwickeln. Das ist völlig klar. Diese Ausbaustufen haben ja keinen Selbstzweck, sie dienen dem sportlichen Erfolg. Wie ich vorhin schon angedeutet habe, geht eine Entwicklung in den verschiedenen Bereichen immer Hand in Hand bei einem Fußballklub. Du entwickelst dich als Verein infrastrukturell weiter, wenn du ein Businessgebäude wie dieses mit so einem Businessklub errichtest, der in der Region Maßstäbe setzt und auch einem nationalen Vergleich standhält. Und du entwickelst dich infrastrukturell im Sportumfeld weiter, wenn du als Verein in eine so hochmoderne Kabine investierst, mit allem, was da noch dranhängt, wie die neuen Behandlungsräume. Mit diesen gewachsenen Möglichkeiten wachsen die sportlichen Ambitionen mit. Das eine geht ohne das andere nicht, zumindest nicht organisch.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.

Ich übersetze: Erfolge in einem Umfeld, das sich infrastrukturell nicht entwickelt, sind temporär, fast schon Zufall?
Netzer:
Zufall ist ein hartes Wort. (lächelt) Aber es fällt dir in einem weniger professionellen Umfeld meiner Meinung nach extrem schwer, den Standard zu halten. Natürlich kannst du auch in einem nicht so idealen Umfeld Erfolge feiern. Diese Beispiele gibt es. Die Frage ist, wie nachhaltig diese Erfolge sind. Unsere Präsidenten und unser Geschäftsführer haben sehr früh erkannt, wie eng verknüpft eine sportliche Entwicklung mit einer infrastrukturellen Entwicklung ist. Sportlich haben wir, speziell nach den zurückliegenden drei, vier Jahren, sicherlich noch Potenzial nach oben. Wir wollen uns tabellarisch stabilisieren, unser Blick geht tendenziell sicherlich eher nach oben. Unsere Voraussetzungen sind perfekt, auch in Zukunft ein Teil der höchsten österreichischen Bundesliga zu sein. Wobei wir uns, und im Speziellen ich mich als Sportdirektor, nicht vor die Mannschaft stelle und sage: Jetzt seid ihr dran, jetzt müsst ihr liefern. Die Spieler können das alles schon selbst einordnen.

Das heißt, Sie bauen auf eine intrinsische Motivation, also den Eigenantrieb?
Netzer:
Genau. Dieser Eigenantrieb stellt sich automatisch ein, denn die Jungs bei uns im Kader haben hohe Anforderungen an sich selbst. Die Spieler sind ja auch nicht naiv, die wissen schon, dass mit solchen Inves­titionen die Ansprüche im und an den Verein steigen. Oder um es positiv zu formulieren: Mit den besseren Möglichkeiten erwarten auch die Spieler von sich selbst, besser zu performen.

Gunz: Wir sind gegen BW Linz beim ersten Heimspiel mit der neuen Kabine mit einem Sieg gestartet, das war ein sehr gelungener Einstand.

Machen wir einen Perspektivwechsel: Wenn man das alles als Vereinsverantwortlicher sieht, als jemand, der das Projekt federführend vorangetrieben hat wie Sie, dann darf man stolz sein und sagen: Wir haben richtig entschieden?
Gunz:
Man darf stolz sein, man darf auch auf die Gesamtentwicklung des Vereins stolz sein. Das ist ja nicht innerhalb kurzer Zeit entstanden, sondern über Jahrzehnte hinweg. Der Grundstein ist vor 30 Jahren gelegt worden, als mit sehr viel Ehrenamt die Osttribüne gebaut wurde. Diesen Weg der infrastrukturellen Weiterentwicklung haben wir konsequent weiterverfolgt, obwohl wir dafür teilweise von links und rechts Kritik einstecken mussten. Aber wir haben uns nicht von unserem Weg abbringen lassen.

Warum das Logo in der neuen SCRA-Kabine an der Decke ist
Werner Gunz im Gespräch mit der NEUE. Dietmar Stiplovsek

Wie viel hat diese Ausbaustufe mit dem Businessgebäude samt dem Businessklub, dem Fanshop, der neuen Geschäftsstelle, der vermieteten Gesundheitswelt sowie der neuen Spieltagszone in Summe gekostet?
Gunz:
Das Businessgebäude, so, wie es jetzt hier steht, hat 14 Millionen Euro gekostet. Der überwiegende Teil davon hat der Verein übernommen. In Summe hat der SCR Altach in all den Jahren 22 Millionen Euro an Eigenmitteln in das Vereinsgelände investiert.

Eine beachtliche Leistung, Glückwunsch. Wie fielen die Rückmeldungen der Spieler aus?
Netzer:
Die Vorfreude der Spieler war riesig. Eine Woche, bevor die Mannschaft in die neue Kabine eingezogen ist, haben wir eine Besichtigungstour durch die neuen Räumlichkeiten gemacht. Ich habe bewusst die Reaktionen der Spieler beobachtet, da waren schon sehr viele dabei, die große Augen gemacht haben und spürbar beeindruckt waren. An der Stelle sei gesagt: Manche haben vielleicht ein falsches Bild von einem Fußballprofi und denken, dass den Spielern nur wichtig ist, dass am Monatsersten das Gehalt auf dem Konto ist. Aber das ist schon eine sehr platte Verallgemeinerung. Fußballprofis sind in der Regel sehr ehrgeizig und schätzen es sehr, wenn der Verein, bei dem sie unter Vertrag stehen, solche Wachstumsschritte macht. Womit sich der Kreis wieder schließt: Natürlich wissen auch die Spieler, dass sie mit den verbesserten Rahmenbindungen ideale Voraussetzungen für mehr Erfolg haben. Und darum geht’s letzten Endes: Gemeinsam erfolgreich sein.

Für manche Spieler muss sich das neue Ambiente wie ein Vereinswechsel anfühlen?
Netzer:
Zum Glück ist an der Decke der Kabine ein großes Logo angebracht. (lacht)
Gunz: Das Logo ist an der Decke und nicht auf dem Fußboden platziert, damit man nicht seine Füße auf das Logo setzen kann. Das wäre eine falsche Symbolik. Der Verein steht über den Einzelnen, auch dafür steht das Logo, das von der Decke strahlt. Und ich finde, die halbrunde Form gibt der Heimkabine das besondere Etwas. Die Gästekabine ist bewusst schlichter gehalten, nichtsdestotrotz setzen wir auch mit der Gästekabine Standards in Österreich.

Warum das Logo in der neuen SCRA-Kabine an der Decke ist
Philipp Netzer zeigt Werner Gunz und NEUE-Sportchef Hannes Mayer quasi mit einer Trockenübung am ausgeschalteten Bildschirm, wie so eine Taktikanalyse in der Kabine grundsätzlich vonstattengeht. Dietmar Stiplovsek

Netzer: Ich will keine Vereinsnamen nennen, aber ich habe in meiner Profikarriere Gästekabinen in der österreichischen Bundesliga gesehen, die mich eher an einen Dorfverein erinnert haben. Das soll jetzt nicht von oben herab klingen, es ist als Einordnung zur Anmerkung gedacht, dass unsere Gästekabine etwas schlichter als die Unsrige ausfällt. Schlichter ist wirklich sehr relativ. Es ist aber grundsätzlich gängige Praxis, dass die Gästekabine einfacher ausfällt als die Heimkabine.

Die Gästeteams-Spieler sollen spüren, dass sie auswärts spielen?
Netzer:
(lächelt) Ja, das gehört zu den psychologischen Spielchen des Spitzensports. Unsere Gästekabine ist geräumig und bietet alles auf hohem Niveau, – nicht, dass wir uns da falsch verstehen. So eine Gästekabine finden Sie in Österreich nur in den großen Arenen. Nichtsdes­totrotz haben wir den Raum bewusst viereckig gehalten, das wirkt, meiner Meinung nach, weniger aktivierend, der Bildschirm des Fernsehers fällt kleiner aus, wir wollen es unseren Gegner ja nicht zu einfach machen, in der Halbzeit das Spiel zu analysieren. Das sind zwei der Unterschiede zur Heimkabine.

Lässt es sich so zusammenfassen: Die Gäste sollen sich wohlfühlen, aber nicht zu wohl?
Netzer:
Das ist Ihre Interpretation, aber Sie hören mich nicht widersprechen.

Wir sind bei den Reaktionen der Altacher Spieler auf den Kabinentrakt stehen geblieben.
Netzer:
Viele unserer Spieler sind schon ein paar Jahre bei uns und kennen das bereits, dass sich der SCR Altach peu à peu weiterentwickelt. Wobei man natürlich schon sagen muss, dass uns mit dem Businessgebäude mit all seinen Facetten ein Quantensprung gelungen ist, der mehr als nur beeindruckend ist.
Gunz: Die Rückmeldungen auf das Businessgebäude sehr einhellig extrem positiv. Viele sind über den sehr hohen Standard überrascht. Unser Plan war sehr ambitioniert, aber es lässt sich schon jetzt sagen, dass die Sache aufgegangen ist. Das Schönste an allem ist, dass wir im Nachgang nichts anderes planen und nichts anders machen würden.

Warum das Logo in der neuen SCRA-Kabine an der Decke ist
Ein Detailblick auf die Spinde. Dietmar Stiplovsek

Wobei das öffentliche Urteil anders ausfallen würde, wenn Alt­ach vor einem Jahr abgestiegen werde – so ehrlich muss man sein. Der Abstieg wäre wie ein Schatten über dem Gebäude gelegen.
Gunz:
Das ist uns bewusst, und ich finde das auch ehrlich von Ihnen, dass Sie das gerade heraus so ansprechen. Natürlich wäre die Wahrnehmung eine völlig andere, wenn wir abgestiegen wären. Da machen wir uns keine Illusionen. Ich verrate Ihnen was: Vor einem Jahr, mitten im Abstiegskampf, haben wir mit den Spielern eine Baustellenführung gemacht, analog zu der, die vorhin Philipp erwähnt hat, vor dem Bezug der neuen Kabine. Wir haben damals bei der Baustellenführung keinen Druck auf die Spieler ausgeübt. Die Spieler wussten aber auch so, worum es geht, dass der Verein da in eine große Vorleistung gegangen ist und ein Abstieg zum schlechtest möglichen Zeitpunkt käme. Ich glaube, diese Führung hat dieses eine Prozent freigesetzt, das den Unterschied ausgemacht hat.

So nahe liegt alles zusammen. Wenn Klagenfurt seine Chancen genutzt hätte …
Gunz:
… ich mag gar nicht daran denken. Wissen Sie, im Abstiegskampf steht man als Vereinsverantwortlicher immer unter Druck. Leider waren wir mit Altach mehrfach in dieser Situation, wir sind in fünf Jahren drei Mal als Letzter ins Frühjahr gestartet.

Entstand nicht vor ungefähr fünf Jahren die Idee für das Businessgebäude?
Gunz:
Richtig, es war sogar genau vor fünf Jahren, als wir das Projekt Businessgebäude als Langzeitziel ausgerufen haben. Natürlich gab es Augenblicke, in denen das Projekt auf dem Prüfstand war. Wenn es sportlich nicht optimal läuft, wird natürlich alles hinterfragt. Aber wir sind mutig geblieben, haben uns gesagt, dass es keinen Weg mehr zurück gibt. Und ja, natürlich war die Lage speziell vor einem Jahr extrem angespannt. Es kommt immer noch mehr Druck in den Kessel. Es hat uns im Vorjahr ja selbst riesig geärgert, dass wir uns schon wieder in so einer brenzligen Situation befunden haben. Mut hat uns zum Beispiel der SC Freiburg gemacht, mit denen wir seit Jahren in Kontakt stehen.

Warum das Logo in der neuen SCRA-Kabine an der Decke ist
Netzer und Gunz im Spielertunnel: Von oben nach unten fotografiert sind die Stufen trittsicher hell … Dietmar Stiplovsek

Was war denn der Mutmacher?
Gunz:
Die Freiburger sind vier Mal aus der deutschen Bundesliga abgestiegen, haben aber ihren infrastrukturellen Expansionskurs stetig fortgesetzt. Das haben sie auch uns geraten, weil ansonsten das Wachstum des Vereins ins Stocken käme. Man darf strategische Entscheidungen nicht vom sportlichen Tagesgeschäft abhängig machen, weil sich dann die Pläne alle paar Wochen ändern. Für Wachstum braucht es Mut.
Netzer: Der Ausdruck „Mut“ bringt es auf den Punkt. Wenn ich immer darüber grüble: Was wäre, wenn das und jenes passiert – dann würden wir als SCR Altach wahrscheinlich noch so da stehen wie vor 30 Jahren. Fortschritt ist so wichtig im Leben. Privat und beruflich. Und vor allem projizieren sich mutige Entscheidungen der Vereinsführung auch auf den sportlichen Bereich. Wenn der Verein mutige Entscheidungen trifft, und der Bau dieses Businessgebäudes mit all seinen Komponenten war definitiv eine sehr mutige Entscheidung, dann entsteht daraus ein Leitbild für die Mannschaft.

Wären Sie selbst gerne mal in so einer Kabine gesessen?
Netzer:
Ich bin ein anpassungsfähiger Mensch. Das heißt nicht, dass ich schnell zufrieden bin, aber ich akzeptiere jene Umstände, die ich nicht beeinflussen kann. Die Infrastruktur des Vereins ist so ein Aspekt, den du als Spieler nicht beeinflussen kannst, außer indirekt mit einem Wechsel. Ich will es so ausdrücken: Klarerweise wäre das eine schöne Sache gewesen, als Spieler in so einer hochmodernen Kabine zu sitzen.

Warum das Logo in der neuen SCRA-Kabine an der Decke ist
… und von unten nach oben fotografiert präsentiert sich die Stiege in Schwarz samt großem SCRA-Logo. Dietmar Stiplovsek

Kurze Nachfrage: Wo in der neuen Kabine wäre Ihr Platz gewesen: Mittendrin oder am Rand?
Netzer:
Am Rand. Entweder von der Türe aus gesehen der erste Platz links oder der erste Platz rechts. Von dort aus hast du den besten Überblick und bist ein bisschen mehr für dich als irgendwo in der Mitte. Mir hat sehr viel bedeutet, dass ich als aktiver Spieler noch den Umzug in den Proficampus mitgemacht habe. Ich hätte da noch einen Gedanken, ich bin mir nur unsicher, ob das alles nicht viel zu weit führt? Bringen Sie das alles unter?
Gunz: So, wie ich die Interviews mit Hannes Mayer erlebt habe, gibt es da keine Einschränkungen, oder liege ich falsch?
Hannes Mayer: Absolut nicht. Wie ich in solchen Situationen immer sage: Die Platzfrage stellt sich nicht. Sozusagen so wie früher beim Club 2: Gespräche wie diese sind im Open-End-Format.
Netzer: Das finde ich gut, so kann man wirklich mal verschiedene Aspekte ausführlich ansprechen. Wir sind uns natürlich bewusst, dass ein solches Klubgebäude keine Punkte bringt, wir heben auch nicht ab: Das erste Ziel ist und bleibt der Klassenerhalt. Aber wir stecken uns intern natürlich ambitionierte Etappenziele und streben als Sportler nach dem Höchstmöglichen. Die neue Kabine hilft uns nicht dabei, das nächste Heimspiel zu gewinnen. Aber sie hilft uns, das große Ganze betrachtet. Weil uns eine solche Infrastruktur dabei hilft, Unterschiedsspieler zu holen.
Gunz: Patrick Greil ist dafür ein Beispiel.
Netzer: Greil ist sogar ein hervorragendes Beispiel. Wir haben im Sommer einen Videocall mit Patrick Greil gemacht. Er ist in Salzburg ganz leger in seinem Garten gesessen. Es war ein sehr offenes Gespräch, ganz so, wie er als Typ ist. Er strahlte sehr viel Ruhe aus, wirkte sehr geerdet auf mich. Ich und Eric saßen bei mir im Büro, im Hintergrund von uns waren an der Wand die Pläne des neuen Businessgebäudes zu sehen. Irgendwann fragte er, was denn das für Pläne seien an der Wand. Witzigerweise fragte er das genau an jenem Punkt des Gesprächs, an dem ich ohnehin auf das Businessgebäude zu sprechen gekommen wäre. (lacht) Ich wollte eigentlich nur die Eckpunkte thematisieren, aber Patrick ließ sich dann alles im Detail erklären. Ich glaube schon, dass Patrick der Typ Spieler ist, der sich nicht nur denkt: Cool, da darf ich mich aber in einer schönen Kabine umziehen – sondern sich auch Gedanken macht, was gerade so ein Businessklub für einen Verein bedeutet. Am Ende war das sicher ein Puzzleteil bei seiner Entscheidung, einen Vertrag über drei Jahre in Altach zu unterschreiben.

Warum das Logo in der neuen SCRA-Kabine an der Decke ist
Patrick Greil war ein Glücksgriff für die Altacher. Dietmar Stiplovsek

Wie sind denn die Rückmeldungen, die Sie aus dem österreichischen Fußball zum neuen Businessgebäude erhalten?
Netzer:
Sehr, sehr positiv. Wir werden darauf auch aktiv angesprochen. Christoph Schösswendter war als Sportdirektor von Blau-Weiß Linz bei dem Spiel in Altach zu Gast, als wir den neuen Kabinentrakt einweihten. Christoph hat vor über zehn Jahren beim SCRA gespielt, er hat sich damals noch hinter der Osttribüne umgezogen und kann deshalb die Entwicklung sehr gut einschätzen. Er war, das darf man glaube ich so sagen, tief beeindruckt. Das ist nur eines von vielen Beispielen, wie ehemalige Spieler oder Trainer auf die Entwicklung des SCR Altach reagieren.
Gunz: Meine Beobachtung ist, dass außerhalb von Vorarlberg unser stetiges Wachsen viel positiver und stärker wahrgenommen wird als hierzulande. In Vorarlberg herrschen viel Neid und Missgunst. Thematisiert werden die Fördergelder, die wir erhalten haben, aber nicht die Eigenmittel, die wir investiert haben. Ich sage es nochmal: Wir haben 22 Millionen Euro Eigenmittel in die Hand genommen. Außerhalb von Vorarlberg bekommen wir sehr viel Respekt und Anerkennung. Der Tenor ist: Das ist gewaltig, was ihr da auf die Beine gestellt habt. Mich begeistert das wirklich, dass Philipp und ich im Rahmen dieses Interviews so ausführlich über dieses Projekt sprechen können.

Wer vorgibt, beim Anblick dieser neuen Räumlichkeiten nicht beeindruckt zu sein, der ist unehrlich oder nicht objektiv. Man kann es irgendwie fast nicht glauben, dass dieses Businessgebäude in Vorarl­berg steht. Wie steht es denn um die Auslastung des Businessklubs?
Gunz:
Unser Businessplan geht auf. Gegen Rapid Wien und Salzburg konnten wir jeweils mehr als 700 Gäste im Businessklub begrüßen, das entspricht einer Auslastung von 90 Prozent. Und das in wirtschaftlich so schwierigen Zeiten wie jetzt. Das Konzept des Gebäudes ist natürlich auf den Sport ausgelegt, auf die 16 Bundesliga-Heimspiele. Aber darüber hinaus haben wir für das Gebäude auch einen Vermarktungsplan für den Alltag. Durch die Events, die hier stattfinden, wie „The Sports Mindset“, als Ralf Rangnick, Markus Merk und andere Fußballgrößen in unserem Businessklub zu Gast waren. Ein ganz wesentlicher Teil unseres Businessplans ist die Gesundheitswelt, die in dem Gebäude untergebracht ist. Ich möchte aber auch noch darauf zu sprechen zu kommen, warum Philipp der ideale Sportdirektor für uns ist.
Mayer: Gerne.
Gunz: Wir sind in den vergangenen Jahren bei der Besetzung des Sportdirektorpostens das ein oder andere Mal falsch gelegen. Vielleicht nicht mal unbedingt fachlich, sondern vom grundsätzlichen Ansatz her: Wir brauchen beim SCR Altach einen Sportdirektor, der den SCR Altach kennt, der Vorarlberg kennt, den die Leute kennen, der für die DNA des SCRA steht. In der Vergangenheit haben wir da teils völlig andere Ansätze gewählt, was aber auch daran lag, dass es diese Person, die wir uns für diesen Posten vorstellten, in Vorarlberg nicht gab. Bis Philipp auf unserem Radar war. Bei Philipp war schon vor drei, vier Jahren klar, dass er in diese Rolle hineinwachsen könnte. Deshalb haben wir ihn nach seinem Karriereende in die Geschäftsstelle übernommen. Aber eben: Er musste in die Rolle hineinwachsen. Irgendwie ist auch diese Entscheidung eine Parallele zum Bau des Business-Gebäudes. Gewisse Dinge im Leben brauchen einfach Zeit, egal ob Entwicklung von Personen, Strukturen oder Infrastruktur. Und diese Zeit bekommt man im Fußball oft leider zu selten.
Netzer: Es ist eine große Ehre für mich, beim SCR Altach, meinem SCR Altach, so eine wichtige Position einzunehmen. Ich weiß das Vertrauen sehr zu schätzen.

Warum das Logo in der neuen SCRA-Kabine an der Decke ist
Philipp Netzer macht im Gespräch klare Ansagen. Dietmar Stiplovsek

Was macht den Reiz für Sie aus, als Sportlicher Leiter die Kaderplanung bei Altach zu übernehmen?
Netzer:
Reiz ist ein sehr treffendes Wort dafür, was mich als Sportdirektor antreibt. Es ist der Reiz, mitzugestalten, Dinge auf den Weg zu bringen, was ich mir von Anfang an zugetraut habe. Wobei ich betonen möchte, dass Eric Orie ein sehr wichtiger Bestandteil unseres Teams ist. Er bringt sehr viel Erfahrung und Wissen ein, ich glaube, wir ergänzen uns ideal. Ich kann mich zu 100 Prozent auf seine sportliche Expertise verlassen. Ich weiß natürlich nicht, wie das früher auf der Geschäftsstelle war, aber wir können über alles offen sprechen. Da fallen auch mal kritische Worte, gegenteilige Meinungen ändern jedoch nichts an dem Grundvertrauen, das wir alle ineinander haben. Ich steige jeden Morgen sehr gerne ins Auto und kann es während der 30 Kilometer von Lochau nach Altach immer kaum erwarten, endlich loszulegen. Das klingt jetzt vielleicht kitschig, aber mir macht mein Job riesengroßen Spaß. Es macht mich jeden Tag stolz, meine Ideen für den SCR Altach verwirklichen zu können.

Wir kommen natürlich noch zum Abschluss auf das ÖFB-Cup-Finale zu sprechen, aber davor interessiert mich, wie es zur Verpflichtung von Ognjen Zaric gekommen ist?
Netzer:
Nachdem Sturm Graz im Winter bei uns angefragt hat, war relativ schnell klar, dass wir mit Fabio Ingolitsch nicht mehr die Diskussion suchen und sagen: Bitte Fabio, bleib in Altach, sondern, dass wir akzeptieren, dass er den nächsten Schritt machen will. Letztendlich ging der Wechsel schnell und reibungslos über die Bühne. Parallel standen wir vor der Herausforderung, einen neuen Trainer zu finden. Wir haben ein klares Trainerprofil definiert, das zu einem sehr schmalen Kreis an Trainerkandidaten führte. ­Ognjen war ein Kandidat und bei den Gesprächen zeigte sich sehr schnell, dass die Schnittmenge unserer Vorstellungen sehr, sehr groß war.

Kurzer Einwurf: Passieren solche Gespräche per Videocall oder persönlich von Angesicht zu Angesicht?
Netzer:
Die Erstgespräche fanden per Videocall statt, aber als es dann konkreter wurde, haben wir uns getroffen. Weil man im persönlichen Gespräch ein viel klareres Bild davon bekommt, ob man zusammenpasst, die Zwischentöne, die Körpersprache vermitteln da nämlich auf einer zweiten Ebene einen Eindruck, den du am Bildschirm nicht oder nur sehr eingeschränkt erhältst. Eric und ich waren uns dann sehr schnell einig, dass Ognjen der Richtige ist. Daraufhin haben wir das Präsidium und die Geschäftsführung in den Prozess eingebunden und konnten uns schnell einigen. Das klingt jetzt nicht sonderlich spektakulär, das war es auch nicht. Wir hatten eine Vorstellung, die haben wir schnell umgesetzt, ohne medial großen Staub aufzuwirbeln.

Habe ich Sie da richtig verstanden: Sie haben anhand einer Spielphilosophie den neuen Trainer gesucht?
Netzer:
Das war ein wichtiges Kriterium, ja. Wir wollten für Stabilität sorgen, meiner Meinung nach wäre es der völlig falsche Weg gewesen, wenn wir eine neue Spielidee implementiert hätten.

Warum das Logo in der neuen SCRA-Kabine an der Decke ist
Netzer präsentiert am 9. Jänner den neuen Trainer Ognjen Zaric. Dietmar Stiplovsek

Und doch wirkt die Mannschaft im Frühjahr viel stabiler als unter Ingolitsch, der, dieser Meinung war ich schon lange, nicht das Optimum herausgeholt hat.
Netzer:
Ognjen verfolgt mitunter einen etwas pragmatischeren Ansatz, der aktuell sehr gut funktioniert. Wir haben uns im Vorjahr nach dem Klassenerhalt bewusst dazu entschieden, mit Fabio weiterzumachen, weil wir ihm eine Weiterentwicklung der Mannschaft zugetraut haben. Ich denke schon, dass sich diese Entscheidung als richtig erwiesen hat, wenn er ein halbes Jahr später vom amtierenden Meister abgeworben wird.
Mayer: Die Weiterentwicklung unter Ingolitsch gab es im Herbst dann ja auch.
Netzer: Richtig. Trotzdem ist auch richtig, dass wir im Frühjahr unter Ognjen einen großen Schritt gemacht haben. Er akzeptiert, dass es auch mal Phasen in einem Spiel geben kann, in der die Mannschaft nicht attackiert und auch mal tiefer steht, gleichzeitig lässt er den Spielern etwas mehr Freiraum.

Das ist vielleicht das Beeindruckendste am Einzug ins ÖFB-Cup-Finale: Altach war sowohl gegen Sturm Graz als auch gegen Salzburg die bessere Mannschaft.
Netzer:
Das habe ich auch so gesehen. Mir imponiert die Ruhe, die wir auf dem Platz ausstrahlen, und das inzwischen Woche für Woche. Gier ist ein wichtiger Faktor im Fußball. Ohne dass ich uns mit so einem Verein vergleichen möchte, ist der FC Bayern München sicher ein gutes Beispiel. Früher haben die nach dem 2:0 abgeschaltet, jetzt legen die bei 2:0 erst so richtig los. Ein Kane oder ein Olise sind nicht eher zufrieden, bevor sie nicht mindestens einen Doppelpack erzielt haben. Umgemünzt auf unsere Möglichkeiten, erkenne ich diese Gier auch bei uns: Und das zeichnet uns im Frühjahr 2026 aus.

Warum das Logo in der neuen SCRA-Kabine an der Decke ist
Das ist der neue Medienraum, der sich angrenzend zum Kabinentrakt befindet: Hier finden die Pressekonferenzen des SCR Altach statt. Dietmar Stiplovsek

Wie groß ist die Vorfreude auf das ÖFB-Cup-Finale?
Gunz:
Wir stehen vor einer his­torischen Chance, das ist allen bei uns bewusst. Ich möchte aber viel eher ansprechen, wie hoch im Moment der organisatorische Aufwand für die Mitarbeiter der Geschäftsstelle ist, um die Anfahrt für uns und die Fans zu organisieren, da gibt es so viel zu berücksichtigen. So gesehen bin ich mir gar nicht sicher, ob die Vorfreude bei allen im Moment überwiegt, oder ob es aktuell nicht doch eher ein Abarbeiten der To-Do-Liste ist. Je näher das Spiel rückt, des­to größer wird die Vorfreude, spätestens, wenn wir uns alle auf den Weg nach Klagenfurt machen.
Netzer: Natürlich freue ich mich auf das ÖFB-Cup-Finale, und doch ist das Finale gedanklich noch sehr weit weg. Wir denken von Spiel zu Spiel. Das lebe ich als Sportdirektor vor. Du musst im Sport immer im Hier und Jetzt bleiben. Wenn wir nämlich schon jetzt ans Finale denken, ist die Gefahr groß, dass wir es in der Liga schleifen lassen. Das wollen wir nicht und das akzeptiere ich auch nicht.

Wir sitzen jetzt fast eine Dreiviertelstunde zusammen. Und doch ist zum Schluss noch ein Thema offen, bei dem ich mir nicht sicher bin, Herr Gunz, ob Sie auf meine Frage antworten werden.
Gunz:
Jetzt bin ich aber gespannt. (lacht)
Die nächste Ausbaustufe wäre, wenn Altach die Nachwuchsakademie des Vorarlberger Fußballverbands übernimmt. Und wie ich höre, gibt es auch Gespräche.
Gunz: Diese Gespräche kann ich bestätigen, aber die sind in der Anfangsphase. Wir wurden vom Landesverband gebeten, uns Gedanken zu machen, wie wir uns als SCR Altach einbringen können. Die Akademie ist eine Herzensangelegenheit von uns, so viel ist klar, aktuell stehen bei uns sechs Spieler im Kader, die aus der Akademie stammen.
Netzer: Ich war auch in der Akademie.
Gunz: Es geht bei der Akademie nicht um Altach, sondern um Vorarlberg. Die Frage ist: Was ist das Beste für den Vorarlberger Fußball? Klar ist, was das Schlechteste wäre: Wenn wir in Vorarlberg die Akademie verlieren. Wir bekennen uns als langjähriger Bundesligist zu unserer Verantwortung, der Ausgang der Gespräche ist jedoch völlig offen. Es braucht eine Lösung, die für alle stimmig ist. Im Herbst wissen wir alle mehr.

Damit sind wir am Ende des Gesprächs angelangt.
Netzer:
Ich muss sagen, das war wirklich ein spannender Austausch, das hat richtig Spaß gemacht.
Gunz: Dem kann ich mich nur anschließen, ich bin auch schon sehr auf die Umsetzung gespannt. Zum Schluss liegt mir noch auf dem Herzen, dass wir am Samstag, den 25. April, von 14 bis 21 Uhr einen Tag der offenen Tür veranstalten, zu dem wir alle herzlich einladen. Wir präsentieren das Businessgebäude und haben uns ein umfangreiches Programm einfallen lassen. Das wär’ doch auch was für die NEUE als Reportage für die Sonntagsausgabe vom 26. April?
Mayer: Ganz sicher sogar.
Gunz: Wunderbar. Und dann schauen wir mal, was sechs Tage später am 1. Mai beim ÖFB-Cup-Finale in Klagenfurt passiert.