Die Eisblüten der Aquarell-Kunst

Bildungshaus Batschuns zeigt 170 Aquarelle von Roland Haas mit zarten Motiven, die unter teils extremen Bedingungen entstanden.
Ein regelrechtes Denkmal für das oft unterschätzte Potenzial der Aquarellmalerei zeigt das Bildungshaus Batschuns mit seiner aktuellen Ausstellung „Strichweise Schneeschauer“. Anhand von 170 Bildern aus fast 50 Jahren Schaffenszeit gewähren es Einblick in das abenteuerliche Leben des Schrunser Künstlers Roland Haas.

Mit dem Medium des Landschaftsaquarells fängt der 1958 in Bludenz geborene Montafoner sensible Eindrücke teils extrem unwirtlicher Orte fest. Sie entstanden in den Weiten der Antarktis, luftdünnen Höhen des Mount Everest Basislagers oder den sschwindenden Gletschern der Alpen. So begibt sich Haas mitten in das Geschehen, das er in kürzester Zeit auf Papier bannt. Das Aquarell erlaubt keine Übermalung, entzieht sich der Retuschierung und eignet sich gerade dadurch ideal für die rasche Hand, die vor Lichtwechsel oder Wetterbruch ein Werk vollenden will.

Schnell statt flüchtig
Dass das Schnelle nicht flüchtig wird, verlangt sensible Disziplin. Der Sohn und Enkel von Architekten fand bereits in seiner Kindheit zum Aquarell, sah sich schon als Gymnasiast in Bludenz als Künstler. „Mein Lehrer Ingo Springenschmid hat mich extrem gefördert“, schwärmt Haas. Da sein Bruder Komponist wurde, sträubte sich der Vater gegen einen weiteren Künstler als Sohn. Der Schrunser sollte Lehrer oder Architekt werden. Er wurde beides und trotzdem Künstler. Nachdem der erste Antritt an der Universität für angewandte Kunst in Wien misslang, studierte Haas Architektur in Graz. Später glückte die Aufnahme an der Universität für bildende Kunst.

Unstet wechselte er die Klassen, von Anton Lehmden über Gustav Hessing zu Friedensreich Hundertwasser. Letzterer glänzte mit Abwesenheit und soll teilweise nur Audiokassetten von Neuseeland nach Wien geschickt haben. „Das war die größte Frechheit überhaupt“, erinnert sich Haas, der sich ohne „Meister“ frei entwickeln konnte.

Farbe gefriert
Der Begriff der Abenteuer-Aquarell mag abfällig klingen, schildert die Praxis des Malers aber treffend. So verbindet der leidenschaftliche Alpinist Liebe zum Wandern und Skifahren mit seiner künstlerischen Praxis. Mit Glitzern in den Augen schildert der Künstler, wie er als Heli-Ski-Guide in Neuseeland arbeitete. Es scheint, hätte sich der Eindruck der in die Fläche kalbender Gletscher als Schatz in sein Gedächtnis gebrannt.

Dass sich die Natur selbst in das Bild fügen kann, bezeugen die Eisblumen mancher Aquarelle. Haas beschreibt einen Moment in Island, in dem ihm die Farbe am Blatt gefror. „Ich habe gedacht, jetzt ist alles kaputt.“ Am nächsten Tag zeigt sich das Gegenteil. Das Bild hat sich gehalten, die Kristallstrukturen sind geblieben. Was wie ein Fehler beginnt, wird Teil der Aura des Werks. Solche Effekte lassen sich nicht wiederholen. „Wenn man versucht, es zu erzwingen, funktioniert es nicht.“ Die Bedingungen müssen stimmen. Temperaturen um den Gefrierpunkt, ein leichter Luftzug, der die Verdunstung beschleunigt.

Als Leiter des Kunstforums Montafon und des Silvrettaateliers ist der mittlerweile pensionierte Gymnasiallehrer auch als Förderer aktiv. Davon künden nicht zuletzt die Aquarell-Trekkingtouren in Nepal, bei denen Haas seine alpinistischen und künstlerischen Fähigkeiten in den Dienst der Erwachsenenbildung stellte.
Das Buch zur Schau wird am 24. Juni im Bildungshaus vorgestellt.