Vorarlberg auf der Tuning World: Schrauberherzen schlagen höher

Der European Tuning Showdown auf der 22. Tuning World Bodensee in Friedrichshafen ist im wahrsten Sinne des Wortes der Hingucker. Vorarlberg, beispielsweise Hohenems oder Hörbranz, ist ebenfalls stark vertreten.
Die Atmosphäre ist eine ganz eigene, im Vergleich zu den anderen Hallen ist in der B3 des Friedrichshafener Messegeländes zu spüren, dass es in diesen Tagen um etwas ganz Besonderes geht.
Der Leitspruch „die Spannung hochhalten“ wird des Öfteren im Mannschaftssport bemüht, doch auch hier beim European Tuning Showdown (ETS) auf der bis Sonntag stattfindenden Tuning World Bodensee ist den Teilnehmern aus 16 Nationen anzusehen, dass – zumindest den meisten – eine gewisse Lockerheit abhandengekommen ist.

Organisator Sven Schulz ist seit 2010 beim Treffpunkt für Automobil-Enthusiasten, Branchenakteure und Szene-Liebhaber der Mann für alle Fälle, die Aussage, „hier treten handverlesene Top-Fahrzeuge aus ganz Europa gegeneinander an und kämpfen um die Krone im Spitzentuning“, kann getrost wörtlich genommen werden.
Tuning-Schaulaufen
„Ich bin fast jedes Wochenende in Europa auf Shows, Messen und Tuninggaragen unterwegs, durch mein Netzwerk weiß ich heute schon, welche Fahrzeuge voraussichtlich nächstes Jahr fertiggestellt werden und für die Tuning World infrage kommen“, sagt der 46-Jährige, der beim Messerundgang ein Azubi-Projekt rund um Projektleiter Jan Brüggemann, das mit einem vollelektrischen, mehr als 500 PS starken VW Käfer aus dem Jahr 1964 ins Rennen geht), vorgestellt hat. Markus Bleimbrunner, der mit seinem Ford F100 Restomod mit bewusst erhaltener Patina Oldschool-Charme mit moderner Performance vereint, will damit bei der Jury punkten.

Schon lange ist Sven Schulz auch mit Andreas Zadl über Instagram in Kontakt, der mit seinem Porsche 996 „Miles works“ Widebody als einer der Topfavoriten gilt und mit Günther Hofer und seinem BMW M2 die rot-weiß-roten Fahnen hochhält. Der Leobener hofft, dass er bis zum Schluss dabei ist, „es war immer ein Traum von mir, hier mitzumachen“. Sein Gefährt mit Bodykit aus Spanien gibt es im deutschsprachigen Raum kein zweites Mal, im Laufe der Jahre sind rund 120.000 Euro investiert worden.

Auf der Warteliste steht Andreas Umdasch aus Oberösterreich, der mit seinem Corvette Woltuno allerdings hofft, erst 2027 dabei zu sein. „Von einer Corvette ist außer der Fahrgastzelle nichts mehr übrig, alle Einzelteile sind Handarbeit. Wenn ich durch den TÜV komme, will ich noch in die Technik investieren. Und ich hoffe, dass ich durch den TÜV komme, denn um den Hänger rauf und runter zu fahren, tun es die 300 PS“, sagt der 49-Jährige und lacht. Einige seiner Freunde aus Ober- und Niederösterreich sind mit mit der „Schrauberscene B138“ in der A7, wo die Klubszene beheimatet ist. Auch „Trizone“ aus Hörbranz sind dort zu finden. Andreas Jautz berichtet darüber, dass die Szene und somit seine Firma lebt. „Ich konnte seit der letzten Tuning World neue Mitarbeiter einstellen und überlege, weitere einzustellen. Große Umbauten betreffend sind wir bis 2027 ausgebucht, wir liefern Rennsportteile nach Israel, Argentinien, Japan oder Kanada.“ Der Hörbranzer hat sich mit seiner Firma etwa auf Turboumbauten, Antriebs-, Fahrwerks- und Bremsentechnik spezialisiert und nimmt mit einem Audi 3S 8L (1200 PS), BMW E92 (1000 PS) oder 5er Golf (1300 PS) an Drift- oder Viertelmeilenrennen auf dem Lausitz- und Sachsenring teil.

Zwölf Hallen und Freigelände
In insgesamt zwölf Hallen und auf dem gesamten Freigelände präsentieren sich über vier Tage hinweg mehr als 1000 Showcars sowie über 700 Aussteller und Community-Vertreter aus Industrie, Handel und Szene. „Unser Ziel ist es, die etablierte Veranstaltung wieder stärker als Plattform für professionelle Aussteller, relevante Branchenthemen und hochwertige Messeinhalte zu positionieren. Gleichzeitig wollen wir ihre besondere Atmosphäre und die Szene-DNA bewahren und weiterentwickeln“, berichtet Stephan Mayer, neuer Projektleiter der Tuning World Bodensee zur inhaltlichen Ausrichtung, die weit über 100.000 Besucher anlocken soll.

Beim Messerundgang war die AvD Drift Championship ein weiteres Highlight. Europas beste Driftfahrer starten in Friedrichshafen in ihre erste Competition 2026. Die Serie hat sich in den vergangenen Jahren als feste Größe im europäischen Drift-Kalender etabliert und steht für spektakuläre Battles und technische Präzision.
Erstmals dabei ist die Fast Females Area, die Fahrzeugbesitzerinnen noch stärker in den Fokus rückt und in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden soll. 30 Teilnehmerinnen, unter ihnen Verena Spanny aus Oberösterreich mit ihrem Opel Astra G Cabriolet, präsentieren im Foyer Ost ihre Fahrzeuge. Darüber hinaus widmet die Tuning World dem VW Golf GTI in Halle B4 anlässlich seines 50-jährigen Jubiläums eine Sonderschau.

Hohenemser Runde auf der Tuning World
Actionreich wird es auch bei AutoGlanz aus Hohenems wieder zugehen, da ist sich Geschäftsführer Matthias Hartenberger sicher. „Wir haben neue Produkte dabei, wie die Kranich Sprühversiegelung“, so der Hohenemser, der stolz erwähnt, dass AutoGlanz allein im April 3,8 Tonnen Felgenreiniger verkauft hat und „wir einige Vorarlberger auf die Messe holen und sich auch Kunden aus Dänemark, Schweden und Italien angesagt haben. Ja, es läuft bei uns“. Seit acht Jahren sei man auf der Tuning World, die Größe des Stands in Halle A5 wurde erweitert.

Ebenfalls aus Hohenems kommt die Modellfabrik von David Amann in A4, der das erste Mal dabei ist und dessen Firma seit zwei Jahren existiert. Ein Duftpilz in Form von einem Luftfilter soll der Verkaufsschlager sein, „jeder kann seinen Geschmack damit selbst wählen.

Und wer will, kann sein Auto auf Frühstücksbretter lasern lassen“. Die (Fantasy-)Figuren Amanns, der mit Modmasters Wrapping aus Oberteuringen kooperiert, sind wahre Hingucker, „es gibt keine zwei gleichen. Mithilfe von Pinsel und Airbrush werden sie zum Leben erweckt. Es darf ruhig ein Fulltimejob werden.“
Jochen Dedeleit
(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)