Das Geschwätz von gestern

W o gebaut wird, fällt Dreck an. Dass dieses Material irgendwo hingebracht werden muss, ist klar. Ebenso klar ist, dass Deponien selten Begeisterungsstürme auslösen, wenn sie in der eigenen Nachbarschaft errichtet werden.
Ob ausgerechnet das Tisner Ried dafür der richtige Ort ist, darf stark hinterfragt werden. Schließlich handelt es sich um ein beliebtes Naherholungsgebiet, das erst vor rund 13 Jahren mit der Renaturierung des Egelsees aufgewertet wurde.
Der Kern dieser leidigen Geschichte liegt allerdings nicht darin, wie viele Lkw pro Tag durchs Ried rollen, sondern im bemerkenswerten Schwenk des Bürgermeis-ters. Kurz vor den Wahlen inszenierte er sich als kompromissloser Verteidiger des Rieds. Nun wird dieselbe Deponie mit leicht adaptierten Rahmenbedingungen praktisch geräuschlos durchgewunken. Ohne politische Diskussion, ohne öffentliche Debatte und offenbar sogar ohne Wissen zentraler politischer Verantwortungsträger.
Über einer Bodenaushubdeponie wächst wieder Gras. Über einem politischen Wortbruch eher nicht. Spätestens bei der nächsten Wahl könnte sich das bemerkbar machen. Der eigentliche Schaden solcher Geschichten liegt nicht im Streit um ein einzelnes Projekt, sondern im weiteren Verlust an der Glaubwürdigkeit von Politik insgesamt.