500 Kinder übernehmen das Landhaus – und bringen es zum Singen

Mit einem spektakulären Chorauftritt haben rund 500 Volksschulkinder im Landhaus das 125-jährige Bestehen der Musikschule Bregenz gefeiert.
Ein wildes Surren liegt diesen Mittwochvormittag in der Luft des Vorarlberger Landhauses. Hunderte Kinderstimmen vermischen sich zu einem heiteren Klangteppich aus Kichern, Rufen und aufgeregtem Flüstern. Die rund 500 Schülerinnen und Schüler aus den Bregenzer Volksschulen Augasse, Fluh, Marienberg, Mehrerau, Rieden, Riedenburg, Schendlingen und Weidach sind gekommen, um das 125-jährige Bestehen der Musikschule Bregenz mit ihrer Gesangskunst zu feiern.

Strahlende Volksschulkinder
Erst langsam kehrt Ruhe ein. Die Kinder nehmen auf den Galerien, den Treppen und im Foyer ihre Plätze ein. Aus dem fröhlichen Stimmengewirr wird gespannte Erwartung. Alle Blicke richten sich nach vorne. „Der Landtag hat noch nie zuvor so einen großen Chor gesehen“, schwärmt Landesrätin Barbara Schöbi-Fink zur Begrüßung und erntet dafür strahlende Gesichter.
Der „Landesvater” und „seine Kinder“
Auch Landeshauptmann Markus Wallner sucht sofort den direkten Draht zu seinem jungen Publikum. Er verrät den Kindern, dass sich sein Büro im sechsten Stock des Landhauses befindet und besuchende Schulklassen herzlich willkommen sind.

Die lautesten Klassen der Stadt
Dann lässt Wallner seinen Blick durch das Foyer schweifen. Er will wissen, welche Schulen heute mit dabei sind, und ruft sie der Reihe nach auf. Sofort schnellen Arme in die Höhe, Kinder winken und jubeln. Mit jedem genannten Namen wird es ein wenig lauter. Als die Volksschule Schendlingen an der Reihe ist, brandet ein besonders kräftiger Jubel auf. Die Kinder reißen die Arme hoch und markieren ihren Anspruch als die lauteste Schule des Vormittags. Doch die Führung hält nur kurz. Kaum fällt der Name Marienberg, antworten die dortigen Schülerinnen und Schüler mit einem noch lauteren Aufschrei.

Der große Auftritt ist die Frucht langer, intensiver Zusammenarbeit. Die Musikschule Bregenz führt den Gesangsunterricht in Kooperation mit zahlreichen Volksschulen direkt in den Klassen durch. Rund 1000 Kinder nehmen inzwischen an den Singklassen teil. Musikschuldirektorin Bettina Wechselberger betont, dass dabei nicht nur musikalische Fähigkeiten gefördert werden. Gemeinsames Singen stärke auch Sprache, Konzentration und das soziale Miteinander.

„Singen macht Spaß“
Jetzt ist es so weit. Vor den Kindern steht eine Dirigentin, neben ihr wartet das Klavier auf seinen Einsatz. Mit einer kleinen Bewegung hebt sie die Arme und die ersten Töne erklingen. Der Auftakt gelingt. Konzentriert und aufmerksam singen sie das erste Lied „Singen macht Spaß“. Doch noch ist eine gewisse Vorsicht zu spüren. Manche Stimmen tasten sich erst heran, andere bleiben noch zurückhaltend. Fast wirkt es, als müssten sich die jungen Sängerinnen und Sänger erst an die besondere Kulisse gewöhnen.

Mit „Sto me“ löst sich die Anspannung langsam. Die Stimmen werden sicherer, der Klang voller. Richtig Fahrt nimmt das Konzert dann bei „Taino Te“ auf. Das Schlagzeug setzt ein und verleiht dem Lied einen pulsierenden Rhythmus. Plötzlich scheint ein Ruck durch den Chor zu gehen. Kinder, die eben noch zaghaft gesungen haben, finden Takt und Mut. Die Melodien werden kräftiger, die Gesichter strahlen, die Bewegungen werden selbstbewusster.

Begeisterung bricht los
Bei „Un poquito cantas“ ist die Begeisterung endgültig angekommen. Hunderte Kinderstimmen füllen das Landhaus-Foyer, begleitet von rhythmischen Gesten und sichtbarer Freude am gemeinsamen Musizieren. Aus vielen einzelnen Klassen ist längst ein großer Chor geworden.

Das „Wälderbähnle“ nimmt alle mit
Spätestens beim „Wälderbähnle“ gibt es kein Halten mehr. Das Volkslied wird zum Höhepunkt für Jung und Alt. Die Kinder singen aus voller Kehle, klatschen begeistert mit und lassen ihre Stimmen durch das gesamte Foyer hallen. Auch unter den Gästen und Lehrpersonen breitet sich ein Lächeln aus. Wo zuvor gespannt gelauscht wurde, wird nun mitgewippt und mitgesummt.

Für wenige Minuten scheint das ganze Landhaus-Foyer von derselben Energie getragen zu werden – jener ansteckenden Freude, die entsteht, wenn 500 Kinder gemeinsam singen und zeigen, warum Musik seit Menschengedenken Generationen verbindet.
SAV