Ein alter Weg ist plötzlich zu – in Lochau wächst der Ärger

Für viele Lochauer war dieser Weg selbstverständlich. Dann kam ein Neubau, eine Umleitung und eine Sperre, die Folgen hat.
Seit Generationen führt ein Wanderweg entlang der alten Pfänderstraße durch den Lochauer Ortsteil Haggen. Während der Bauarbeiten an einem Neubau wurde die Strecke vorübergehend verlegt. Doch nach Abschluss der Arbeiten blieb der historische Weg gesperrt. Stattdessen führt eine neue Trasse direkt an einem Wohnhaus vorbei. Die Gemeinde spricht von einer Sperre „ohne rechtliche Grundlage“ und will den ursprünglichen Weg wieder öffnen. Im Ort sorgt der Fall für großen Unmut.

Wenn Manfred Fink aus seinem Garten blickt, sieht er ein Stück Lochauer Geschichte. Direkt hinter seinem Haus verläuft die alte Pfänderstraße, die seit Jahrzehnten als Wanderweg genutzt wird. Das historische Geländer steht noch immer. Nur der Weg selbst ist heute nicht mehr zugänglich.

„Ich will, dass das wieder aufgeht“, sagt der 85-Jährige. Der ehemalige Wirt des früheren Gasthauses Haggen kennt den Weg seit seiner Kindheit. „Diese Leute haben viel Geld und glauben darum, sie können einfach machen, was sie wollen. Aber so geht das nicht“, erklärt Fink empört.


„Eine Frechheit“
Mit seiner Meinung steht Fink im Ort nicht allein. Seit Wochen wird im Ort über kaum ein anderes Thema so intensiv diskutiert wie über diesen Weg. Manche Pfändergänger sprechen von einer „Frechheit“, andere schütteln nur den Kopf. Viele möchten gegenüber der NEUE zwar nicht namentlich auftreten, ihre Botschaft ist aber eindeutig: Sie verstehen nicht, weshalb ein jahrzehntelang benützter öffentlicher Wanderweg plötzlich verschwunden ist.
Neubau am Haggen
Auslöser des Konflikts ist ein Neubau im Bereich Haggen. Während der Bauarbeiten musste der beliebte Wanderweg vor rund drei Jahren vorübergehend verlegt werden. Ein Baukran machte die bisherige Trasse unpassierbar. Die Wanderer wurden deshalb über die Straße umgeleitet.
Dass eine Baustelle Einschränkungen mit sich bringt, wurde im Ort akzeptiert. Parallel dazu entstand jedoch links neben dem Neubau eine neue Wegtrasse. Nach Abschluss der Arbeiten blieb der ursprüngliche Wanderweg gesperrt. Stattdessen wurden Spaziergänger und Wanderer über den neu angelegten Weg geführt.
Für die Lochauer war das der Moment, an dem aus einer vorübergehenden Baustellenmaßnahme ein ungewollter Dauerzustand wurde.


Klare Worte der Gemeinde
Die Gemeinde Lochau nimmt dazu eine klare Position ein. Auf Anfrage der NEUE teilt sie mit, dass die auf Fotos erkennbare Wegführung „weder einer aktuellen noch einer künftigen genehmigten Wegführung des Wanderwegs“ entspreche.
Noch deutlicher fällt die Beurteilung der Sperre des bisherigen Weges aus: „Der bisherige Weg wurde vom Grundstückseigentümer ohne rechtliche Grundlage gesperrt.“



Nach Angaben der Gemeinde handelt es sich beim betroffenen Weg um einen öffentlichen Wanderweg. Für dessen Sperre beziehungsweise Änderung bestehe keine rechtliche Grundlage.
Die Gemeinde sei in die vorgenommenen Maßnahmen nicht eingebunden gewesen und vertrete die klare Position, „dass die jahrzehntelange Wegführung beibehalten werden muss“.
Wie die Gemeinde mitteilt, wurden bereits die erforderlichen verwaltungsverfahrensrechtlichen Schritte eingeleitet. Ziel sei es, die öffentliche Zugänglichkeit des Wanderwegs wiederherzustellen und langfristig sicherzustellen.
Kritik an neuer Trasse
Bei einem Lokalaugenschein der NEUE fällt auf, dass sich die neue Wegführung deutlich vom bisherigen Wanderweg unterscheidet. Sie führt auf einer schmalen, gepflasterten Rampe unmittelbar an dem Wohnhaus vorbei. Nach einer Messung der NEUE weist der Weg eine Steigung von bis zu 32 Prozent auf. Ein Geländer gibt es nicht.

Gerade dieser Abschnitt sorgt bei vielen Anrainern für Kritik. Nach ihren Angaben wird der Weg täglich von zahlreichen Menschen genutzt. Besonders in den Abendstunden seien viele Spaziergänger und Wanderer auf dem Weg zum Pfänder unterwegs. Auch ältere Menschen würden die Strecke regelmäßig benützen. Im Winter werde der Weg ebenfalls stark frequentiert. „Es ist schön gemacht, aber so etwas eigenmächtig, ohne Bewilligung zu machen, geht nicht“, sagt ein Anrainer.
Für Manfred Fink ist die neue Trasse jedenfalls kein Ersatz für den bisherigen Weg. Nach eigenen Angaben verfügt er über ein Wegerecht und konnte über den ursprünglichen Weg mit dem Traktor seinen Wald erreichen. Über die neue Trasse sei das nicht mehr möglich.
Mehr als nur ein Wanderweg
Für viele Lochauer geht es längst nicht mehr nur um die Frage, wo Wanderer künftig Richtung Pfänder gehen sollen. Der Weg ist seit Jahrzehnten Teil des Ortsbildes und für viele Einheimische selbstverständlich.
Entsprechend groß ist die Empörung über die aktuelle Situation. Nach Angaben der Gemeinde gingen bereits Beschwerden und Hinweise aus der Bevölkerung ein. Auch politisch beschäftigt der Fall inzwischen die Gemeinde. Für Manfred Fink ist die Sache dennoch einfach: „Der Weg gehört wieder nach vorne.“