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Mader: „Unser Scouting funktioniert super“

27.06.2026 • 22:12 Uhr
Mader: „Unser Scouting funktioniert super“
Markus Mader am Schreibtisch seines Büros im ersten Stock des Austria-Centers. Der Trainer macht sich für das NEUE-Interview bereit. Klaus Hartinger

Interview. Im zweiten Teil des großen Aufstiegsinterview erklärt Austria-Lusten­au-Trainer Markus Mader im Detail die Kaderplanung und offenbart, warum sich die Grün-Weißen noch keine Ziele für die kommende Saison gesetzt haben.

Wir haben schon allgemein über die Kaderplanungen gesprochen, Sie meinten, die Austria hätte mehrere Wunschspieler bekommen. Der prominenteste Neuzugang ist sicherlich Danilo Soares, der 2013 von Austria Lustenau aus nach Deutschland wechselte und jahrelang in der deutschen Bundesliga gespielt hat. Wie ist der Austria dieser Transfer gelungen?
Markus Mader:
Als wir erfahren haben, dass grundsätzlich die Möglichkeit besteht, Danilo zu bekommen, haben wir uns intensiv um ihn bemüht. Das war der Ausgangspunkt.

Der Berater von Danilo Soares ist der ehemalige Austria-Stürmer Thiago.
Mader:
Richtig, wobei ich nicht verhehlen möchte, dass wir schon auch erst abklären mussten, in welcher körperlichen Verfassung Danilo ist. Er war ja in der zurückliegenden Saison verletzt und hat danach keine Rolle mehr gespielt in Nürnberg.

Da die Austria den Transfer durchgezogen hat, gehe ich davon aus, dass Soares fit ist?
Mader:
Ja, er ist topfit, es gibt sogar Videos von Konditionseinheiten, bei denen er Baumstämme hinter sich herzieht. Klarerweise mussten wir natürlich auch abklären, was er für Pläne hat. Er hätte ja sagen können: Ich bin jetzt 34, ich habe in der deutschen Bundesliga gespielt, war gegen Bayern, Dortmund, Leverkusen und all die deutschen Top-Teams auf dem Rasen und es ja schön und gut, dass mein Berater den Markt für mich sondiert. Aber ich habe eine Farm in Brasilien und so nett es früher bei der Austria mal war, eigentlich gehe ich lieber mit der Familie wieder nach Hause und baue mir dort etwas auf. In sehr offenen Gesprächen mit Danilo hat sich dann gezeigt, dass er sich den Wechsel zur Austria wirklich vorstellen kann und seine Familie den Transfer nach Lustenau mittragen würde. Als das klar war, haben wir alles daran gesetzt, ihn zu bekommen und sind jetzt natürlich sehr froh, dass es geklappt hat, er wird bei uns auf seiner Lieblingsposition links hinten spielen.

Der Name Danilo Soares überstrahlt auch aus nostalgischen Gründen alle anderen Transfers, aber auch die anderen Neuverpflichtungen können sich wirklich sehen lassen: Albin Gashi, Niklas Pertlwieser, Dominik Weixelbraun und nicht zu vergessen Emmanuel Chukwu – das sind alles sehr ambitionierte Transfers.
Mader:
Ich bin wie gesagt sehr zufrieden mit unserem Transfersommer. An Dominik Weixelbraun waren wir schon letztes Jahr dran, wir wollten ihn unbedingt. Damals hat er sich aber für Rapid entschieden – was auch irgendwie logisch ist: Ein Ostösterreicher, der Angebote aus Wien und Austria Lusten­au hat, der entscheidet sich in der Regel für den Wiener Klub. Noch dazu, wenn es sich um Rapid handelt. Außerdem sind wir davor fast aus der 2. Liga abgestiegen. Dominik hat sich in der Saison bei Rapid super weiterentwickelt, darum haben wir wieder angefragt, dieses Mal als Bundesligist, und dann schaut die Welt eben anders aus. Mit Albin Gashi bekommen wir einen sehr flexiblen Offensivspieler, der bei Hertha Wels über 20 Torbeteiligungen hatte und unserer Meinung nach mehr als nur bereit für den Schritt in die Bundesliga ist. Niklas Pertlwieser und Emmanuel Chukwu sind in der Innenverteidigung ein großes Versprechen für die Zukunft. Wir wollten uns im Abwehrzentrum verjüngen, darum haben wir uns ja von William getrennt. Mit Pertlwieser und Chukwu haben wir unsere Wunschspieler für diese Position bekommen. Mal klappt es, mal nicht. Bestes Beispiel dafür ist Lord Afrifa von Sturm Graz II. Er ist uns in den Spielen gegen uns enorm positiv aufgefallen. Uns hätte noch ein Sturm-Spieler gefallen, den haben wir nicht bekommen.

Mader: „Unser Scouting funktioniert super“
Markus Mader hatte großen Spaß am Gespräch. Klaus Hartinger

Ein Transfer, der in der Öffentlichkeit völlig untergeht, ist die Verpflichtung von Dion Kacuri.
Mader:
Der Meinung bin ich auch. Kennen Sie den Spieler?

Er ist mir in der Saison 2024/25 bei Yverdon in der Schweizer Super League aufgefallen.
Mader:
Dion ist auf seiner Position eines der größten Talente in der Schweiz, läuft aber bei vielen noch unter dem Radar. Unser neues Scouting-System hat da super funktioniert, wir sind richtig gut vernetzt, dass wir ihn bekommen haben, ist sehr außergewöhnlich.

Damit nehmen Sie mir die nächs­te Frage schon etwas vorweg: Wie ist es der Austria gelungen, mit Dion Kacuri einen so talentierten zentralen Mittelfeldspieler aus der Schweiz loszueisen?
Mader:
Ich wollte das schon eher in unserem Gespräch erwähnen: Unsere Verantwortlichen um Sportdirektor Dieter Alge und Sportvorstand Valentin Drexel und Stephan Muxel sowie Finanzvorstand Patrick Schuchter leisten hervorragende Arbeit. Einen wichtigen Anteil an der Kacuri-Verpflichtung hat auch Georg Margreitter, der Dion schon länger kennt. Es geht beim Kontakt mit den Beratern und Spielern auch um das Selbstverständnis. Wir sind keine graue Maus, wir haben viel zu bieten: Wir spielen Bundesliga, haben ein wunderschönes Stadion, wo an jedem Spieltag viel los ist. Das war schon in der 2. Liga so und wird erst recht so in der Bundesliga sein. Dieses Drumherum hat schon einen Einfluss auf die Entscheidungen der Spieler, denn es ist ja auch für einen Profi reizvoll, für einen Verein zu spielen, der emotionalisiert, der tief in der Bevölkerung verankert ist und wo Aufbruchstimmung herrscht. Wenn du dann auch noch eine sportliche Perspektive aufzeigen kannst, und das können wir, dann hast du schon gute Argumente, aber natürlich musst deine Trümpfe auch ausspielen. (lacht)

Und wie macht das die Austria?
Mader:
Unsere Präsentationsunterlagen, mit denen unsere Verantwortlichen den Beratern und Spielern die Austria vorstellen, sind richtig top. Wir schaffen Emotionen, vermitteln unsere Vision, streichen unsere Stärken heraus, dass die Austria ein familiärer Verein ist und wie schön es in Vorarlberg ist.

Die Kaderplanungen sind noch nicht ganz abgeschlossen?
Mader:
Wir suchen noch einen Rechtsverteidiger und einen Stürmer. Vielleicht tut sich am Ende der Transferphase zusätzlich noch eine Chance auf, falls sich der ein oder andere hochgehandelte Spieler etwas verzockt hat. Sollte sich dann eine Möglichkeit für uns auftun, werden wir das sicher prüfen, aber das wäre dann ein Bonustransfer.

Wie will den die Austria in der Bundesliga auftreten?
Mader: Wir haben natürlich unsere Kaderplanung an unserer Spielidee ausgerichtet. Wir wollen nicht nur hinten die Bälle wegschlagen und vorne auf Standards hoffen, sonst hätten wir für die Innenverteidigung hochaufgeschossene Spieler holen müssen und fürs Mittelfeld Zweikampfmonster, die auf Spielzerstörung aus sind. Nein, wir wollen mutigen Fußball spielen, offensiv denken, unser Spiel von hinten sauber aufbauen. Deshalb haben wir Spieler gesucht, die mit dem Ball umgehen können und sich mit dem Ball am Fuß auch was zutrauen. Natürlich ist das in der Bundesliga gegen Kaliber wie LASK, Sturm Graz, Salzburg oder Rapid eine Herausforderung, aber der stellen wir uns.

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Markus Mader ist schon 2022 mit der Austria aufgestiegen. GEPA

Mit welchem Ziel gehen Sie in die neue Saison?
Mader:
Das haben wir noch gar nicht definiert, aus dem einfachen Grund, dass wir unsere Kaderplanungen noch nicht abgeschlossen haben. Wir wissen noch nicht, mit welcher Mannschaft wir in die Saison gehen, darum wäre zum jetzigen Zeitpunkt eine Zieldefinierung ein Schuss ins Blaue. Bekommen wir noch echte Verstärkungen dazu, sind die Aussichten klarerweise besser, als wenn wir Kompromisse eingehen müssen. Außerdem wird sich auch in der Liga noch viel bewegen. Bei einer Zielformulierung brauchst du nämlich selbstverständlich auch ein klares Bild von der Konkurrenz. Werden die anderen Vereine eher stärker oder schwächer? Erst, wenn du einen Gesamtüberblick hast, kannst du ein realistisches Ziel ins Auge fassen. Natürlich ist das Hauptziel der Klassenerhalt, das versteht sich von selbst. Aber je nach unseren Voraussetzungen und der unserer Konkurrenten kann das Ziel zu wenig ambitioniert sein. Würde ich jetzt wiederum sagen, dass wir auf jeden Fall um den siebten, achten Platz mitspielen wollen, baue ich damit Druck auf, der zur Last wird, wenn das unser Kader im Vergleich zur Konkurrenz einfach nicht hergibt. Die richtige Zieldefinierung ist gar nicht so einfach. Zu niedrige Ziele treiben dich nicht an, weil du dich für die Zielerreichung gar nicht richtig anzustrengen brauchst. Zu hohe Ziele demotivieren dich, weil du eher früher als später merkst, dass das Ziel unerreichbar ist. Und im Laufe einer Saison die Ziele nach unten korrigieren zu müssen, ist überaus kritisch. Grundsätzlich wollen wir als Mannschaft einen Fußball spielen, mit dem wir die Zuschauer ins Stadion locken, wir werden uns nicht über einzelne Spieler definieren, sondern über das Kollektiv. Das heißt nicht, dass wir keine Spieler in unseren Reihen haben, die das Potenzial haben, herauszustechen, aber das heißt, wir werden nur als Team, als echte Einheit erfolgreich sein können.

Bleibt zum Schluss noch ein Blick auf die WM. Wie sind Ihre ersten Eindrücke?
Mader:
Ich habe mir natürlich das ein oder andere Spiel angeschaut, aber richtig intensiv steige ich erst jetzt ein, wo jedes Spiel einen entscheidenden Charakter hat. Mein Gefühl sagt mir, dass Deutschland trotz allem seine Chancen hat. Ansons­ten wird wie immer viel vom Turnierverlauf abhängen: Welche Mannschaft ein Momentum aufbaut, wer zu früh in Form war, auch das Glück spielt immer eine Rolle. Das Zeug zum Titel haben mehrere Teams.

Gibt es bereits etwas, was Sie von der WM für sich mitnehmen?
Mader:
Ja, und zwar wie die Teams mit der Fünf-Sekunden-Regel beim Einwurf umgehen. Die fünf Sekunden beginnen ja erst, wenn der Spieler den Ball in der Hand hat. Mir ist aufgefallen, dass die cleveren Teams den Ball liegen lassen, sich positionieren und erst dann ein Spieler zum Einwurf geht, wenn seine Mitspieler in Formation sind. Das ist ein neues Stilmittel, denn damit kannst du den Gegner überraschen – und das ist genau das, worauf du als Trainer aus bist.